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Rezeption

Joseph von Eichendorffs Schreibprozess an Aus dem Leben eines Taugenichts zog sich über neun Jahre hin, angefangen 1817 bis zur finalen Publikation im Jahre 1826. Aus Aufzeichnungen des Autors lässt sich entnehmen, dass er während des Schreibens immer wieder Änderungen vornahm. So war für Aurelie beispielsweise zu Anfangs die Figur einer verheirateten, adligen Dame angedacht, die Taugenichts in der Rolle eines Minnesängers für sich gewinnen sollte. Um die beiden jedoch auf Augenhöhe begegnen zu lassen, entschied sich Eichendorff dann wieder dagegen.

Lob der Kollegen

  • Thomas Mann: Für den Schriftsteller verkörperte die Figur des Romantikers in Eichendorffs Taugenichts das Idealbild des traditionell Deutschen, der sich am wohlsten in der eigenen Heimat fühlt. Dies mag unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass Romantiker zur damaligen Zeit vielerorts als eine Art Ur-Väter der deutschen Nation angesehen wurden
  • Hermann Hesse: Der Philosoph und Autor sieht in Aus dem Leben eines Taugenichts vielmehr ein universales Kulturgut und aufgrund dessen äußert er sich folgendermaßen zu der Novelle: „Wir sind längst überzeugt, dass er zu den Klassikern gehört, und sehen ihn ganz ohne Lärm zu jener Unsterblichkeit eingegangen, an welcher keine Kritik mehr rütteln kann.“
  • Theodor Fontane: Der Autor des Realismus sah in Eichendorffs Werk vor allem die Bestrebung, den Stolz für die eigene Nation zu stärken und laut ihm war Aus dem Leben eines Taugenichts „nicht mehr und nicht weniger als eine Verkörperung des deutschen Gemüts, die liebenswürdige Type nicht eines Standes bloß, sondern einer ganzen Nation. Kein andres Volk hat solch Buch.“ Es existieren keine Zeugnisse darüber, dass Eichendorff selbst auch diese stark nationalistisch ausgerichtete Wirkung für seine Novelle angedacht hatte

Allgemeine Kritik

  • Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Werk besondere Ehre erfuhr, indem Lieder aus der Novelle wie etwa Wem Gott will rechte Gunst erweisen (Kap. 1) über die Literatur heraus bekannt wurden, indem sie von Komponisten wie Robert Schumann oder Felix Mendelssohn-Bartholdy verfasst wurden
  • Um die allgemeine Rezeption über das Werk differenziert betrachten zu können, sollte außerdem auf die unterschiedlichen Reaktionen auf die Novelle eingegangen werden: Im Realismus, welcher an die Romantik grenzte, sah man in Eichendorffs Novelle auch den Ansatz, sich ironisch und humorvoll gegenüber den Romantikern zu positionieren, was auf ein hohes Maß an Selbstreflektion und Selbstironie schließen lässt

Reaktion des Publikums

  • Zunächst einmal war nach dem Erscheinen der Novelle 1826 ein großer Begeisterungssturm ausgebrochen und die Figur des Protagonisten bot für zahlreiche Zeitgenossen ein großes Identifikationspotenzial. Letzteres ist nicht zuletzt auf die lebendige, emotionale und lebensnahe Beschreibung der Hauptfigur zurückzuführen
  • Nach der anfänglichen Euphorie schwächte das Interesse für die Novelle jedoch über die Jahre hinweg ein wenig ab, sodass man sie ein Jahrzehnt später bereits als rückständig und veraltet abtat
  • Heute wiederum gilt Aus dem Leben eines Taugenichts als eines der wichtigsten und bedeutendsten Werke der Spätromantik und verdient aufgrund seiner stilistischen Vielfalt neben zahlreichen anderen Werken seinen Platz in der klassischen, deutschen Literatur

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