Rezeption
Im Vordergrund der Werke des ostdeutschen Schriftstellers Christoph Hein stehen beinahe ausnahmslos die Ungerechtigkeiten des Staates in der DDR. In seinem Roman In seiner frühen Kindheit ein Garten wird die ungerechte Rechtssituation im Westen dargestellt und kritisiert. Nach der Veröffentlichung seines Romans hagelt es sehr viel Kritik für Hein. Doch auch Unterstützer, insbesondere ostdeutsche Rezensenten, zieht das Werk in seinen Bann. Es entsteht ein enormes Diskussionspotenzial und große Uneinigkeit über Heins Werk. Dieser Zwiespalt soll im Folgenden aufgezeigt werden.
Kritik
- Hauptsächlich wird die eigentliche Intention des Autors - Fiktionalität und Distanzierung von der realistischen Geschichte des RAF-Mitglieds Wolfgang Grams zu erreichen - stark kritisiert.
- Die literarische und sprachliche Qualität des Romans leidet unter der ausgeprägten Empathie und der Einseitigkeit des personalen Erzählers.
- Kritik an der Sprache Heins: Eintönig-, Kunstlosigkeit und Kitsch
- Dialoge und Alltagsgespräche werden minutiös beschrieben.
Stattdessen wird der Fall Wolfgang Grams als zu ungenau recherchiert, schlecht nachvollziehbar, historisch unrealistisch und unwahr aufgefasst.
- Hein wird eine falsche Geschichte unterstellt.
- Trotz fehlender konkreten (Be-)Wertung des Autors bis auf den Einsatz des personalen Erzählers, wird kritisiert, dass sich Hein zu parteiisch gibt und die Perspektive des Staates nicht zu Wort kommen lässt.
- Andererseits wird jedoch gerade diese ungenaue Herangehensweise des Autors angegriffen: Hein stellt zwar indirekt als personaler Erzähler sein Mitgefühl mit dem Ehepaar Zurek und somit den Glauben an die Unschuld Olivers dar, einige Kritiker wünschen sich jedoch eine klare und weniger schwammige Positionierung des Autors. (Hein versteckt sich hinter seinem personalen Erzähler)
Lob
- Dem Autor gelingt es, die Todesumstände von Wolfgang Grams nicht nur in analoger Weise zu dokumentieren und eine bloße Nacherzählung und historische Aufarbeitung eines RAF-Mitglieds zu liefern, sondern sein eigentliches Thema, den Schutz der Demokratie, den Umgang des Staates mit Macht und den Umgang der Eltern mit dem Tod ihres Sohnes in den Vordergrund zu rücken.
- Dementsprechend ist es gerade das in Heins Werk intendierte Anliegen, das ein Potenzial für Kritik bildet und es bleibt somit offen, ob seine Intention überhaupt erkannt und man ihr gerecht wurde.
- Die nur indirekte Positionierung des Autors lässt dem Leser einen größeren Freiraum zur eigenen Meinungsbildung und Reflexion.
- Durch den Einsatz des personalen Erzählers, der eine gewisse Rezeptionslenkung verursacht, erhält der Leser einen tiefen Einblick in die inneren Vorgänge der Figur Richard Zurek (z.B. Gedanken und Gefühle)
- Der emotionale Kampf um Gerechtigkeit und der Erkenntniswandel Richards wird somit detailliert beschrieben und ist für den Leser gut nachvollziehbar.
bietet eine Möglichkeit zur Sympathie und Identifikation
- Hein spielt in seinem Werk auf kunstvoll sprachlicher Weise mit Gegensätzen.
Die Meinung Christins als Vertreterin und Sympathisantin des Staates, im Gegensatz zur Perspektive ihres Vaters; das kleinbürgerliche und überschaubare Leben der Familie Zurek und der plötzliche terroristische Einschnitt, der ein Leben in Privatheit unmöglich macht
Erfolg
- Nominierung für die Bestsellerliste und den deutschen Buchpreis (2005)
- Uraufführung der Bühenenfassung im Theater Heilbronn (2009)