Vater
Der Vater wird nie beim Namen genannt, sein Vorname ist aber durch den nach ihm benannten Erstgeborenen Arnold indirekt bekannt. Als einstiger Landwirt hat sich der Vater nach der Flucht aus Polen einen Fleischereigroßhandel aufgebaut. Völlig unerwartet stirbt er nach finanziellen Problemen an zwei Herzinfarkten.
Infos zur Person
- Mann aus Rakowiec in Polen, der im Verlauf der Handlung zwischen Mitte 30 und Mitte 40 Jahre alt ist
- War in seiner alten Heimat Landwirt und musste schon nach dem 1. Weltkrieg eine neue Existenz aufbauen
- Verlor auf der Flucht vor der russischen Armee seinen Erstgeborenen Sohn Arnold, weil er mit einem Gewehr bedroht und seine Frau von den Soldaten aus dem Treck herausgezogen wurde
- Gründete nach seiner Flucht im Januar 1945 in Deutschland zuerst eine Leihbücherei, dann ein Lebensmittelgeschäft und später einen Fleischereigroßhandel
- Lebt mit seiner Frau und dem zweitgeborenen Sohn in einer nicht benannten Stadt in Ostwestfalen
- Wird als korpulenter, unbeweglicher Mann beschrieben
- Stirbt im Laufe der Handlung an zwei Herzinfarkten
Charakter
- Schuldgefühle: Er fühlt sich schuldig, weil er seine Frau auf der Flucht nicht vor der Vergewaltigung beschützen konnte; verzeiht sich nicht, dass durch sein Scheitern seine Frau nur den einen Ausweg sah, ihr Kind wegzugeben; gestattet sich nicht, mit seinem neuen Leben zufrieden zu sein, weil Arnold fehlt
- Flucht in die Arbeit: Anstatt über seine Emotionen zu sprechen oder Tränen zu zeigen, flüchtet sich der Vater in die Arbeit; er kann es nicht ertragen, nichts zu tun zu haben, weil dann der Kummer wieder aufkommen würde
- Ehrgeizig: Der Vater will sich offenbar durch Erfolg, Geld und Ansehen etwas beweisen; er strebt nach jedem Erfolg ein neues, noch höheres Ziel an; trotz allerlei Rückschlägen, wie Problemen mit den Lieferanten, gibt er nicht auf; er arbeitet sich vom Landwirt zum erfolgreichen Großunternehmer hoch; er gönnt sich keinen Urlaub und arbeitet jeden Tag stundenlang; er kauft sich ein teures Auto, um in der Gesellschaft anerkannt zu werden; versucht verzweifelt, aus den finanziellen Sorgen herauszukommen
- Jähzornig: Durch den ständigen Stress und den unterdrückten Schmerz ist der Vater ungeduldig und gereizt; besonders gegenüber seinem Sohn ist er jähzornig und extrem streng; er wird schnell laut und regt sich auf
- Teilnahmsloser Vater: Er zeigt kein Interesse für seinen Sohn und spricht kaum mit ihm; er hört dem Erzähler meist gar nicht zu oder unterbricht ihn genervt, so etwa nach den Untersuchungen in Heidelberg; er zeigt keinerlei Empathie, wenn sein Sohn von seiner Reisekrankheit oder Trigeminusneuralgie geplagt wird, sondern beschimpft ihn sogar noch
- Verständnisvoller Ehemann: Während er mit seinem Sohn ungeduldig und streng ist, behandelt er seine Frau sanft und umsichtig; er akzeptiert ihr Schweigen, tröstet sie und bleibt sogar ruhig, als sie das Geld für sein Auto in den Ofen wirft; er unterstützt ihr zuliebe die weitere Suche nach Arnold, obwohl er nach dem ersten negativen Ergebnis kaum noch Hoffnung hat; er besucht sie regelmäßig in der Reha
- Intelligent und durchdacht: Gegenüber seinen Kunden und Lieferanten ist er äußerst wortgewandt; er weiß immer genau, was er zu wem sagen muss, um zu punkten
- Unsicherheit: Vor dem Termin mit Professor Liebstedt ist er extrem aufgeregt und unsicher; erst im Anzug fühlt er sich wieder als wer; er nutzt Statussymbole wie Kleidung oder Autos, um selbstbewusst zu sein
- Sehnsucht nach der Heimat: Er ist tief verwurzelt mit seiner Heimat und seinem früheren Leben als Landwirt; er hätte gerne den Hof seiner Eltern übernommen und spricht oft darüber, etwa mit Prof. Liebstedt; er zelebriert Traditionen wie das Schweinekopfessen, weil es ihn an die Zeit auf dem Bauernhof erinnert und er dann mit Bekannten Schlacht-Anekdoten von früher austauschen kann; er hält den Kontakt zu seiner verwitweten Schwester, obwohl er sie nicht zu mögen scheint