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Schuld und Scham

Ein zentrales Thema in Treichels Werk sind Schuld und Scham.

Was sind Schuld und Scham?

  • Der Mensch empfindet Scham, wenn er Erwartungen nicht gerecht werden kann
  • Scham ist das peinliche Gefühl, versagt zu haben
  • Man empfindet Reue für das vermeintliche Nichtgenügen
  • Als körperliche Reaktionen auf Schamgefühl können Erröten, Herzklopfen und Wegschauen vorkommen
  • Schuldgefühle treten auf, wenn man mit dem eigenen Verhalten gegen Werten, Normen oder Gesetze verstoßen hat
  • Man fühlt sich schuldig, weil man anderen Menschen Unrecht zugefügt hat

Schuld und Scham der Mutter

  • Die Mutter schämt sich, weil sie sich als schlechte Mutter fühlt
  • Sie ist davon überzeugt, dass sie in ihrer Rolle versagt hat, weil sie Arnold nicht beschützen konnte
  • Die Mutter empfindet große Reue, weil sie Arnold auf der Flucht voreilig in die Arme der fremden Frau gelegt hat
  • Sie fühlt sich schuldig, ihr eigenes Kind überhaupt weggegeben zu haben
  • Außerdem scheint die Mutter sich sogar selbst für die Vergewaltigung die Schuld zu geben, weil sie mit ihrem Aussehen die Soldaten angezogen hat und sich vielleicht nicht gut genug verhüllt hat
  • Insgeheim wird die Mutter wohl auch von der Schuld an den historischen Kriegsverbrechen gequält; nachdem sie selbst ihr Zuhause verlassen musste, weiß sie, wie sich die damaligen Besitzer des Hofes in Rakowiec gefühlt haben müssen, als das NS-Regime sich die Gebiete unrechtmäßig angeeignet hat
  • Sie fühlt sich Arnold gegenüber schuldig, ein nach außen scheinbar gutes Leben zu führen, während er ohne Eltern aufwachsen musste; sie verbietet sich aus Schuld und Scham heraus jedes Glück

Schuld und Scham des Vaters

  • Der Vater empfindet Scham, weil er als Mann nicht genügt
  • In seinen Augen hätte er sein Zuhause in Rakowiec verteidigen und auf der Flucht seine Familie beschützen müssen
  • Er schämt sich, dass er zugelassen hat, dass seine Frau vor seinen Augen vergewaltigt wurde
  • Der Vater empfindet Schuld, weil er der Norm des starken Mannes nicht entsprochen hat
  • Die Verantwortung für das Unrecht, das seiner Familie zuteil wurde, gibt er ganz sich selbst
  • Der Vater bereut jeden Moment im Leben, den er genießt, während sein Sohn verloren ist, und bestraft sich selbst mit viel Arbeit

Vererbte Schuld und Scham des Erzähler

  • Der Erzähler schämt sich, weil er den Erwartungen seiner Eltern nicht entspricht und ihnen als Sohn scheinbar nicht gerecht werden kann
  • Durch die vergiftete Atmosphäre in der Familie und die ständige Präsenz des verlorenen Bruders empfindet der Erzähler sogar Scham für sein bloßes Dasein; dafür, dass er essen oder fernsehen kann, während sein Bruder nicht da ist und die Eltern leiden
  • Im Vergleich zum hochgelobten Bruder fühlt sich der Erzähler als Versager-Sohn; während sein Bruder die Eltern nur mit einem süßen Foto glücklich macht, kann er scheinbar nichts richtig machen
  • Er bereut, dass er seine Mutter in ihrer Trauer nicht trösten kann
  • Er empfindet Reue, weil er um seinen verstorbenen Vater nicht trauern kann
  • Der Erzähler fühlt sich schuldig dafür, dass er seine Eltern nicht liebt, obwohl sich das in der allgemeinen Meinung für gute Kinder doch so gehört
  • Der Erzähler gibt sich die Schuld, weil er seine Mutter durch die extreme Ähnlichkeit, für die er nichts kann, immer wieder an den verlorenen Sohn erinnert
  • Insgeheim wird er von Scham gequält, weil er ahnt, dass er das Kind der Vergewaltigung und damit ein „Russenkind“ (Vgl. S. 151) sein könnte
  • Er schämt sich dafür, dass die Ähnlichkeit zu seinem Vater so gering ist, er aber dem Findelkind so ähnlich sieht

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