Gesellschaftliche Bezüge
Ebenfalls kann es von Bedeutung sein, die Handlung des Werks In der Strafkolonie in einen gesellschaftlichen Kontext einzubetten, um eine nachhaltige Interpretation zu verfassen.
Industrialisierung und Modernisierung
- Thema der Literatur im 19. Jahrhundert bezogen auf die Industrialisierung und Modernisierung Deutschlands, war die Darstellung einer unwirklichen und grausamen Welt für den Leser.
- Die Modernisierung steht für Maschinen und revolutionäre Erfindungen der Neuzeit.
- Industrialisierung, Handel, Verkehr und Mobilität, Massenkommunikation erlebt einen Aufschwung
- Gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen die Arbeit der Menschen: Weg vom Land in die Städte, in denen die Industrialisierung boomt.
- Dies führt zu einer verstärkten Urbanisierung, die natürlich Vorteile der Effektivität und Effizienz des Arbeitens in Industrien mit sich brachten, jedoch auch zu einer Marginalisierung einzelner Bevölkerungsgruppen führte.
- In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ließ sich eine jedoch der Gegensatz eine Art Technikfeindlichkeit der Menschen beobachten. Dazu leiden Menschen unter miserablen Arbeitsbedingungen.
Maschine vs. Mensch
- Der Hinrichtungsapparat hat den Vorteil, eine Arbeitskraft zu ersetzen.
- Die Technik der Maschinen gilt als fortschrittlich.
- Die Zuverlässigkeit der Maschine bleibt aufgrund der Abgabe von Verantwortung fraglich: Die Verantwortung bleibt allein beim Apparaten; technische Probleme können sehr spontan auftreten und zu vehemente Folgen führen (Exekution des Offiziers: Sein Tod setzt unmittelbar ein.) (S. 60, Z. 29ff.)
- Der Exekutionsapparat ist nicht in der Lage, derartige Probleme durch kurzfristiges Eingreifen zu lösen. (S. 60, Z.20) Die Maschine ist programmiert, der maschinelle Ablauf ist hier vorherbestimmt und unumkehrbar. Diese Automatisierung wirkt im Werk nicht nur unzuverlässig, sondern vor allem auch nicht vertrauenswürdig. (S. 47, Z. 32ff.)
- Man könnte meinen, dass das Werk einen Kampf zwischen Maschine und Mensch konstatiert. Bei genauerem Hinsehen und der Tatsache, dass der Mensch den Kampf nicht gewinnen kann, fällt jedoch auf, dass der Mensch für seinen aussichtslosen Kampf selbst verantwortlich ist. Wie die Erfindungen ist auch der Wettstreit zwischen Mensch und Maschine menschengemacht. Übertragen führt der Mensch somit einen Kampf gegen sich selbst und zwar aus dem egoistischen Bestreben heraus, etwas immer Größeres und Besseres entwickeln zu müssen. Die Nachteile der Technik bleiben dabei unbeachtet. (s. Technikfeindlichkeit)
- Grausamkeit der Maschine, keine Emotionen; verfügt über kein Mitgefühl: Folter, Schmerzen, Tod
- Emotionale Abstumpfung: Maschinen haben keine Emotionen und handeln nicht sozial. Man könnte fast behaupten, der Offizier sei feige, da er die Exekution einer Maschine überlässt und nur dabei zuschaut. Eigene Emotionen offenbart er nicht; er wirkt vielmehr so abgestumpft und programmiert wie die Maschine selbst.