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Stilmittel

Die Sprache in Theodor Fontanes Werk Irrungen, Wirrungen ist dynamisch, aber recht einfach gehalten. Passend zur Epoche des Realismus wird die detailgetreue Beschreibung der Begebenheiten höher gewichtet, als die stilistische Ausschmückung der Sprache. Ganz auf Stilmittel und eine kunstvolle Sprache verzichten wollte Fontane aber auch im Realismus nicht.

Bilder

  • Fontane schafft sprachlich detailgetreue Bilder, z.B. „An dem Schnittpunkt von Kurfürstendamm und Kurfürstenstraße, schräg gegenüber dem Zoologischen, befand sich in der Mitte der siebziger Jahre noch eine große, feldeinwärts sich erstreckende Gärtnerei, deren kleines, dreifenstriges, in einem Vorgärtchen um etwa hundert Schritte zurückgelegenes Wohnhaus ...“ (S. 5)
  • Die Umgebung oder Personen werden mit vielen Adjektiven und Adverbien beschrieben, z.B. „Mager, mittelgroß und mit fünf grauen Haarsträhnen über Kopf und Stirn, wäre er eine vollkommene Trivialerscheinung gewesen, wenn ihm nicht eine zwischen Augenwinkel und linker Schläfe sitzende braune Pocke was Apartes gegeben hätte.“ (S. 11)
  • Oft finden sich eingeklammerte Ergänzungen mitten im Satz; z.B. „Ich weiß so gut Bescheid damit (denn als Kind wohnten wir auch neben einer solchen Tabagie), dass ich, wenn ich die Kugel bloß aufsetzen höre, gleich weiß, wie viele sie machen wird.“ (S. 59)
  • Auch Sinneseindrücke wie Töne vermittelt Fontane dem Leser

Wortspiele

  • Fontane spielt mit Worten und schafft so gezielt verstecke Andeutungen
  • Der Name Rienäcker beispielsweise ist ein Wortspiel aus französisch „rien“ (nichts) und Äcker, um zu zeigen, dass Bothos Familie wertlose Äcker besitzt
  • Es werden nie sexuelle Szenen zwischen Botho und Lene beschrieben, lediglich Anspielungen gibt es, so zum Beispiel die verlegene Frage des Wirts auf Hankels Ablage nach der Nachtruhe (S. 83) oder die Sprüche von Frau Dörr zum Storch oder zur Bettwäsche beim Spaziergang in Kapitel Neun
  • Fontane bringt Worte und Begriffe ein, die eine tiefere Interpretation zulassen; z.B. die pompejanische Wandfigur auf Bothos Kaminschirm, die durch ihre geschichtliche Bedeutung dafür steht, dass auch das Verbrennen von Lenes Strauß die Liebe eher konservieren wird (S. 157)

Wiederholungen

  • Fontane nutzt Wortwiederholungen als Stilmittel, z.B. „O du meine Güte“ (S.7)
  • Es finden sich Anhäufungen von Worten des gleichen Wortstammes, z.B. Herz und herzlich in Kapitel 15

Ironie

  • Fontane beschreibt die Situationen so realistisch wie möglich, wertet aber immer wieder durch Ironie
  • Mit ironischen Bezeichnungen wird die Wahrheit zwischen den Zeilen verdeutlicht, z.B. die Bretterbude der Dörrs Schloss zu nennen (S. 6)
  • Botho selbst karikiert die sinnlose Tisch-Unterhaltung der Oberschicht und zieht sie ins Lächerliche (S. 25 f.)
  • Fontane baute Seitenhiebe bezüglich der Ehe von Botho und Käthe ein, z.B. wenn Käthe sich über mögliche Liebesbriefe lustig macht, ohne zu merken, dass Botho wirklich Liebesbriefe verbrannt hat (S. 176)

Vorausdeutungen

  • Fontane arbeitet mit Aussagen und Beschreibungen, die die weitere Handlung vorausdeuten
  • Parallele Erfahrungen, die Frau Dörr mit einem Grafen gemacht hat, zeigen, dass auch Lene und Botho keine Zukunft haben werden (S. 7 f.)
  • Die Anhäufung von kaputten Dingen wie dem weggebrochenen Ziffernblatt (S. 5) oder dem Schutt eines Bildhauers (S. 57) deuten das Scheitern der Beziehung an
  • Fontane baut intertextuell Weißheiten wie „Wo Amors Pfeil recht tief getroffen, da stehen Himmel und Hölle offen“ als Knallbonbon-Spruch (S. 24) oder das Sprüchlein „Haar bindet“ (S. 73) ein
  • Auch beschriebene Situationen wie das Ausfallenlassen des Vielliebchen-Essens (S. 67) oder Lenes Beobachtung einer Magd, die sie als Zeichen deutet (S. 84 f.), haben den Zweck, die Handlung vorauszusagen
  • Es finden sich außerdem Zitate von Lene und Botho, die das Ende schon frühzeitig deutlich machen, z.B. Lenes Satz „Was sollen wir mit Hoffnung“ (S. 70) oder Bothos Worte „Ergebung ist überhaupt das Beste“ (S. 96)

Sprachstil als Charakterisierung

  • Fontane nutzt den Sprachstil in den Dialogen auch dazu, die einzelnen Figuren weiter zu charakterisieren
  • Lene: Fontane lässt Lene in einer einfachen Sprache sprechen; sie vermeidet leere Floskeln und distanziert sich Bewusst von Redewendungen wie „Liebe macht blind“ (S. 34); Lene drückt ihre Gefühle und Ängste direkt aus und spricht auch über tiefgründige Themen
  • Botho: Fontane lässt den Baron anfangs genau wie den Rest der Gesellschaft im Plauderton über Banalitäten sprechen; auf Lenes emotionale Worte reagiert Botho mit Unverständnis und bloßen Floskeln; nach der Trennung stört ihn die Plauderei mehr und mehr, er sehnt sich nach tiefsinnigen Inhalten; seine eigenen Worte werden gehaltvoller: Hat er Frau Nimptsch einst scherzhaft-höflich einen Immortellenkranz versprochen, löst er dieses Versprechen dank seiner neuen Ernsthaftigkeit ein
  • Käthe: Mit ihrem Sprachstil spiegelt Fontane die Gesellschaft wider; Käthe spricht über Klischees, zitiert anderer Leute Erzählungen oder Sprichwörter; ihre Worte sind reines Gesellschaftsecho; sie sagt nie aufrichtig, was sie denkt oder fühlt
  • Frau Dörr: Fontane lässt die Frau im Berliner Dialekt sprechen; in Kombination mit dem belanglosen und trivialen Inhalt und den leeren Allgemeinheiten, über die sie spricht, wirkt sie lächerlich

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