Motive und Symbole
Leitmotive/ Dingsymbole spielen eine besondere Rolle für die Geschichte, da sie wiederkehrend auftreten und auf inhaltlicher Ebene als eine Art Leitfaden fungieren. Noch dazu besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Epoche der Romantik und ihren typischen romantischen Motiven, die auch im Werk Peter Schlemhils wundersame Geschichte auftauchen. Im Folgenden sollen die im Werk propagierten typischen Elemente näher erläutert werden.
Schatten
- Der Schatten ist ein Motiv der Romantik, da es im mystischen, märchenhaften und teuflischen Themenkomplex fest verankert ist.
- Im Gegensatz zum Menschen, der sich durch seine physische Greifbarkeit auszeichnet, wie es auch bei Geld der Fall ist, bildet der Schatten im Werk diejenige Komponente, die den Zugang zum Geistlichen und zur Poesie hat. Schlemhils kapitalistisch geprägte Art offenbart sich durch den Verlust seines Schattens bzw. schon während des Tauschhandels, der seinerseits sehr naiv ist. Mit seiner Schattenlosigkeit verliert er auch sein Gefühl und seine Fantasie. Übrig bleibt er als rein materialistisch denkendes Wesen.
- Im Werk fungiert der Schatten als eine immer wiederkehrende Metapher.
- Schlemhil muss lernen ohne Schatten Zugang zur Poesie zu bekommen.
- Der Schatten ist also nichts anderes als ein Teil von Schlemhil, der ihm verloren geht. Schlemhil schätzt die Bedeutung seines Schattens erst wert, wenn er keine gesellschaftliche Anerkennung mehr erfährt. In das Tauschgeschäft geht er unüberlegt hinein und ist sich der gravierenden Folgen seiner Schattenlosigkeit nicht bewusst.
- Ein Schattenloser zeichnet sich im Werk durch ein Außenseiterdasein aus. Schlemhil lebt in sozialer Isolation. Der Schatten hat demnach eine herausragende gesellschaftliche Bedeutung für die Menschen im Werk.
Räume
- Die Räume sind im Werk gegensätzlich angelegt, wie es für ein Märchen typisch ist. Außerdem weisen sie sich durch semantische Funktionen und Bedeutungen aus.
- Schon direkt zu Beginn der Erzählung wird klar, dass die Räume Zeichen des sozialen Status sind. Das einfache Zimmer Schlemhils steht in Kontrast zu dem Anwesen des wohlhabenden Bauherren John.
- Weiterhin ist auffällig, dass es zwei zentrale Welten gibt, die Welt des Wunderbaren und die der Philister. Beide fungieren ebenfalls als gegensätzliche Räume, die sich jedoch im Laufe des Werks immer weiter einander annähern und teilweise komplett miteinander verschmelzen. Nur sogenannte Grenzgänger wie Schlemhil, haben die Fähigkeit, in die unerklärliche magische Welt einzutauchen.
- Es wird jedoch an keiner Stelle hinterfragt, warum magische Elemente plötzlich in der realen Alltagswelt auftauchen. Vielmehr wird diese Verschmelzung als normal angesehen, was typisch märchenhaft ist. Der aufmerksame Leser weiß jedoch von dieser Verschmelzung.
- In der realen Welt ist neben typischen philisterhaften Werten und Normen, das kapitalistische Denken wiederzufinden. Der Schattenhandel findet in reicher Gesellschaft in der Welt des Materiellen statt. Der Badeort und das Försterhaus stehen ebenfalls für das Materielle. Somit wird klar, dass Geld je nach Raum eine andere Bedeutung hat. In der magischen Welt kommt das kapitalistische Denken nicht zum Tragen, da hier andere Werte zählen. Im Schlemihlium hat das Geld erstmals eine positive Bedeutung.
- Zuletzt steht Schlemhils soziale Isolation und seine Menschenscheu im Gegensatz zu den sozialen Kontakten, dem überfüllten Badeort und seinen Straßen.
- Typisch für die Romantik ist ebenfalls der Schauplatz der Natur.
Seele
- Die Seele ist analog zum Schatten physisch nicht fassbar.
- Sie steht im thematischen Zusammenhang mit dem Mysteriösen und Mystischen, aber auch mit dem Religiösen.
- Außerdem steht sie in Verbindung mit dem Teufel, also dem Bösen.
- Das Böse und die Begegnung mit dem Teufel stellen eine Lehre für Schlemhil dar, wollen ihn zur Vernunft bringen und ihn dazu bewegen, eine andere Sichtweise auf die Bedeutung des Schattens und der Einstellung, sowie den Umgang mit Geld zu erlangen.
- Der Verkauf der Seele ist typisch sagen- und legendenhaft in der Literatur. Auch der Handel im Werk erinnert zunächst an einen Teufelspakt. Es ist jedoch von ihm in der Hinsicht zu unterscheiden, dass es sich im Werk nur um einen Handel bzw. möglichen Verkauf Schlemhils Seele handelt, aber nicht um einen geschlossenen Pakt. Der Teufel will Schlemhils Schatten gegen seine Seele eintauschen, doch Schlehmhil willigt in den Handel nicht ein.
Sehnsucht
- In der literarischen Epoche der Romantik gilt die Sehnsucht ebenfalls als eines der Grundthemen. Im Werk Peter Schlemhils wundersame Geschichte zieht sich diese Thematik als leitgebendes Motiv durch die gesamte Geschichte.
- Der Protagonist sehnt sich z. B. nach dem Sinn seines Lebens, einer persönlichen Erfüllung, der Liebe, das Bestreben nach Natur und Freiheit sowie nach dem Erwerb wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dies äußert sich auch in seinem Verhalten, da er stets unterwegs und auf der Suche nach seinem Glück ist. Seine Suche scheint jedoch zunächst sehr ziellos und desorientiert zu sein und wird erst im Laufe der Geschichte spezifischer. Ebenfalls zeigt sich Schlemhils Sehnsucht in seinem Leiden, seiner Abschottung, Einsamkeit und Unzulänglichkeit. In der Romantik spricht man in diesem Kontext vom sogenannten Weltschmerz, unter dem die Romantiker leiden.
- Eng verbunden mit der romantischen Sehnsucht ist die Farbe Blau (im Speziellen die Blaue Blume). Minas Augen leuchten in der Farbe Blau und lassen somit zu, einen Zusammenhang zwischen der Farbe Blau und der Sehnsucht Schlemihls nach Zuneigung und Liebe zu schließen.
- Schlemhils Weg ins Glück ist von Niederschlägen geprägt. Dabei befindet er sich jedoch auch in einem ständigen Lernprozess und muss sich und seine Sichtweisen gezwungenermaßen immer wieder reflektieren. Unter anderem wird ihm klar, dass ihn Geld allein nicht glücklich macht. Im Laufe der Geschichte ändert sich somit auch Schlemhils Sehnsuchtsobjekt. Anfangs wünscht er sich z. B. noch sehnsüchtig finanziellen Wohlstand und gesellschaftliches Ansehen. Später lebt er ein abgeschottetes Leben als Einzelgänger und widmet sich der Wissenschaft. Dieser Zustand scheint ihn jedoch ganz und gar nicht unglücklich zu machen.