8. Kapitel
8. Kapitel: Kaufmann Block / Kündigung des Advokaten
Nach langen Überlegungen hat K. endlich beschlossen, dem Advokaten das Mandat zu entziehen. Allerdings zweifelt er immer noch, ob diese Entscheidung richtig ist. Unterdessen kann K. sich aufgrund des Prozesses kaum mehr auf seine Arbeit konzentrieren. Er besucht den Advokaten spät abends, direkt nach der Arbeit. Beim Advokaten öffnet ihm ein „kleiner dürrer Mann mit Vollbart“ (Z. 41), der ihm mitteilt, dass er ebenfalls wegen einer Rechtsangelegenheit da sei. Dieser Mann stellt sich als Kaufmann Block vor. Da er ohne Rock ist und Leni ebenfalls nur in Hemd gekleidet ist, wird K. eifersüchtig und fragt, ob Leni seine Geliebte sei, was Block verneint. K. stellt auch Leni zur Rede, die ebenfalls bestreitet, ein Verhältnis mit dem Kaufmann zu haben: „Ich habe mich seiner ein wenig angenommen, weil er eine große Kundschaft des Advokaten ist [...].“ (Z. 117 f.) Sie sucht körperliche Nähe zu K., was dieser jedoch nicht zulässt.
Block stellt fest, dass K. ebenfalls ein Klient des Advokaten ist, was diesen aufbrausen lässt - er fühlt sich dem Mann überlegen, der selbst von Leni herablassend behandelt wird. Schließlich kommt er mit ihm ins Gespräch. Wie K. erfährt, wird Block schon lange von Huld in geschäftlichen Dingen wie in seinem Prozess vertreten. K. wundert sich offenbar darüber, jedoch beruhigt ihn die Verbindung der ominösen Gerichte und der Rechtswissenschaften (Z. 176). Neugierig geworden, fragt K. den Kaufmann weiter aus. Über seinen eigenen Prozess berichtend, zeigt Block große Angst vor Huld, den er als „rachsüchtig“ (Z. 182) bezeichnet. Trotzdem geht er das Wagnis ein, neben dem Advokaten noch fünf Winkeladvokaten zu beschäftigen. Blocks Situation erinnert K. an sich selbst. Fast jeden Tag wartet er nun in den Gerichtskanzleien, weshalb er K. bei dessen Besuch dort bereits gesehen hat. Entgegen K.s Annahme sei den an diesem Tag Wartenden jedoch bewusst gewesen, dass auch K. ein Angeklagter ist. Außerdem erzählt Block, die Leute hätten beim Anblick von K.s Lippen behauptet, dass K. bald verurteilt werde (Z. 246 f.).
K.s Prozess nennt Block einen jungen Prozess, da er erst ein halbes Jahr dauere. Er erzählt K. von der Zeit, als sein eigener Prozess in einem ähnlichen Stadium war und er ebenfalls nur Huld als Anwalt beschäftigte. Der Advokat
habe damals verschiedene Eingaben eingebracht, die aber wertlos gewesen seien. Einmal habe er eine zu blicken bekommen - sie sei „gelehrt, aber eigentlich inhaltslos“ gewesen. Enthalten habe sie „sehr viel Latein, dann seitenlange allgemeine Anrufungen des Gerichts, dann Schmeicheleien für einzelne bestimmte Beamte, [...] dann Selbstlob des Advokaten, wobei er sich [...] vor dem Gericht demütigte, und endlich Untersuchungen von Rechtsfällen aus alter Zeit [...]“. (Vorstehendes Z. 318) Weil es keine greifbaren Fortschritte auszumachen gewesen seien, habe er sich parallel nach anderen Advokaten umgesehen. Huld stehe als richtiger Anwalt über den Winkeladvokaten, doch gehöre er entgegen seiner eigenen Worte nur zu den kleinen Advokaten. Von den großen Advokaten habe Block nur gehört, doch könne man wohl gar nicht zu ihnen gelangen (Z. 361 ff.).
K.s frühe Verachtung für den Kaufmann ist derweil durch dessen Nutzen für ihn geschwunden, Lenis Verachtung verärgert ihn. Leni zufolge erfährt K. vom Advokaten eine besondere Behandlung. Er werde trotz der schweren Krankheit des Advokaten noch zu später Stunde zu ihm vorgelassen, während Block teilweise 3 Tage warten müsse und deshalb in einer kümmerlichen Kammer in der Wohnung des Anwalts übernachte. Als K. seine Absicht verkündet, den Anwalt zu entlassen, ist Leni entsetzt und will ihn aufhalten. Allerdings gelangt K. zuerst in Hulds Zimmer und verriegelt die Tür hinter sich. Der Advokat
Der Advokat versucht, Lenis Verhalten damit zu erklären, dass sie sich zu Angeklagten hingezogen fühle. K. kommt aber gleich zur Sache und spricht die Kündigung aus. Huld reagiert persönlich betroffen, da K.s Onkel sein Freund sei und auch K. ihm „im Laufe der Zeit lieb geworden“ sei (Z. 569 f.). Er warnt K. davor, etwas zu übereilen. K. rechtfertigt sich dadurch, dass sich seine Sorgen durch Hulds Vertretung vergrößert haben; er wirft ihm Nachlässigkeit vor (Z. 599 f.).
meint seinerseits, dass K. zu Fehlschlüssen komme und zu falschem Verhalten verleitet werde, weil man ihn als Angeklagten zu gut behandle (vgl. Z. 674). Um K. zu demonstrieren, wie andere Angeklagte behandelt werden und wie abhängig sie von ihren Advokaten sind, welche die Kontakte zu den wichtigen Richtern und Beamten pflegen, bestellt er Block ins Zimmer. Block wird von Huld vor K.s Augen gedemütigt und erniedrigt, muss sogar die Hand des Advokaten küssen. Auf K.s Zurechtweisungen reagiert Block jedoch mit Wut, von K., einem weiteren Angeklagten, lässt er sich nicht seiner Würde berauben. Huld, der K. mit dieser Vorführung von der Kündigung abhalten wollte, hat das Gegenteilige erzielt: K. fühlt sich vom Advokaten abgestoßen.