Szene 3 - 7
3. Szene
- Am selben Abend besuchen Woyzeck und Marie einen Jahrmarkt
- Woyzeck hat sich wieder beruhigt und scheint den vorherigen Vorfall vergessen zu haben
- Ein Ausrufer preist eine Vorführung an, in der es ein sternkundiges Pferd und einen als Soldat verkleideten Affen zu sehen geben soll
- Marie möchte sich die Show ansehen, weshalb sie mit Woyzeck das Innere der Bude betritt
- Der Tambourmajor und ein Unteroffizier haben Marie in der Menge entdeckt und folgen ihr in das Innere der Bude, nachdem sie sich über ihre erotische Ausstrahlung unterhalten haben
- Während das Pferd seine Künststücke aufführt, philosophiert der Marktschreier parodisch über den Unterschied zwischen Mensch und Kreatur
- Um der Menschenmenge zu beweisen, dass das Pferd auch die Uhr lesen kann, stellt der Tambourmajor seine Uhr zur Verfügung
- Da sie das Spektakel von weiter vorne sehen möchte, lässt sich Marie vom Unteroffizier in die erste Reihe helfen
4. Szene
- Marie sitzt vor einem Spiegel und hat ihr Kind auf dem Schoß
- Betrachtet die Ohrringe, die sie vom Tambourmajor geschenkt bekommen hat
- Sinniert dabei über die Ungleichheit der menschlichen Verhältnisse
- Bezeichnet sich selbst als wunderhübsch, hat jedoch nicht so einen großen Spiegel wie die reichen Damen, um sich darin betrachten zu können
- Versucht ihr Kind währenddessen mit einer Mischung aus Gesang und Drohungen zum Einschlafen zu bewegen
- Als Woyzeck den Raum betritt versucht Marie die Ohrringe zu verstecken, was ihr jedoch nicht gelingt
- Behauptet, die Ohrringe auf der Straße gefunden zu haben
- Woyzeck bezweifelt dies, lenkt jedoch ein und betrachtet sein schlafendes Kind
- Kind hat Schweißperlen auf der Stirn
- Für Woyzeck Zeichen, dass es die armen Leute sogar im Schlaf schwer haben
- Woyzeck gibt Marie sein verdientes Geld und verabschiedet sich von ihr bis zum Abend
- Marie bleibt allein mit einem schlechten Gewissen zurück, da Woyzeck sein letztes Geld für ihre kleine Familie gibt, und sie sich vom Tambourmajor verführen lässt
5. Szene
- Während Woyzeck den Hauptmann raisert, spielt dieser sich als Philosoph auf und macht sich über Woyzeck lustig
- Sagt ihm, dass er sich nicht immer so hetzen soll, weil das auf ein schlechtes Gewissen hindeute
- Hält ihm seine unsittlichen Familienverhältnisse vor
- Ohne direkt zu widersprechen weist Woyzeck auf Gott hin, der sich allen Kindern zuwendet, egal ob sie vor oder nach der Eheschließung gezeugt wurden
- Erklärt, dass arme Leute es sich nicht leisten können, tugendhaft zu sein, weil ihnen sowieso das Nötigste zum Leben oder geschweige denn zum Heiraten fehlt
- Hauptmann bezeichnet Woyzeck daraufhin als guten Menschen und schickt ihn fort
- Ermahnt ihn jedoch erneut, sich nicht zu hetzen, sondern langsam zu laufen
6. Szene
- Marie und der Tambourmajor treffen sich in einer Gasse
- Es bleibt offen, ob sie sich verabredet haben oder sich zufällig begegnen
- Sie gestehen sich ihre gegenseitige Anziehung ein, woraufhin der Tambourmajor Marie in den Arm nehmen will
- Marie stößt den Tambourmajor zunächst von sich, möchte dann jedoch wieder von ihm berührt werden
- Verhalten erinnert an einen Balztanz
- Affäre der beiden scheint unausweichlich
7. Szene
- Es kommt zu einer Eifersuchtsszene zwischen Marie und Woyzeck
- Woyzeck behauptet, den Tambourmajor auf der Straße bei Marie gesehen zu haben
- Marie bestreitet zunächst die Vorwürfe und bezeichnet Woyzeck als „hirnwütig“ (Sz. 7, Z. 8)
- Woyzeck scheint hilflos zu sein, was Marie ausnützt, um sich frech zu verteidigen
- Für sie scheint es belanglos, ob sie eine Affäre hat oder nicht
- Möchte Woyzeck damit reizen
Funktion
- Handlung spitzt sich zu
- Leichte Steigerung der Dramatik
- Affäre zwischen Marie und Tambourmajor nimmt ihren Lauf
- Verdeutlicht Woyzecks wachsende Eifersucht, aber auch seine Hilflosigkeit, da die Affäre unausweichlich scheint
- Erweckt Mitleid des Lesers für Woyzeck, da er hart arbeitet, um Geld für die Hochzeit zu verdienen und Marie sich trotz schlechtem Gewissen dem Tambourmajor zuwendet