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Sprache und Stil

Fabers Bericht ist in kurzen Sätzen abgefasst, wobei sich oft Ellipsen (= Sätze mit Auslassungen) finden. Mitunter erinnert die Ausdrucksweise an Telegrammstil, etwa wenn Begriffe zur Beschreibung aneinandergereiht werden: „Ich konnte es mir vorstellen, Flachland, tropisch, Feuchte der Regenzeit, die senkrechte Sonne.“ (S. 16) Die Erzählung kommt sachlich-nüchtern daher: Erläuternde Adjektive gibt es kaum, und wenn doch, beschreiben sie formale Eigenschaften statt innere Zustände. Sprachliche Vergleiche sind - Fabers Beruf entsprechend - technisch: „Man erkannte die Wasserzweige des Mississippi [...] Sonnenglanz drauf, Geriesel wie aus Messing oder Bronze [...].“ (S. 9) Teilweise ist Fabers Sprache auch salopp, etwa wenn er von „Affenschwein“ spricht (S. 22) oder bekundet, dass sich in der Bar „kein Knochen“ befunden habe (S. 77).
Auffällig sind außerdem wiederkehrende Formulierungen wie z. B. „üblich“ / das „Übliche“ (S. 7 Z. 4, S. 9 Z. 9, S. 11 Z. 14, S. 16 Z. 11, S. 20 Z. 16, Z. 23 u. Z. 28 etc.), das vom „plötzlich“ unterbrochen wird (S. 20 Z. 29, S. 22 Z. 3).
Die Fiktion des Berichts wird lange Zeit durch Fabers Bemühen, Objektivität vorzuspiegeln, aufrechterhalten. Es finden sich:
  • exakte Datums- und Zeitangaben (z. B. S. 11 Z 21, S. 23 Z. 4, S. 24 Z. 12)
  • genaue Ortsangaben
  • Markennennungen
  • bibliographische Angaben
  • sonstige Angaben: „Bevölkerung: Indios“, „Auf seiner Karte (1:500\,000)“ (beides S. 15)
Fabers Bericht ist in weiten Teilen monologisch, doch gibt es auch Dialogteile. Diese werden oft gerafft bzw. in indirekter Rede wiedergegeben.
Von Frisch stammt die Aussage, dass er jemandem wie Walter Faber nicht zutraue, sich richtig auszudrücken - schließlich sei ein Ingenieur überhaupt nicht gewohnt zu schreiben. Deshalb finden sich in dessen Bericht auch grammatische Fehler. Immer wieder springt Faber im selben Satz zwischen den Zeiten, etwa vom Präteritum ins Präsens: „Der Lautsprecher knackte und knarrte , so daß man von den Anweisungen, die gegeben werden , kein Wort versteht .“ (S. 20f.; vgl. auch S. 32, S. 43) Dieses Springen kann auch als Spannung gelesen werden zwischen dem Bemühen um sprachliche Korrektheit einerseits (Präteritum) und um Unmittelbarkeit und Anschaulichkeit andererseits (Präsens). Darüber hinaus verwendet Faber auch einen falschen Konjunktiv: „Ich war gespannt, als fliege ich zum ersten Mal [...]“ (S. 214).
Der Stil des Berichts wird lebhafter, nachdem Faber sich geöffnet hat und Gefühle zeigt. Mit seiner Einstellung zur Natur und zum Leben wandelt sich auch die Sprache: Seine Vergleiche verlieren ihren technischen Bezug, wie das Spiel mit Sabeth zeigt (S. 163). Als Faber nach dem Tod seiner Tochter auf Kuba in sentimentaler Stimmung ist, wählt er sogar poetische Bilder (S. 187 Z. 23f.: „ihr weißes Gebiß in der roten Blume ihrer Lippen“). So unterscheidet sich die zweite Station sprachlich deutlich von der ersten. Für das Selbstbild des Technikers Faber, das er noch bis Caracas von sich hat, ist die neue Ausdrucksweise sicher untypisch: Die Sprache wird assoziativ, neben den angesprochenen Vergleichen finden sich viele Adjektive, die auf starke Gefühle verweisen. Bezeichnenderweise kann Faber in seinem emotionalen Zustand auch keine genauen Angaben mehr machen - ob er im Helvetia- oder Schauinsland-Expreß gefahren ist, weiß er nicht mehr (vgl. S. 208).

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