Autor
Heinrich von Kleist lebte von 1777 bis 1811 als deutscher Dramatiker, Erzähler, Lyriker und Publizist. Zu Lebzeiten gehörte er nicht zu den etablierten Schriftstellern, da er sich fernab der damals herrschenden Literaturepochen der Weimarer Klassik und der Romantik bewegte. Kleist war künstlerisch betrachtet ein Außenseiter, genau wie im privaten Bereich.
Biografie Kleist
- Am 18.10.1777 in Frankfurt an der Oder geboren
- Als älteste Sohn von Joachim Friedrich von Kleist, Kommandant im Regiment Herzog Leopolds von Braunschweig, und Juliane Ulrike, geb. von Pannwitz, mit sechs Geschwistern aufgewachsen
- Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1788 kommt Kleist an eine Privatschule nach Berlin
- Bei dem Prediger Samuel Heinrich lernte er den Begriff der Aufklärung kennen
- 1792 tritt Kleist in das Garderegiment zu Potsdam ein
- Während seines Heimaturlaubs im Februar 1793 stirbt seine Mutter Juliane Ulrike
- April bis Juli 1793 nimmt er an der Belagerung der Stadt Mainz teil und wird im Mai zum Portepeefähnrich (unterster Offiziersrang) befördert
- Am 11. Juli 1793 kehrt er nach Potsdam zurück
- Ab 1798 widmet er sich seinen geistigen und musischen Interessen, spielt z.B. Klarinette und Flöte
- 1799 erbittet er den Austritt aus dem Militär
- Er beginnt ein Studium der Finanzen und des Rechtswesens an der Universität Frankfurt an der Oder. In dieser Zeit liest er vermehrt Werke von Kant, Schiller und Goethe
- Im Jahr 1800 verlobt er sich mit Wilhelmine von Zenge, heiratet aber nie
- Er unternimmt bis 1803 mehrere kurze Reisen, beschäftigt sich weiter mit philosophischen und literarischen Werken
- 1803 arbeitet er an Robert Guisard, Der zerbrochene Krug und Amphitryon
- Anstellung im Department des späteren Staatskanzlers Karl August Freiherr von Hardenberg
- Im Jahr 1808 werden erste Fragmente der Erzählung Michael Kohlhaas in seiner 1807 gegründeten Zeitschrift Phöbus veröffentlicht
- 1809 wird der Phöbus aufgrund finanzieller Schwierigkeiten eingestellt
- In Prag will er ein patriotisches Wochenblatt unter dem Namen Germania herausbringen, was jedoch nicht zustande kommt
- 1810 erscheint der erste Band der Erzählungen, die unter anderem Michael Kohlhaas beinhalten
- Ab Oktober des gleichen Jahres veröffentlicht Kleist in Berliner Abendblättern mehrere kleine Anekdoten, Erzählungen und Aufsätze
- 1811 erschießt Kleist am Wannsee erst seine enge Vertraute Henriette Vogel und anschließend sich selbst
Autobiografische Bezüge im Werk
- Auffällig ist, dass die Kinder von Kohlhaas genauso heißen wie Heinrich von Kleist und dessen Bruder Leopold; außerdem müssen Kohlhaas‘ Kinder nach dem Tod von Elisabeth genau wie Kleist früh ohne Mutter auskommen
- Durch seine eigene Zeit als Soldat kannte sich Kleist mit militärischen Angelegenheiten aus; ebenso verstand er sich als preußischer Beamter auf die Fachbegriffe in der öffentlichen Verwaltung
- In seiner Funktion als Beamter hatte Kleist Zugriff auf historische Chroniken, die er für seine Arbeit an Michael Kohlhaas verwendete
- Als Nachfahre des Adelsgeschlechts von Kleist war er mit der Historie des Adels in Brandenburg und Sachsen vertraut; die positive Beschreibung des Kurfürsten von Preußen wirkt wie eine Hommage an den Adel
- Privat interessierte sich Kleist schon früh für die philosophischen Werke von Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant, was sich im Werk wiederspiegelt
- Laut Zeitzeugen war Kleist seiner Figur Kohlhaas sehr ähnlich, da er ebenso zu radikalen Prinzipien und Entscheidungen tendierte
- Kleist verband eine Freundschaft mit dem Staatsrechtler Adam Heinrich Müller; dieser machte sich für ein Widerstandsrecht gegen den Staat stark, das Selbstjustiz legitimiert
- Genau wie sein Protagonist Kohlhaas, den nach seinem Rachefeldzug nichts mehr vor der Hinrichtung retten konnte, fühlte sich Kleist in einer ausweglosen Situation. In seinem Abschiedsbrief schrieb er „Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war“. Während er sich selbst das Leben nahm, akzeptierte Kohlhaas freudig und friedlich sein Todesurteil