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Inhaltsverzeichnis

Motive und Symbole

Rassismus – Kolonialismus – Antisemitismus

Rassismus, Kolonialismus und Antisemitismus begegnen und an verschiedenen Stellen von Fabers Bericht. Dabei problematisiert der Ingenieur diese Denkmuster nicht, sondern nimmt sie mehr oder weniger als gegeben hin, wenn er ihnen nicht gar selbst verfällt.
  • in Houston beschreibt Faber die „dicke Negerin mit dem Riesenmaul“ (S. 11)
  • auf dem Flughafen in Houston gibt es Rassentrennung: die Frau darf ab einem bestimmten Bereich nicht weitergehen (S. 13) \(\longrightarrow\) historischer Kontext: im Süden der USA entwickelte sich nach der Sklavenbefreiung infolge des Amerikanischen Bürgerkriegs (1861-65) eine neue Form der Diskriminierung von Schwarzen; die Rassen wurden in der Öffentlichkeit strikt getrennt, so durften Schwarze z. B. nicht in Bussen für Weiße fahren, auf Schulen für Weiße gehen usw.
  • Indios sind für Faber „ein weibisches Volk“ (S. 41); er hält sie für sanft, friedlich, kindisch, unheimlich und dabei harmlos; den Gedanken, sie könnten revoltieren, hält er für lächerlich; als westlicher, „zivilisierter“ Mensch wähnt sich Faber den Indios überlegen
  • in einer reflektierenden Passage erwähnt Faber die Nürnberger Gesetze (S. 49f.), mit denen im Dritten Reich Juden diskriminiert und sexuelle Kontakte mit Juden als Rassenschande unter Strafe gestellt wurden; sein Vater war Antisemit

Filmen

  • hält etwas Vergängliches - das Leben - fest, mittelbares Wahrnehmen, Distanz, daher kein Erleben
  • kein echtes Leben, man betrachtet etwas, was nicht mehr da ist
  • Faber filmt, andere Menschen würden den Moment genießen und etwas erleben
  • auf Kuba filmt Faber nicht mehr, 4 Tage Schauen, will jetzt selbst erleben \(\longrightarrow\) gibt jetzt Hanna recht und akzeptiert die Vergänglichkeit
  • filmt viele Sonnenuntergänge, was er in Düsseldorf bei der Vorführung überrascht feststellt: „ich staunte, wieviel Sonnenuntergänge“ (S. 202) - unbewusst hat er sich nach dem Erleben gesehnt, jetzt staunt er; Ereignisse sind aber vergangen
  • lässt bei Hencke-Bosch auch die Filme mit Sabeth zurück

Blindheit

  • Als es um Naturereignisse geht, meint Faber: „Ich sehe alles, wovon sie reden, sehr genau, ich bin ja nicht blind.“ (S. 25)
  • der blinde A rmin ( alpha , steht für Geburt, Leben ) öffnet Hanna die Augen die Kunst, indem er sie griechisch lehrt; bestimmt damit ihren weiteren Lebenslauf
  • Faber kann sich an Armin nicht erinnern, sondern nur an einen alten Onkel Hannas: „Das ist also Armin gewesen!“ Er habe ihn nicht eigentlich wahrgenommen; Hanna entgegnet: „aber er hat dich wahrgenommen.“ - Faber als der eigentlich Blinde
  • verschließt die Augen vor der Möglichkeit, dass Sabeth seine Tochter sein könnte

Leben

  • Faber freut sich aufs Leben „wie ein Jüngling“ (S. 69)
  • Verknüpfung von Leben und Tod - Geburt der Venus und Kopf einer schlafenden Erinnye: „Wenn Sabeth [...] bei der Geburt der Venus [= Liebesgöttin] steht, gibt es Schatten, das Gesicht der schlafenden Erinnye [= Rachegöttin] wirkt [...] sofort viel wacher, lebendiger, geradezu wild.“ (S. 120f.)
  • Todesahnung, Faber hängt bei fortschreitender Krankheit aber am Leben wie noch nie (S. 215)

Tod

Das Todesmotiv nimmt in Homo faber die Rolle eines Leitmotives ein - man könnte von einer ständigen Präsenz des Todes sprechen.
  • schon ganz am Anfang ist Faber „todmüde“ (S. 7)
  • in Houston und bei der Notlandung hat er einen Ohnmachtsanfall
  • die über Campeche kreisenden und im Dschungel aasenden Zopilote (S. 37, S. 57) sind ein Symbol für Tod und Vergänglichkeit
  • Ivy liest Walters Hand und stellt fest, dass er eine kurze Lebenslinie hat; dieser streichelt Ivy, wie man eine junge Witwe streichelt (S. 66) \(\longrightarrow\) die Stelle hat Verweischarakter
  • die Dschungelnatur steht für den Lebenszyklus, was den Tod beinhaltet, gleichzeitig aber Leben und Fruchtbarkeit einschließt
  • „Tu sais que la mort est femme [...] et que la terre est femme!“ (S. 75) - Marcels Zitat bedeutet wörtlich übersetzt: Du weißt, dass der Tod weiblich ist ... und dass die Erde weiblich ist.
  • Professor O. ist wie die Zopilote ein Todesbote, er ist die Personifikation des Todes; Fabers ehemaliger Mentor ist ebenfalls Techniker und auch krebskrank, ein „Schädel mit Haut drüber, [...] wie bei einem Totenkopf“ „Unterhaltung mit einem Totenschädel, ich mußte mich zusammennehmen, um Professor O. nicht zu fragen, wann er denn sterbe.“ (S. 111, S. 187 u. S. 210)
  • Spiegelsymbolik
    • im Spiegel sieht F. „scheußlich“ aus, „wie eine Leiche“ (S. 11)
    • als einziger Gast in einem Pariser Restaurant sieht sich F. in einem Spiegel mit Goldrahmen „sozusagen als Ahnenbild“ (S. 106)
    • F. erschrickt, als die Diakonissin des Athener KH ihm einen Spiegel bringt: „ich bin erschrocken. [...] Ich bin wirklich etwas erschrocken.“ er sei nie so hager gewesen wie jetzt, wie der Indio in Palenque, der ihnen die feuchte Grabkammer zeigte (S. 185)
  • In der Gattin seines Lehrers verbinden sich in beispielhafter Weise die Motive Leben, Sexualität und Tod. Auch Fabers Haltung zu diesem Urkreislauf (Geburt-Eros-Tod) wird deutlich: Er hat seine erste sexuelle Erfahrung „eigentlich vergessen, das heißt, ich erinnere mich überhaupt nicht daran, wenn ich nicht will.“ (S. 107) Mit anderen Worten, er verdrängt sie. „Sie starb noch im gleichen Sommer, und ich vergaß es [...].“ (S. 108) Die Passage steht für Fabers Flucht vor der Frau und seine Verdrängung des Todes.
  • Als Sabeth und Walter auf der Via Appia von einer Gruppe Amerikanern gestört werden, findet Sabeth: „das ist unser Platz!“ Rückblickend spricht Faber von „unser[em] Grabmal“.
  • Nach eigenem Bekunden habe F. Hanna gar nicht wiedersehen, sondern nur zum Flughafen gehen wollen: „Meine Zeit war abgelaufen.“ (S. 147)
  • in Akrokorinth herrscht Totenstille, nachdem die Hirtenhunde verstummt sind (S. 163)
  • die Wolkenkratzer New Yorks wirken wie Grabsteine (S. 176)
  • die Motivik verdichtet sich: Im KH berichtet F. in einem „PS“ davon, dass es ihm scheint, als habe es noch nie so viele Todesfälle gegeben wie im vergangenen Vierteljahr - auch Prof. O. ist gestorben (S. 187)
  • F. verdrängt den Tod aber, in einem zweiten PS spielt er seinen Zustand herunter: „es fehlt mir nur an Bewegung und frischer Luft, das ist alles.“
  • Verdrängung bis zum Schluss - als er im KH über seine Blamage im Taxi auf Kuba schreibt, urteilt er rückblickend: „Mein Hirngespinst: Magenkrebs.“

Kreuzsymbolik

Das Kreuz ist das Zeichen der Passion Christi. Das lateinische Wort passio bedeutet „Leiden“, „Krankheit“.
  • in Palenque wohnen Walter und Herbert im Hotel Lacroix („das Kreuz“) (S. 40)
  • F. steht hinter dem Mädchen mit dem Rossschwanz und versucht, ihr Gesicht zu erraten, als Zeitvertreib, wie bei einem Kreuz worträtsel (S. 75)
  • Sabeth wurde von einer Schlange gebissen; Faber fragt, wieso es keine Kreuz otter war (S. 138)

Mythos

Der Mythos ist als sinnstiftende Erzählung oft mit der Welt der Götter und dem Schicksal verknüpft. Er verweist also genau auf das, was Faber kategorisch ablehnt. Im Mythos spielen Dinge wie Rache und Tragik eine wichtige Rolle.
  • Faber schreibt seinen Bericht auf einer Hermes Baby, so der Name der Schreibmaschine - der Götterbote Hermes führte die Seelen der Verstorbenen in den Hades
  • in Rom bewundert er ein Kunstwerk, den Kopf der schlafenden Erinnye - Erinnyen waren im antiken Griechenland die Rache- bzw. Schutzgöttinnen der sittlichen Ordnung
  • die Frau seines Lehrers, mit der F. schläft, kommt ihm vor wie eine Irre oder wie eine Hündin - Tisiphone, eine der drei Erinnyen, die Vergeltung oder die den Mord Rächende, wird oft mit Hundekopf und Fledermausschwingen dargestellt
  • er hält Sabeths Kopf zwischen beiden Händen, wie man den Kopf eines Hundes hält, als klar wird, dass sie Hannas Tochter ist (S. 130, Z. 1-3 u. Z. 14f.)
  • auch Hannas Kopf hält er derart zwischen den Händen (S. 167)
  • auf Akrokorinth werden Sabeth und Walter vom Gebell von Hirtenhunden aufgeschreckt, „ziemliche Bestien“ (S. 163)
  • Sabeth wird von einer Schlange gebissen - in der griechischen Mythologie ist die Schlange das Tier der Gaia, der personifizierten Erde; nach Freud symbolisiert sie die menschliche Triebnatur
  • Ödipus-Mythos
    • taucht hier als Inzestfall zwischen Vater und Tochter auf
    • in der griechischen-Sage tötet Ödipus unwissentlich, aber wie vom Orakel prophezeit, seinen Vater, den König von Theben; daraufhin heiratet er seine Mutter Iokaste, die ihm zwei Kinder gebärt; erst später findet Ödipus die Wahrheit heraus und sticht sich die Augen aus
    • Sigmund Freund entwickelte in der Psychoanalyse das Konzept des Ödipuskomplexes, demzufolge das Kind während einer frühen Phase seinen Eltern gegenüber sexuelle Wünsche empfindet und in Konkurrenz zum gleichgeschlechtlichen Elternsteil steht
    • Fabers unbewusstes Motiv für den Inzest: Verdrängung und Nicht-Anerkennung des Todes
    • „Warum nicht diese zwei Gabeln nehmen, sie aufrichten in meinen Fäusten und mein Gesicht fallen lassen, um die Augen loszuwerden?“ (S. 209)
  • im Badezimmer denkt F., Hanna könne eintreten und ihn rückwärts mit einer Axt töten (S. 148) - auf diese Weise kam Agamemnon, König von Mykene und Held im Trojanischen Krieg, durch Klytemnästras Hand um

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