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Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Erzählweise

Erzählerische Perspektive

  • Auktorial: In der auktorialen Erzählperspektive betrachtet der Erzähler das Handlungsgeschehen von außen. Ein auktorialer Erzähler wird auch als allwissender Erzähler beschrieben, da er zwar alles über die Geschichte zu wissen scheint, sich jedoch vorbehält, welche Informationen er mit dem Leser teilt
  • Epische Distanz: Damit ist gemeint, dass der Erzähler über alle temporären und räumlichen Dimensionen Bescheid weiß und sich nicht zuletzt aus diesem Grund besonders gut vom Geschehen abgrenzen kann. Auf diese Weise baut Eichendorff im Falle von Das Marmorbild eine gewisse Distanz zwischen sich selbst und der Erzählung auf
  • Vogelperspektive: Der Erzähler ist dem Leser überlegen, da letzterer ausschließlich über die Informationen verfügt, die ihm der Erzähler „häppchenweise“ zur Verfügung stellt
  • Jahreszeiten: In der vorliegenden Erzählung verwendet der Autor ganz bewusst die Einbettung von Jahres-und Tageszeiten, was wiederum bewirkt, dass der Leser unweigerlich Stimmungen, Figuren und Themen der Märchennovelle mit bestimmten temporären Angaben assoziiert. Bezüglich der Jahreszeiten ist es auffällig, dass beispielsweise der Frühling mit Neubeginn und Wiedergeburt (Florios Befreiung aus dem Bann der Venus am Ende der Märchennovelle, Ende Abschn. 4) gleichgesetzt wird und somit in enger Relation mit dem emotionalen Innenleben Florios steht. Zu beachten sei außerdem, dass sich die gesamte Handlung in ein und derselben Jahreszeit abspielt. Zwar wird durch die Verwendung der Nomen wie etwa „Sommernacht“ (Abschn. 4, Z. 200) oder „Sommerabend“ (Abschn. 1, Z. 2) der Anschein erweckt, es sei bereits Sommer - jedoch handelt es sich eher um einen verhältnismäßig warmen Frühling, da Florio und Bianka am Ende der Novelle „in das blühende Mailand hinunter“ (Abschn. 5, Z. 183) reiten. Mit „Mailand“ ist in diesem Fall weniger die Stadt als der Monat Mai gemeint
  • Tageszeiten: Einrahmen lässt sich die Handlung in den Abend, an welchem die Märchennovelle beginnt und dem Morgen, an welchem sie endet. Die Stimmungen und Emotionen der Figuren im Werk Das Marmorbild werden stark durch die Gegensätze von Tag und Nacht beeinflusst, was sich besonders daran zeigt, dass Eichendorff im Mondlicht Allem einen „gespenstischen“ (Abschn. 1, Z. 393) und „rätselhaften“ (Abschn. 5, Z. 120), aber auch „zauberisch[en]“ (Abschn. 4, Z. 79) Hauch verleiht. Auf der anderen Seite wiederum beschreibt er, dass morgens „ein tiefer, heiterer Friede herrscht“ (Abschn. 4, Z. 209). Florios Gemüt ist zu dieser Tageszeit „vergnügt“ (Abschn. 4, Z. 12) und Fortunatos Stimmung ist „lustig“ (Abschn. 2, Z. 5) und „gutmütig“ (Abschn. 2, Z. 35)

Sprachlicher Stil

  • Formelhaft: Eichendorff schenkt dem Text in Das Marmorbild seine individuelle Handschrift, indem er unter anderen eine sehr formelhafte Sprache nutzt. Letzteres zeigt sich in der frequentierten Wiederholung bestimmter Wörter, wie etwa an den Substantiven Luft als „kühle Morgenluft“ (Abschn. 4, Z. 220) oder „laue Abendlüfte“ (Abschn. 4, Z. 8) und Duft als „Versinkend zwischen Duft“ (Abschn. 2, Z. 127) oder „Mondscheinduft“ (Abschn. 3, Z. 235)
  • Verschwommen, vage: Die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit ist in Das Marmorbild nicht immer klar abzustecken, da der Autor durch seinen Schreibstil im Konjunktiv das Eventuelle, Unklare und somit die Vagheit der Handlung betont. „Es war ihm, als hätte er“ (Abschn. 2, Z. 132) und „als sei sie nun größer, schlanker und edler“ (Abschn. 3, Z. 199) stellen zwei Beispiele für die Schreibweise im Konjunktiv dar und demonstrieren die Ungewissheit, die ihnen zugrunde liegt
  • Sinnlich: Durch immer wiederkehrende Beschreibungen verschiedener Sinneseindrücke, wie beispielsweise der Lichteinwirkung, spricht Eichendorff ganz gezielt, in diesem Fall zum Beispiel den Sehsinn des Lesers an. Der Autor der Spätromantik vermag diesen Effekt besonders in der Verwendung der Verben funkeln und glänzen sowie der Substantive „Mondesglanz“ (Abschn. 2, Z. 198), „Mondschein“ (Abschn. 2, Z. 11) und „Abendgolde“ (Abschn. 1, Z. 57), hervorzurufen

Funktion der Lieder

  • Vermittelnd: Während der Novellentext den Leser teilweise im Dunkeln tappen lässt, stellen die gesungenen oder gesprochenen Verse der einzelnen Figuren eindeutiger dar, wie sie sich fühlen, was sie bewegt etc.
  • Prophezeiend: Bereits zu Beginn der Handlung kündigt Fortunato in seinem Lied (Abschn. 1, Z. 151 ff.) die Prüfung an, welche Florio bevorstehen wird. Auch Venus, versucht ihren Seelenzustand, als sie sich unbeobachtet fühlt, in Form eines Liedes auszudrücken (Abschn. 2, Z. 113 ff.). Zu dem Zeitpunkt jedoch ist Florio nicht empfänglich für ihre gesungenen Worte, die über ihr Schicksal, jedes Jahr im Frühling von Neuem geweckt zu werden, klagen
  • Aufklärend: Nachdem Florio die Flucht aus Lucca ergreift, jedoch noch keine Erklärung für die rätselhaften Erlebnisse der vergangenen Tage gefunden hat, erklärt ihm Fortunato die Sage um die Heidengöttin Venus in Form eines Liedes (Abschn. 5, Z. 36 ff.)
  • Kreisförmig: Die Episode an gesungenen Liedern findet ihren Anfang in der unheimlichen Ankündigung und beinhaltet über den Handlungsverlauf hinweg zahlreiche Gesänge von Fortunato, Florio, Venus und Bianka. Der Kreis schließt sich, als dieselbe Figur, die das Unheil ankündigt, nämlich Fortunato, auch das Vorgefallene in seinem Schlusslied (Abschn. 5, Z. 36 ff.) über Venus noch einmal erläutert

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