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Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Epocheneinordnung

Goethe hat mehr als 30 Jahre am ersten Teil seiner Version des Fauststoffs gearbeitet. Daher lassen sich die Elemente gleich mehrerer Epochen in Faust I finden, auch wenn Goethe nicht alle davon stilistisch aufgreift: So findet sich im Drama auch aufklärerisches Gedankengut, doch enthält das Werk keine Einflüsse aus dem künstlerischen Stil der Aufklärung. Vielmehr werden die Gedanken dieser philosophischen und künstlerischen Strömung kritisch behandelt. Für ein Verständnis des Dramas ist das Wissen über die Epochen, die Goethe miterlebte, hilfreich.

Aufklärung

  • Geistig-kulturelle Bewegung, die gegen 1690 von England und Frankreich ausging und sich im 18. Jahrhundert auch in Deutschland ausbreitete
  • In Frankreich weit radikalere Ausprägung, die in der Französischen Revolution 1789 mündete; in Deutschland gemäßigter: Friedrich Ⅱ. als König der Aufklärung
  • Auch: Zeitalter der Aufklärung
  • Zentrale Themen: Vernunft, Kritik von mittelalterlichen Traditionen, Autoritäten, vorhandenen Strukturen und der Religion, Benutzung des eigenen Verstands, Freiheit der Gedanken, Bildung
  • Gegenstände der Literatur:
    • Ständeunterschiede (v. a. Bürgertum und Adel)
    • Freiheit und gesellschaftliche Norm
    • Humanismus und Moral
    • Toleranz (im religiösen und gesellschaftlichen Sinne)

Sturm und Drang

  • Geistige Strömung innerhalb der Aufklärung in Deutschland, nach Friedrich Maximilian Klingers gleichnamigem Drama benannt
  • Zeitliche Einordnung: letztes Drittel des 18. Jahrhunderts
  • „Literraturrevolution“, da der Sturm und Drang keine politischen Auswirkungen hatte
  • Rebellion jugendlicher Autoren gegen künstlerische und soziale Normen
  • Zentrale Themen: Widerstreit von Vernunft und Gefühl, Natur, Genie
  • Shakespeare als Vorbild
  • Gegenstände der Literatur:
    • Zerrissenheit des Menschen zwischen Rationalität und Emotionen
    • Individuelle Freiheit
    • Ständeunterschiede
    • Familienbeziehungen und Liebe
    • Naturerfahrungen

Klassik

  • Richtung der deutschen Literatur, die vor allem von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller geprägt wurde
  • Auch: Weimarer Klassik (da Goethe und Schiller beide lange Zeit in Weimar lebten; während der ersten Hälfte dieser Epoche fand ein reger Briefaustausch zwischen Schiller, der zu diesem Zeitpunkt in Jena lebte, und Goethe statt)
  • Zeitliche Einordnung:
    1786 (Beginn von Goethes Italienreise) - 1805 (Schillers Tod)
  • Zentrale Medien:
    • Weimarer Hoftheater (1791 von Goethe gegründet)
    • Zeitschrift Die Horen (von Schiller ins Leben gerufen)
    • Musenalmanach (von Schiller ins Leben gerufene Publikationsform)
    • Propyläen (von Goethe herausgegebene Zeitschrift)
    • Jenaer Allgemeine Literatur-Zeitung (1804 von Goethe ins Leben gerufene Zeitschrift)
  • Zentrale Themen: Humanität und Harmonie (Reaktion auf die Französische Revolution 1789), Verbindung von Gefühl und Vernunft
  • Gegenstände der Literatur:
    • Vervollkommnung des Menschen durch Bildung und Lebenserfahrung; Verantwortung und Freiheit
    • Mythologie und Heldentum (also „erhabene“ Motive)

Elemente des Sturm und Drang im Faust

  • Fausts Handeln: Er geht sogar einen Pakt mit dem Teufel ein, nur um glücklich zu sein \(\rightarrow\) Betonung der Rolle des Gefühls
  • Faust interessiert sich nicht für seine Rolle in der Gesellschaft, sondern für die Erfüllung seiner individuellen Wünsche \(\rightarrow\) im Sturm und Drang wurde das Genie thematisiert, das seine Persönlichkeit frei auslebt
  • Fausts Naturwahrnehmung (vgl. Vor dem Tor und Wald und Höhle)
  • Thematisierung des Ständeunterschieds zwischen Gretchen und Faust
  • Pantheismus Fausts (Gott und die Natur sind gleichzusetzen)

Elemente der Weimarer Klassik im Faust

  • Form- und Stofftrieb Fausts - siehe Interpretation
  • Suche Fausts nach ewiger Wahrheit, Harmonie und persönlicher Vervollkommnung
  • Klassischer Handlungsverlauf der Gretchentragödie: Diese wird am Ende von ihren Sünden freigesprochen und vom irdischen Kerker erlöst \(\rightarrow\) Überwindung der Fehlerhaftigkeit der Welt

Elemente der Romantik im Faust

  • Faust beschäftigt sich mit Alchimie, Wahrsagerei und Magie
  • Übernatürliche Erscheinungen (Erdgeist, Mephisto)
  • Motive aus den Sagen des Volks: Hexen, Walpurgisnacht etc.

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