Stilmittel
- Chiasmus: „(...) man sprach zuweilen von leichtsinnigen Dingen wichtig, von wichtigen öfters leichtsinnig(...).“ (S. 10)
Dabei werden zwei Satzteile in entgegengesetzter Stellung zueinander angeordnet. Schlemhil spricht in seiner Aussage über die Gesprächsthemen der adeligen Gesellschaft am Hof von Thomas John. Die Worte leichtsinnig und wichtig wiederholen sich dabei nach dem Komma in entgegengesetzter Anordnung (und in leicht veränderter morphologischer Form). Im zweiten Teilsatz steht somit „wichtigen“ vor „leichtsinnig“.
- Hyperbel: „Es wurden mir unsichtbar die unerhörtesten Rippenstöße erteilt, die wohl je ein Mensch gefühlt hat.“ (S. 10)
Sie dient der Übertreibung. Peter Schlemhil verdeutlicht hiermit eindringlich die Boshaftig- und Gewalttätigkeit des Teufels, insbesondere in der Szene im Wald, als die beiden Kontrahenten aufeinandertreffen und Schlemhil versucht, den Schatten zunächst zu jagen und später an sich zu reißen. Der Mann in Grau verhindert dies jedoch und wehrt Schlemhil mit heftigen Stößen in seine Rippen ab.
- Inversion: „Die Schätze meines Goldes hab ich vor dir nicht verschlossen, nicht verschließen will ich vor dir die Schätze meines Grams.“ (S. 23)
Sie meint eine Satzumkehrung. In diesem Beispiel fällt eine zusätzliche Veränderung der grammatikalischen Formen auf. Die Inversion bewirkt, dass ein bestimmtes Wort oder ein Satzteil eine besondere Eindringlichkeit oder Bedeutung erhält. In dem Textausschnitt spricht Schlemhil seinen Diener Bendel an und das besondere Augenmerk fällt auf das Verb „(nicht) verschließen“ im Präsens bzw. „(nicht) verschlossen“ in der Präteritalform.
- Metapher: „(...) von den dunkeln Rosen, floss Purpur auf ihre zarte Hand.“ (S. 10) „(...) was mich eine Zeit lang an meiner Eitelkeit festhielt: das ist im Menschen, wo der Anker am zuverlässigsten Grund fast“ (S. 24-25) „Du kannst Dir denken, wie mir die Worte durchs Herz schneiden mussten.“ (S. 34)
Sie erzeugt ein sogenanntes inneres Bild, um einen bestimmten Sachverhalt mithilfe einer Übertragung zu veranschaulichen. Beim ersten Beispiel handelt es sich um eine Beschreibung des schönen Mädchens Fanny, die sich an einer Rose verletzt und daraufhin stark blutet. Die Farbe Purpur steht im eigentlichen Sinne nicht für das Blut, sondern meint einen Farbstoff und steht hier nur metaphorisch für das Blut bzw. stellt es durch seine Verwendung eindringlicher dar.
- Neologismus: „was die Welt auch meine, ich kann und werde um Schattens willen meinen gütigen Herrn nicht verlassen (...).“ (S. 24)
Diese Aussage stammt von Schlemhils Diener Rascal, der in einem Gespräch von der Schattenlosigkeit seines Herren erfährt. Die Bezeichnung „um Schattens willen“ existiert in dieser Form nicht und bildet somit eine Wortneuschöpfung bzw. sprachliche Neuprägung. Sie lässt ganz gezielt die Sprache originell wirken und erhöht die Aufmerksamkeit des Lesers. Die Bedeutung von „um Schattens willen“ könnte dem Leser jedoch trotzdem einleuchtend sein, da es einen an die Redewendung „um Himmels willen“ erinnert. Der Diener will somit aussagen, dass die Schattenlosigkeit auf gar keinen Fall oder unter keiner Bedingung etwas an dem Verhältnis zwischen den beiden verändern wird.
- Vergleich: „(...) und der graue Mann war spurlos wie ein Schatten verschwunden.“ (S. 21) „(...) schoss wie ein Pfeil durch die entsetzten Gäste (...)“
Dieses sprachliche Mittel vergleicht das spurlose Verschwinden des grauen Mannes mit einem Schatten. (Beispiel 1) Hierbei soll eine Ähnlichkeit zwischen zwei Inhalten aufgezeigt werden. Obwohl andere Vergleiche an dieser Stelle bezogen auf den Sinn passender wären, möchte der Dichter an dieser Stelle natürlich zusätzlich einen Zusammenhang mit dem verlorenen Schatten Schlemhils aufstellen.