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Tod

Bereits mit den ersten Sätzen des Romans wird ein Leitmotiv eingeführt: der Tod (s. o.). Als E., kurz nachdem er Agnes kennengelernt hat, eine tote Frau auf dem Gehsteig findet und feststellt, dass sie nicht älter gewesen sei als diese, erfüllt das zwei Funktionen: Erstens ist der Tod beider junger Frauen so miteinander verknüpft. Zweitens verweist der Tod der Fremden bereits auf das Romanende.
S. 23: Auch Agnes sieht die tote Frau und offenbart ihre Angst vor dem Tod. Dass sich jemand aus Erkenntnisinteresse mit Fragen nach dem Tod und ein mögliches Leben danach befasst, ist E. augenscheinlich unverständlich, denn sein erster Gedanke ist, als Agnes das Thema anspricht: „Bist du krank?“
S. 26: Der Gedanke an die Nichtexistenz beschäftigt Agnes sehr, da sie selbst in eigentlich unbeschwerten Situationen darauf zu sprechen kommt („Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?“).
S. 32f.: Die Beschäftigung mit dem Tod reicht bei ihr bis in die Kindheit hinein. Bei den Pfadfindern war sie einst in einem Lager in den Catskills und bei einem Sturz von einer Seilbrücke starb die Nachbarstochter (S. 32f.). Ihr Unfalltod ist mit der problematischen Vater-Tochter-Beziehung verknüpft, denn offenbar zog Agnes‘ Vater die handwerklich geschickte Nachbarstochter vor. Agnes aber konnte über das tragische Unglück nicht weinen und war auch innerlich gleichgültig.
S. 39: Viele im Roman genannten literarischen und nicht-literarischen Titel verweisen auf den Tod. Das Theaterplakat Mörder, Hoffnung der Frauen von Otto Kokoschka spricht sogar von Mord - analog dazu hat bekanntlich eine Geschichte Agnes getötet.
S. 78: An einer der entscheidenden Stellen des Buches sind zwei Leitmotive miteinander verknüpft: Kälte und Tod: Auf dem Friedhof der verlassenen Siedlung im Nationalpark sagt Agnes: „Stell dir vor, in wenigen Wochen liegt hier Schnee, und dann kommt für Monate niemand hierher, und alles ist ganz still und verlassen. Es heißt, zu erfrieren sei ein schöner Tod.“ Im Nachhinein gewinnt die Stelle potentiell prophetischen Charakter, denn Agnes‘ literarischer Tod gleicht ihrer hier geäußerten Vorstellung. Es ist daher wahrscheinlich, dass E. sich, als er den Schluss seiner Geschichte verfasst, an diesem Moment orientiert. Prophetischen Charakter besitzt die Textstelle nur dann, wenn das Romanende so interpretiert wird, dass Agnes sich tatsächlich umbringt - sonst ist ihr literarischer Tod eine Erinnerung E.s und somit eine Reaktion auf das Gesagte, das Gesagte aber kein Blick in die Zukunft.
S. 81: In einer rätselhaften, düsteren Vision, die Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen lässt, flüstert Agnes zu E.: „Du bist tot.“
S. 111: Agnes hat eine Fehlgeburt erlitten. Kurz zuvor hat E. ein Buch mit dem Titel How to Survive the First Two Years gekauft.
S. 130f.: Das Gedicht A Refusal to Mourn the Death, by Fire, of a Child in London von Dylan Thomas wird hier vollständig wiedergegeben, was auf die Wichtigkeit dieser Referenz hindeutet. Bezeichnenderweise sagt E., dass er es nicht verstehe. Es sei nur ein Gedicht, das man nicht so ernst nehmen dürfe. Agnes jedoch bezieht das Poem auf ihre Fehlgeburt, unter der sie noch immer leidet, was E. ihr fast zum Vorwurf macht. Deutlich wird hier erneut, dass der Tod für Agnes eine wichtigere Rolle spielt als für E. Ein Beleg dafür ist seine Äußerung: „Ich verstehe es nicht.“ Wie an den unterschiedlichen Reaktionen auf das Gedicht abzulesen ist, können auch die Kommunikation zwischen beiden sowie ihre Beziehung als tot angesehen werden. Mit der unsensiblen Frage „Denkst du immer noch daran [an die Fehlgeburt]?“ ist die Gefühlskälte E.s spürbar.
S. 130-141: Agnes ist krank und müde, gleichsam eine Vorstufe zu ihrem kurz darauf erfolgenden literarischen Tod.

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