Epoche
Hans-Ulrich Treichel veröffentlichte sein Werk Der Verlorene im Jahr 1998. Es kann damit der Epoche Postmoderne bzw. generell der Gegenwartsliteratur zugeordnet werden.
Definition Gegenwartsliteratur
- Keine Epoche, sondern ein Sammelbegriff für die zeitgenössische Literatur ab 1990 bzw. der Jahrtausendwende
- Motive: aktuelle Themen im Hier und Jetzt werden aufgegriffen, z.B. Terror, Klimawandel oder die Finanzkrise; Schnelllebigkeit von sozialem und technischem Wandel; Globalisierung; Erinnerung an historisch bedeutsame Ereignisse wie Krieg und Wende; Flucht vor der Realität; Verarbeitung der familiären Vergangenheit
- Aufbau: Textsorten und Stil variieren stark
- Stil: Die Autoren sind experimentierfreudig; mal lockerer Stil, mal sprachlich anspruchsvoll; spielerischer Umgang mit sprachlichen Motiven
- Wirkung: Die Autoren wollen mit ihren Werken primär unterhalten; außerdem wird Bildung angestrebt
- Verständnis: Autoren und Leser verbindet die gleiche Lebenswelt, sie teilen die gleichen Erfahrungen
- Publikation: Durch die neuen Medien wird die Literatur vermehrt auch digital in Form von E-Books; Blogs oder auf Websites veröffentlicht; Literatur wird schneller einem größeren Publikum zugänglich gemacht
Definition Postmoderne
- Literaturepoche, die ab 1989 beginnt
- Motive: Sinnlosigkeit der neuen, modernen Welt; komplexe, nicht objektiv wahrnehmbare Realität; verzweifelte Suche der Menschen nach ihrem Platz in der Welt
- Aufbau: Bezug auf alte Traditionen; hohe Intertextualität durch Verweise auf historische Quellen
- Figuren: Die Hauptfiguren der Werke sind negativ besetzt; Außenseiter, die sich nicht zum Besseren verändern; der Leser kann sich nicht identifizieren
- Erzähler: Der Erzähler berichtet meist distanziert; er kommentiert häufig mit einer ironischen Haltung und greift in die Erzählung ein; ist als unzuverlässiger Erzähler einzustufen
- Erzählstruktur: Mehrere Handlungsstränge; keine lineare Erzählung; es gibt Zeitsprünge, Zeitraffungen oder Zeitdehnungen
- Sprache: Die Autoren der Postmoderne spielen mit Stilmitteln und Rhythmus; die Sprache wird schön ausgeschmückt
Merkmale für die Postmoderne im Werk
- Motive: Der Ich-Erzähler sucht seinen Platz im Leben und steckt in einer Identitätskrise; die Eltern empfinden ihr neues Leben nach der Flucht aus ihrer Heimat und dem Verlust ihres Sohnes als sinnlos; der Erzähler muss sich mit der Vergangenheit seiner Familie befassen
- Aufbau: Das Werk verweist intertextuell auf das biblische Gleichnis vom verlorenen Sohn
- Figuren: Der Ich-Erzähler ist ein Außenseiter in seiner eigenen Familie und in der Schule; er entwickelt sich zum frustrierten Teenager
- Erzähler: Der Ich-Erzähler arbeitet mit Ironie, an einigen Stellen kommentiert er aus Sicht des Erwachsenen
- Sprache: Treichel setzt das Stilmittel Repetitio in unterschiedlichsten Ausführungen ein
- Fazit: Bis auf die lineare Erzählstruktur und den einzelnen Handlungsstrang passt das Werk Der Verlorene in die Epoche der Postmoderne