Abb. 1: Milford verabschiedet sich.
Lady Milford (oder mit wahrem Namen Johanna von Norfolk) ist eine komplexe Persönlichkeit. Sie entstammt dem englischen Hochadel und hat eine dramatische Vergangenheit durchlebt: Ihr Vater wurde des Verrats angeklagt und hingerichtet, ihre Mutter starb bald darauf, der Besitz wurde der Familie entzogen und sie musste im Alter von 14 Jahren nach Deutschland fliehen, nur mit einem Schmuckkasten als letztem Überbleibsel vom Vermögen der Familie bewehrt. Die Liebe des Herzogs hat sie zuerst erwidert, doch als sie als Mätresse sein Land betrat, war sie vom Zustand des Herzogtums schockiert. Sie hat daher eine ambivalente Einstellung zum Hof: Einerseits verachtet sie die Menschen am Hof, die für sie eitel, verlogen und feige sind, andererseits gibt sie ihren Ehrgeiz zu, mit dem sie ihre Konkurrentinnen beim Herzog ausgeschaltet hat, um allein in seiner Gunst zu stehen. Auch sie ist eitel (wie sich im Gespräch mit Luise zeigt) und weiß, anderen Menschen zu drohen und Intrigen zu spinnen (die Heirat mit Ferdinand ist eine solche, da der Präsident glaubt, es sei eine bloße Scheinehe). Aber die Lady hat ein gutes Herz und nutzt ihre Stellung, um den Menschen im Herzogtum zu helfen, die aufgrund der erpresserischen Politik des Herzogs leiden müssen, der sich nicht um die Belange des Volkes schert.
Auch liebt sie Ferdinand aufrichtig, die Liebe ist ihr letztlich wichtiger als ihre Stellung am Hofe, denn sie würde mit Ferdinand bereitwillig aus dem Herzogtum fliehen. Er gefällt ihr wohl, weil er im Gegensatz zu den Anderen am Hofe Ideale besitzt. Die Liebe ist zudem die Schwäche der Lady Milford, da sie sich nach der Liebe verzehrt und ansonsten keine große Hoffnung mehr in ihrem Leben hat. Dass Ferdinand sie als unmoralisch bezeichnet und ablehnt, trifft sie hart und sie will ihren Heiratsplan nicht aufgeben - vielleicht auch deshalb, da sie das Ansehen des Herzogs verlieren könnte. Auch zeigt sie sich gegenüber Luise hinterhältig, will sie demütigen und bedrohen. Dieses Verhalten entspringt ihrer Eifersucht.
Einerseits verachtet Lady Milford also das typisch höfische Verhalten, kann es andererseits aber selbst perfekt anwenden. Am Ende entschließt sie sich jedoch, von Luise beschämt und beeindruckt, das Verhältnis zum Herzog aufzugeben, dem sie vorwirft, sie moralisch zu verderben. Lady Milford entscheidet sich für das Gute und vollbringt selbst eine große Tat mit ihrem Verzicht. Trotz ihrer Ambivalenz ist sie alles in allem ein guter Charakter.
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