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Inhaltsverzeichnis

Erzählweise

Tempus im Werk

Erzählte Zeit vs. Erzählzeit: Zeitlich findet die erzählte Handlung über einen Zeitraum von einem knappen Jahr statt. Der Roman beginnt sein Geschehen im späten Sommer 1937 und endet im Anfang Juni 1938. Abschließend findet jedoch noch ein Zeitsprung von weiteren sieben Jahren statt, nach welchem Anezka „am Morgen des 12. März 1945“ (S. 247, Z. 20) vor der Trafik des Protagonisten erscheint.
Es besteht eine Diskrepanz zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit. So findet Franz' Heranreifen zu einem Mann zwar fast ein Jahr statt, doch der Roman lässt sich in wenigen Stunden lesen. Die zeitliche Struktur weist zahlreiche Zeitsprünge auf, die beispielsweise dazu dienen, Erlebnisse aus Franz' Kindheit zu schildern, oder kontextuelle Situationen zu verdeutlichen.

Lokalitäten in Der Trafikant

Schauplätze in Der Trafikant: Die Orte, an welchen sich das Geschehen im Roman abspielt, sind alle in Österreich situiert. Die beiden prominenten Schauplätze stellen zum einen den kleinen Ort „Nußdorf am Attersee“ (S. 7, Z. 8) und zum anderen die österreichische Hauptstadt Wien dar. Die Figuren im Werk lassen sich auf die beiden Hauptschauplätze verteilen. So lässt sich etwa Frau Huchel der Heimat am Attersee zuordnen, mit welcher Franz ein Gefühl der Liebe, Wärme und Geborgenheit verbindet. Als der Protagonist Nußdorf verlässt, ist er noch ein Junge, dementsprechend stellt seine Heimat den biografisch seine Kindheit dar. In Wien hingegen, wo er lernt, dass Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Einsamkeit zum Erwachsenwerden dazugehören, sind seine beiden vorrangigen Ansprechpartner der Professor Sigmund Freud und Anezka. Otto Trsnjek wiederum, der zwar auch in Wien lebt, ist als eine Art Zwischenglied der alten und der neuen Heimat anzusiedeln, da er sich als Bekannter Frau Huchels ein Stück näher an der Familie befindet als die übrigen in Wien situierten Personen.
In Wien bestehen die signifikanten Schauplätze aus der Tabaktrafik Trsnjeks in der Währingerstraße im 9. Wiener Gemeindebezirk, wo der Protagonist arbeitet und den Großteil seines Lebens verbringt. Weiterhin sind wir als Leser auch in Sigmund Freuds Wohnhaus in der Berggasse 19 zu Gast, ebenso wie im „gelben Haus in der Rotensterngasse“ (S. 87, Z. 9), wo Franz' Liebhaberin Anezka zusammen mit zahlreichen anderen böhmischen Frauen illegal wohnt. Doch auch in die Bar „Zur Grotte“ in der „Unteracher Kalksteinhöhle“ (S. 209, Z. 10), wo Anezka als Nackttänzerin arbeitet, führt uns der Protagonist, ein Ort, der sich nicht zufällig unter der Erde befindet. Die dort sichtbar werdenden heimlichen und abgründigen Seiten des Menschen bleiben verborgen vor dem hellen Tageslicht, welches Reinheit und Anständigkeit ausstrahlt.
Außerdem begleiten wir Huchel in die Wiener Innenstadt zum Wiener Prater und in den Wiener Volksgarten, wo er zusammen mit Freud sitzt und sich unterhält. Nicht zuletzt der Morzinplatz bildet einen Ort im Werk, an welchem sich nach dem 13. März 1938 die neu eingerichtete Dienststelle der Gestapo im ehemaligen Hotel Metropol befindet.
Als einziger naturnaher Rückzugsort des Protagonisten fungiert der Kahlenberg unweit von Wien entfernt, von dessem hügeligen Rücken aus Franz Huchel gerne fernab des Geräuschpegels dem Treiben der Stadt zusieht, um seine eigenen Gedanken wieder zu hören und zu sortieren. Die erhöhte geografische Lage Standort repräsentiert die Weitsicht auf Probleme und Sorgen im Leben von Franz, welche er inmitten der Stadt nicht erlangen könnte.

Erzählstil- und Technik

Das Geschehen wird vorrangig von einem personalen Erzähler geschildert. Der personale Erzähler beschreibt die Handlung aus der Perspektive der dritten Person. Dialoge und innere Monologen werden vom personalen Erzähler aus der Erzählperspektive der jeweiligen Figur verfasst. Hier findet ein Großteil der Handlung aus Sicht des Protagonisten statt, doch die Leseart wechselt auch immer wieder in die Perspektive anderer Charakteren im Roman.
Wiederum nüchterne und sachliche Textabschnitte wie Natur-oder Sachbeschreibungen und auch Kommentare wechseln in ihrer Erzählform in die Perspektive eines auktorialen Erzählers.

Gattung

Das vorherrschende Thema, welches sich wie ein roter Faden durch das Werk Seethalers zieht, ist die Persönlichkeitsentwicklung des Protagonisten Franz Huchel vom Jungen hin zu einem jungen Mann. Aufgrund dieses stattfindenden Heranwachsens zur mentalen sowie physischen Reife, ist der Roman als Adoleszenz- beziehungsweise Entwicklungsroman einzuordnen. Mit Adoleszenz ist die Entfaltung eines jungen Menschen ab dem Übergang vom Kind zu Jugendlichen bis hin zum Erwachsenenalter gemeint. Die Adoleszenz und der damit einhergehende Reifeprozess folgt keinem einheitlichen Schema, sondern richtet sich nach den entsprechenden situativen Randbedingungen und Kontext. Im Falle Franz Huchels bedeutet dies in Anbetracht des 2. Weltkriegs, dass er innerhalb kürzester Zeit in Wien zu einem Mann werden muss, da die Umstände dies von ihm abverlangen.

Sprache

Robert Seethaler vermag, indem er eine Kombination aus humorvoller und tiefgründiger Sprache in seinem Roman verwendet, den Leser in den Bann der Handlung zu ziehen. Die teils frechen, neckenden Reaktionen von Figuren wie Sigmund Freud, Otto Trsnjek, Anezka oder Franz Mutter führen dazu, dass der Leser trotz des dramatischen Hintergrunds der politischen Geschehnisse immer wieder aufatmen kann. Die Einbettung ironischer und humoristischer Sprachaspekte lockert die fast unerträgliche Anspannung des Alltags in Wien ein wenig auf und kann zudem als eine Art Bewältigungsstrategie der Figuren angesehen werden.
Indem der Autor den dialektalen Einschlag beispielsweise Anezkas nicht abschwächt, sondern betont, erzielt Seethaler ein erhöhtes Identifikationspotenzial mit seinen Figuren im Roman. Die sprachlichen Imperfektionen der Charaktere tragen dazu bei, dass die einzelnen Darsteller wie Anezka oder auch Frau Huchel an Menschlichkeit und demzufolge an Nahbarkeit gewinnen.
Auch die Verwendung von Austriazismen im Roman wie etwa „Schlagobers“ (Sahne, S. 48, Z. 13), „Tabaktrafik“ (Tabak- und Zeitschriftenladen, S. 22, Z. 8) oder „Servus“ (Guten Tag, S. 23, Z. 14) bewirkt, dass die Sprache und demzufolge auch die Dialoge und Beschreibungen im Werk authentisch und real wirken.

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