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Inhaltsverzeichnis

Abschnitt 2

Der zweite Abschnitt (S. 12 - 73) handelt davon, dass der Ich-Erzähler von seinen Eltern die Wahrheit über seinen toten Bruder erfährt und plötzlich in die Suche nach dem verschwundenen Jungen verwickelt wird.

Die Aussprache

Infos

  • Seite: 12 - 17
  • Zeit: ca. Mitte  der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Der Ich-Erzähler berichtet, dass er als Jugendlicher von seiner Mutter plötzlich zu einer Aussprache gebeten wurde, die alles veränderte. Arnold war danach nicht mehr sein Freund
  • Die Mutter erzählte ihrem Sohn, dass Arnold nicht tot ist, sondern auf der Flucht verlorengegangen war
  • Der Erzähler hörte enttäuscht und irritiert zu
  • Auf der Flucht sei bei einem kleinen Dorf westlich von Konin etwas Schreckliches passiert, als etwa dreißig russische Soldaten die Familie überraschten; aus Angst habe die Mutter ihr Kind einer fremden Frau in die Arme gelegt, ohne ein Wort mit ihr zu wechseln
  • Weil die Mutter weinte, versuchte der Erzähler sie zu trösten und sagte ihr, dass sie immerhin Arnolds Leben gerettet habe
  • Die Mutter wiegelte ab, dass Arnold nie in Gefahr gewesen sei und die Russen nur ihr etwas Schreckliches angetan hätten
  • Als die Mutter damit endete, dass Arnold noch lebt und einen fremden Namen trägt, reagierte der Erzähler wütend; er realisierte, dass Arnold die Hauptrolle in der Familie spielte

Schuld und Scham

Infos

  • Seite: 17 - 32
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Der Erzähler berichtet, dass er sein Leben lang von Schuld und Scham gequält wurde, ohne zu wissen, warum; selbst bei alltäglichen Dingen wie dem Essen fühlte er sich schuldig und schämte sich dafür, dass er aß
  • Auch die Atmosphäre in der Familie war immer von Schuld und Scham getrübt; gegen die sonntäglichen Ausflüge mit seinen Eltern entwickelte der Erzähler daher bald eine so große Abneigung, dass er sich weigerte mitzufahren und eine Reisekrankheit entwickelte, bei der er erbrechen musste
  • Die Strafe Hausarrest beschreibt der Erzähler als schönste Kindheitserinnerung, da er sich ohne seine Eltern glücklich und frei gefühlt hat
  • Mit der Zeit aber fühlte er sich verlassen, langweilte sich beim Autos beobachten und fürchtete beim Hören eines russischen Radiosenders, dass über das Schicksal seiner Familie gesprochen wird
  • Da der Vater immer erfolgreicher wurde, konnte sich die Familie einen Fernseher leisten; der Vater erlaubte nur selten, dass der Fernseher eingeschaltet werden durfte und erteilte immer dann seinem Sohn Befehle
  • Nur wenn die Tante zu Besuch war, die den Fernseher verteufelte, aber doch nicht widerstehen konnte, schaute auch der Vater aus Belustigung darüber Fernsehen; in dieser Situation aber schämte sich der Erzähler beim Zuschauen, weil er sich beobachtet fühlte
  • Auch wenn er mit seiner Mutter schaute, fühlte sich der Erzähler schuldig wegen der Intimität; der Mutter schien es ähnlich zu gehen, da sie immer in die Arbeit flüchtete, um sich nicht schuldig zu fühlen für ihr normales Leben nach Arnolds Verlust

Aufstieg des Vaters

Infos

  • Seite: 32 - 48
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Der Vater arbeitete hart; er hatte anfangs eine Leihbücherei, dann einen Lebensmittelladen und später einen Fleischgroßhandel
  • Der frühere Bauer nutzte seine Kontakte geschickt und baute sich einen großen Kundenkreis auf, indem er immer ein Ohr für die Sorgen der Lebensmittelhändler hatte
  • Der Erzähler erinnert sich, dass er den Vater auf Kundenbesuchen begleitet hat und sich die Sorgen über verderbliche Waren und Gesundheitsprobleme angehört hat; daraufhin verband er mit frischen Lebensmitteln bis ins Erwachsenenalter eine Traurigkeit
  • Seinen Vater aber stimmten die verderblichen Wurstwaren immer heiter, da sie ihn an seine Vergangenheit auf dem Bauernhof und die Schlachttiere erinnerten
  • Eine wichtige Tradition bei der Familie war das Schweinekopfessen; der Vater zelebrierte es, wenn er mit einem frischen Schweinekopf nach Hause kam, lobte das Aussehen und das Lebenskraft spendende Schweineblut
  • Der Erzähler berichtet, dass er oftmals das frische Blut beim Bauern abholen musste und sich vor dem Anblick der Blutfontäne versteckte
  • Zum Leidwesen des Erzählers kochte die Mutter aus den Schweineköpfen so viele Mahlzeiten, dass es beinahe das ganze Jahr über davon zu essen gab
  • Zum Schweinehirnessen lud die Familie immer Gäste ein; obwohl der Erzähler sich vor dem Hirn ekelte, kam er zu diesen Essen gerne dazu, da es ungewohnt heiter zuging, wenn alle ihre Anekdoten von Schlachttagen erzählten
  • Sein sonst jähzorniger Vater wirkte danach immer ruhig; die Mutter aber saß still und bedrückt am Tisch und schien auch die Tage danach die freudige Stimmung im Haus durch Schweigen zu büßen; der Vater dagegen büßte durch noch mehr Arbeit
  • Obwohl der Vater sich nach zwei überstandenen Weltkriegen zum dritten Mal erfolgreich eine Existenz aufgebaut hatte, fand er keinen inneren Frieden
  • Als neues Projekt baute der Vater das Haus der Familie um; der Erzähler war traurig darüber, weil ihm sein Kindheitslabyrinth in den langen, verwinkelten Korridoren und Wandschränken genommen wurde

Zusammenbruch der Mutter

Infos

  • Seite: 48 - 50
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Nach dem Umbau erlitt die Mutter einen Zusammenbruch und musste wegen Überanstrengung in Kur
  • An den Wochenenden besuchte der Vater seine Frau in der Kurklinik und der Erzähler durfte alleine zu Hause bleiben
  • Nach einem dieser Besuche teilte der Vater dem Erzähler mit, dass es der Mutter noch lange nicht gut geht, weil sie nicht über den Verlust von Arnold hinweggekommen ist
  • Weil der Erzähler offenbar so gut über den Verlust von Arnold hinweggekommen sei, habe die Mutter ihm lange nicht die ganze Wahrheit gesagt
  • Der Erzähler war irritiert, weil die Mutter ihm ja erzählt hatte, dass Arnold verlorengegangen ist; außerdem hatte er dabei keinerlei Verlust gespürt
  • Der Vater erklärte ihm daraufhin, dass er mit der Mutter seit langem nach Arnold gesucht hat

Das Findelkind

Infos

  • Seite: 50 - 56
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Vom Vater erfuhr der Erzähler, dass die Eltern mit Hilfe des Suchdienstes des Roten Kreuzes ein Kind gefunden haben, das Arnold sein könnte
  • Beim Erzähler stellte sich seine alte Übelkeit wieder ein, als er davon hörte
  • In überraschend freundlichem Ton und einem ungewöhnlich langen Gespräch bat sein Vater ihn darum, ihnen beim Beweis der Verwandtschaft zu helfen und an Untersuchungen teilzunehmen
  • Der Erzähler fürchtete schon, dass er bald sein Zimmer räumen muss für den älteren Bruder
  • Der Vater erzählt weiter, dass sie bereits einen Termin bei der Suchdienststelle hatten; dort hatten sie erfahren, dass das Findelkind 2307 auf demselben Treck am 20. Januar 1945 einer fremden Frau in die Arme gelegt worden war, die Mutter des Kindes sei wie die Mutter in ein Tuch gehüllt gewesen
  • Auf Fotos konnten die Eltern außerdem eine verblüffende Ähnlichkeit zum Erzähler feststellen; eine Vorstellung, die den Erzähler körperlich traf
  • Er beschreibt, dass er quasi die Schnitte spürte, wie Arnold ihm aus dem Gesicht geschnitten wurde; sein Gesicht verzog sich daher zu einem krampfartigen Grinsen, das den Vater verärgerte
  • Der Vater teilte ihm mit, dass sie nach dem Kuraufenthalt der Mutter ein Institut für Untersuchungen aufsuchen würden

Trigeminusneuralgie

Infos

  • Seite: 56 - 58
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • In Stresssituationen litt der Erzähler fortan an Gesichtskrämpfen, die ihn schmerzhaft grinsen ließen und ihm sogar Tränen in die Augen trieben
  • Der Vater schickte ihn zum Arzt, der eine Trigeminusneuralgie diagnostizierte, bei der man nur abwarten könne
  • Der Erzähler selbst war sicher, dass die Gesichtskrämpfe mit Arnold und der vermeintlichen Ähnlichkeit zu tun hatten
  • Er wollte Arnold nicht ähnlich sein und wurde sich selbst dadurch gefühlt immer unähnlicher
  • Mit der Zeit wünschte sich der Erzähler, dass Arnold auf der Flucht verhungert wäre, anstatt sich in sein Leben einzumischen; um Arnold doch noch verhungern zu lassen, sehnte er sogar einen dritten Weltkrieg herbei

Fingerabdrücke & Blutanalyse

Infos

  • Seite: 58 - 62
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Die Mutter kam genauso traurig wie zuvor aus der Kur zurück; lediglich die Nachricht, dass ein Kriminalbeamter zu einer ersten Untersuchung vorbeikomme, heiterte sie auf
  • Der Kriminalbeamte und Revierpolizist Herr Rudolph kamen, um der Familie Fingerabdrücke abzunehmen, die mit denen vom Findelkind abgeglichen werden sollten
  • Der Erzähler war enttäuscht, wie schnell die Prozedur vorbei war und dass er nicht mit schwarzen Fingern in die Schule durfte
  • Auch Blutproben wurden genommen und zur Untersuchung verschickt
  • Nach sechs Wochen kam ein Brief vom Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Münster mit dem Ergebnis, dass eine Elternschaft der Antragsteller für das Findelkind wenig wahrscheinlich, aber nicht unwahrscheinlicher als die Elternschaft für das eheliche Kind sei
  • Der Erzähler konnte plötzlich nur noch daran denken, dass er dabei war, selbst ebenso unwahrscheinlich zu werden, wie Arnold; er aber wollte bleiben, wer er war, ohne sein Leben mit Arnold teilen oder tauschen zu müssen
  • Das Blutergebnis tröstete den Erzähler, denn er sei möglich und positiv wahrscheinlich das Kind der Antragsteller, während das Findelkind möglich, aber nicht positiv wahrscheinlich das Kind sei
  • Die Eltern legten den Befund mit der Zeit aber als ein höchstwahrscheinlich aus

Abstammungsgutachten

Infos

  • Seite: 62 - 73
  • Zeit: ca. Mitte der 50er Jahre
  • Ort: Stadt in Ostwestfalen

Inhalt

  • Die Mutter setzte all ihre Hoffnung in weitere Untersuchungen, sodass die Eltern entgegen des Rates des Jugendamtes ein anthropologisch-erbbiologische Abstammungsgutachten beantragten
  • Weil das Findelkind schon einmal bei einem solchen Gutachten Hoffnung auf die Wiedervereinigung mit seinen Eltern hatte und enttäuscht wurde, stimmte das Jugendamt vorerst nur einem Bildervergleich zu
  • Arnolds beinahe heiliges Foto wurde aus dem Album gelöst; ginge es verloren, wäre der ganze Arnold verloren, dachte sich der Erzähler
  • Da vom Erzähler kaum Fotos existierten, wurde er mit frischer Kurzhaarfrisur zum Fotografen geschickt
  • Er berichtet, dass er beim Anblick der Fotos im Schaukasten des Studios immer begriff, dass die Zeit an den Menschen fraß
  • Bei der geforderten Hinterkopfaufnahme verkrampfte der Erzähler, da er seinen Hinterkopf gerne mit langen Haaren versteckte; sein Vater dagegen war zufriedener, je kürzer die Haare waren
  • Nach etwa sechs Wochen kam ein Brief von Professor Dr. med. Friedrich Keller aus Hamburg, der erklärte, dass ein Bildervergleich schwierig sei, da es vom gesuchten Kind nur ein Babyfoto gebe, auf dem nicht einmal die Ohren sichtbar wären
  • Der Erzähler stellte nicht ohne Schadenfreude fest, dass an Arnolds erstem Geburtstag in Rakowiec keiner auf die Ohren geachtet hatte; insgeheim gab er Arnold die Schuld, dass er kahlrasiert und zum Fotografen genötigt wurde
  • Die Mutter verfiel in eine Art Schockstarre, die sich erst löste, als der Vater aus dem Gutachten vorlas, dass das Findelkind und die Mutter sich in ihrer Lidspalte ähnelten
  • Abschließend aber sei trotz einiger gemeinsamer Merkmale keine bemerkenswerte Familienähnlichkeit zum Findelkindes 2307 zu erkennen, so das Urteil

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