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Motive

Im Roman Unter der Drachenwand lassen sich zahlreiche motivische Andeutungen entdecken, von denen wir zwei im Zuge dieses Unterpunktes erläutern werden.

Der Brasilianer

  • Allgemeine Definition: Ein aus Brasilien stammender Mensch, der entweder genetisch oder herkünftig mit dem größten Land Südamerikas verbunden ist
  • Definition nach Arno Geiger: Ein mutiger Mensch, der seine Meinung offen kundtut, unabhängig davon, was andere von ihm denken. Außerdem besitzt diese Art von Person ein hohes Bedürfnis nach Freiheit, sowohl gedanklich als auch in der Gestaltung des persönlichen Lebens und der Entwicklung essenzieller Lebensphilosphien und moralischer Werte
  • Robert Raimund Perttes: Robert verkörpert in dem vorliegenden Roman Unter der Drachenwand die Figur des Brasilianers. Betrachtet wir einmal den Namen des Charakters, fällt auf, dass die Vornamen Deutsch klingen, während der Name Perttes einen lateinamerikanischen Klang besitzt.
  • Biologische vs. ideelle Herkunft: Aufgewachsen in Österreich mit seiner Schwester Trude, könnten die Geschwister heute verschiedener kaum sein. Während Trude Dohm als eine treue Unterstützerin Adolf Hitlers ihr Leben verbringt, wehrt sich der pazifistische Robert gegen die ihm auferzwungenen Parolen des „deutschen Vaterlandes“. Im deutschsprachigen Raum fühlte sich Perttes nie wieder heimisch, nachdem er wenige Jahre zuvor aus seiner Wahlheimat Brasilien zurückgekehrt war. „Das Gefühl [...], in Brasilien leben zu dürfen“ (S. 69, Z. 2) bildet für den Robert Raimund das größte Geschenk auf Erden. Auch noch nach seiner Rückkehr ins kalte Österreich spielt Perttes weiterhin seine lateinamerikanische Musik, geht seiner Liebe zum Gärtnern nach und vertritt offen und ungeniert seine Meinung, als wäre er immer noch in Brasilien
  • Isoliert: Gewissermaßen stellt Perttes einen von der Gesellschaft verstoßenen Außenseiter dar. Als Reaktion auf seine opportunistische Haltung verweigert man ihm seit „zwei Jahren“ (S. 69, Z. 18) seine „Ehrenrechte“ (S. 69, Z. 19), sodass es Robert unmöglich ist, eine Hilfskraft einzustellen. Fernab von der Internationalität größerer Städte und isoliert in einer Gesellschaft, in welcher er sich wie ein Fremdkörper vorkommt, fristet er sein Dasein
  • Stark: Die Haut des Brasilianers beschreibt der Protagonist als „hart, schrundig“ (S. 71, Z. 13) und sie erinnert ihn an eine „Kriegshaut“ (S. 71, Z, 16). Es ist die Haut von jemandem, der die harte Arbeit im Garten unabhängig von Wind und Wetter erledigen muss. Und gleichzeitig kann man die Kriegshaut als eine Metapher dafür ansehen, für das ein Brasilianer in Geigers Roman steht: Nämlich für einen starken Kämpfer, welcher ungeachtet der äußeren Umstände seinen gradlinigen Charakter nicht verbiegen lässt und sich nicht zu schade ist, für die Verteidigung seiner eigenen Werte in die Schlacht zu ziehen

Das Strumpfband

  • Mittel zum Zweck: Im Roman stellt das Strumpfband einen medizinischen Nutzen dar, da Veit es verwendet, um den Verband seiner Wunde am Oberschenkel zu fixieren. Den „Strumpfbandgürtel“ (S. 25, Z. 25) erhält der Protagonist von seiner Mutter in Wien und er stellt für ihn „etwas Gemeinsames, in mehrerlei Hinsicht“ (S. 26, Z. 1) dar
  • Symbolisches Band: dass das Strumpfband für Veit mehr als nur einen reinen Nutzgegenstand. repräsentiert, kann folgendermaßen interpretiert werden. Es ist weniger seine Mutter, die ihn dazu veranlasst, weg aus der elterlichen Wohnung nach Mondsee aufs Land ziehen zu wollen, sondern das angespannte Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Doch Veits Mutter muss sich den Umständen entsprechend unterordnen, obwohl sie der Meinung ist „[Veit] soll jetzt bei [ihr] sein“ (S. 30, Z. 11). Das Strumpfband fungiert ebenso wie der Waschlappen, in welchen die Worte „komm bald zurück“ eingraviert sind, als ein unsichtbares Band zwischen Mutter und Sohn. Je unabhängiger Veit durch seine heilende Wunde in Mondsee wird, desto mehr distanziert er sich auch von seinen Eltern, bis er dann eines Tages das Strumpfband wieder an seine Mutter nach Wien zurücksendet. Die Rücksendung des Bandes markiert auch gleichzeitig eine neue Selbstständigkeit des Protagonisten
  • Intertextuelle Bezüge: Zum Eheroman Alles über Sally, welcher ebenfalls aus Arno Geigers Feder stammt, lassen sich am Symbol des Strumpfbandes Parallelen zu Unter der Drachenwand herstellen. Hierbei weisen Veit Kolbe und Sallys Gatte, der Stützstrümpfe trägt, Gemeinsamkeiten auf. Sallys Ehemann schreibt beispielsweise leidenschaftlich gerne Tagebuch, ebenso wie Veit, welchem das Schreiben dabei hilft, besser sein Kriegstrauma zu verarbeiten
  • Verletzlichkeit: Das Motiv des Strumpfbandes erfüllt also eine Verkörperung von Verletzlichkeit. Diese Eigenschaft, welche durch Stereotypisierung als vorrangig feminin in der Gesellschaft festgelegt wird, beleuchtet den Charakter des Protagonisten Veit Kolbes aus einem weicheren Blickwinkel. Jahrelang im Zugzwang stehend, immer stark, männlich und furchtlos an der Front zu kämpfen, hinterlässt bei dem Kriegsveteranen deutliche Spuren. So bildet es für Veit eine Erleichterung, zunächst einmal für nicht-feldtauglich erklärt zu werden. Dass sich der Protagonist selbst nicht allzu ernst nimmt, zeigt sich außerdem in seiner Bemerkung gegenüber Margot „[er] würde sogar mit der Quartiersfrau ins Bett gehen, wenn [er] davon schwanger werden könnte“ (S. 314, Z. 7f). Mit diesem Spruch spielt Veit darauf an, dass schwangere Frauen nicht in den Krieg einberufen werden dürfen. Wiederum an diesem Beispiel lässt sich eine Parallele zu Sallys Ehemann herstellen, welcher seine Männlichkeit ebenso nicht allzu ernst nimmt und das Stütztrümpfe-Tragen auch keinesfalls als Abbruch seiner Mannbarkeit ansieht

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