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Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Das Werk Peter Schlemhils wundersame Geschichte ist in insgesamt 11 Kapitel unterteilt. Ihnen vorangestellt sind drei Briefe und ein Gedicht. Inhaltlich lassen sich die Kapitel der Geschichte folgendermaßen zusammenfassen: Kapitel 1-3 handeln von dem Verlust Schlemhils Schatten und wie der Protagonist mit dieser Herausforderung umgeht. Im Mittelpunkt der nächsten fünf Kapitel steht das Tauschangebot des grauen Mannes bzw. des Teufels, der möchte, dass Schlemhil ihm seine Seele vermacht und sonst seinen Schatten nicht bekommen würde. Die Kapitel 9-11 umfassen das Ende der Geschichte und erzählen von Schlemhil als Teil der Natur und Wissenschaft.

Gattungsspezifika

  • Das Werk Peter Schlemhils wundersame Geschichte ist als romantische Märchennovelle oder Volksmärchen zu klassifizieren.
  • Dafür sprechen neben Kennzeichen auf der inhaltlichen Ebene auch Formcharakteristika, die im Folgenden aufgezeigt werden sollen.
  • Bezogen auf den Handlungsverlauf ist eine straffe, einsträngige und novellenartige Handlung festzustellen. Typisch ist, dass der Protagonist mit bestimmten Schwierigkeiten oder Mängeln konfrontiert wird. Im Werk Peter Schlemhils wundersame Geschichte steht der Protagonist vor der Bewältigung eines Problems und zwar seiner Schattenlosigkeit. Im Werk wird der Umgang damit dargestellt und Bewältigungsstrategien werden aufgezeigt.
  • In Hinsicht auf das Personal des Werks fällt auf, dass es nur sehr wenige wirkliche Namen gibt. Charakteristisch und märchenhaft sind dafür sprechende Namen z.B. Schlemhil = Pechvogel. Des Weiteren sind die Figuren auf bestimmte Gegensätze (meistens gut und böse) gepolt. Schlemhil und der Teufel stellen Gegner dar. Generell zeichnen sich die Figuren durch die Eindeutigkeit ihrer Charaktere aus. Wunderbare Gegenstände sowie Tätigkeiten (unendlich viel Gold, Zauberkünste des Teufels) finden ebenfalls ihren Platz im Werk.
  • Bezüglich der Darstellungsart ist zu erwähnen, dass Ort und Zeit typischerweise unbekannt bleiben. (z.B. unbekannter Badeort oder Wald, unbekannte Stadt)
  • Charakteristisch für Novellen ist ebenfalls die sogenannte „unerhörte Begebenheit“, die meistens mit einem Wendepunkt einhergeht.
  • Deutlich für diese Art von Gattung sprechen dementsprechend auch die Wendepunkte im Werk. Diese tauchen immer dann auf, wenn eine Konfrontation zwischen Realität und der Irrealität (dem Wunderbaren) besteht. Sie beziehen sich auf den Einfall des Wunderbaren bzw. Irrealen in die bürgerliche Welt bzw. Realität.
  • Das Wundersame ergibt sich erst in der Auseinandersetzung bzw. Konfrontation mit der realen Erfahrungswelt, wie es auch im Kunstmärchen der Fall ist.
  • Schlemhil erfährt an unterschiedlichen Punkten, wenn das Wundersame in sein Leben trifft, eine Bewusstseinserweiterung, die den Kern romantischer Wahrnehmung bildet. (zeigt sich bspw. im Schwindel; Verlust seiner Klarsicht, S. 15)
  • Ein erster Wendepunkt in Schlemhils Geschichte könnte die erste Begegnung und der Tausch mit dem Mann in Grau sein. (S. 14) Dieses Ereignis würde somit als Initiationserlebnis für den weiteren Verlauf der Handlung fungieren, da es für eine Veränderung sorgt bzw. diese initiiert. Ein weiterer magischer Wendepunkt könnte die Entdeckung der Siebenmeilenstiefel sein. (S. 63) Ein Höhepunkt findet sich womöglich, als der Teufel in Grau fordert, Schlemhils Seele als Tauschgegenstand zu erhalten. (S. 41)

Die Erzählsituation im Werk

  • Deutlich feststellbar ist, dass es sich im Werk um einen Ich-Erzähler handelt, der aus der Perspektive des Peter Schlemhils erzählt in der Vergangenheit.
  • Nach Gerald Genette, der sich im Jahr 1972 mit dem Verhältnis von Autor, Erzähler und Figur in Werken auseinandergesetzt hat, lautet der Fachbegriff für die Erzählsituation in Chamissos Werk homodiegetisch. Das meint, dass der Erzähler ein Teil der erzählten Welt ist oder anders gesagt: Der Erzähler ist gleichzeitig eine Nebenfigur der Handlung und gehört somit zur Welt der Charaktere im Werk.
  • Die Besonderheit an der Erzählsituation ist, dass die Erzählebenen der Geschichte durchlässig sind, sowie die Welt des Realen und Irrealen auf der inhaltlichen Ebene. Mehrfach wird der Adressat bzw. der Leser direkt durch den Ich-Erzähler bzw. durch Schlemhil angesprochen und damit in die Handlung miteinbezogen. Ebenfalls fungiert der Erzähler selbst als handelnde Figur seiner Erzählung.
  • Typisch romantisch ist der Bezug zum Leser und die Aufforderung mit dem Schicksal Schlemhils mitzuempfinden. Schlemhil bzw. der Ich-Erzähler offenbart seine tiefsten Gedanken und Gefühle, die uns in der direkten Anrede an seinen Freund Chamisso zuteilwerden. (S. 26, 32, 49, 71)

Die zeitliche Dimension des Erzählens/ der Handlung

  • Im Werk liegt eine Zeitraffung vor.
  • Die erzählte Zeit ist länger als die Erzählzeit, d.h. die Dauer eines Geschehenselements in der erzählten Zeit ist deutlich länger als seine Darstellung in der Erzählzeit.
  • Die Erzählzeit beträgt ca. 3-4 Stunden. Die erzählte Zeit erstreckt sich über Jahrzehnte. Die Geschichte erzählt das Leben eines jungen Mannes bis ins hohe Alter hinein.
  • Genauer gesagt kann man hier sogar von einer durativen Raffung ausgehen, da die Begebenheiten über einen ganzen Zeitraum hinweg andauern.
  • Wichtige Ereignisse z.B. die unterschiedlichen Begegnungen mit dem Mann in Grau werden detailreich und umfangreich erzählt; andere Handlungsabschnitte z.B. die Hochzeit von Mina und Rascal werden elliptisch verkürzt.
  • Auf diese Erzähltechnik von Chamisso wird schon zu Anfang durch den Ich-Erzähler verwiesen. (S. 26)

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