Lerninhalte in Deutsch
Abi-Aufgaben LF
Lektürehilfen
Lektüren
Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Recht vs. Gerechtigkeit

Kleist nutzte seine Novelle Michael Kohlhaas um die Frage nach Recht und Gerechtigkeit aufzuwerfen. Trotz geregelter Rechtsverhältnisse ist dies nämlich nicht gleichbedeutend mit herrschender Gerechtigkeit. Außerdem regt das Werk zur Diskussion über die Möglichkeit der Vergebung an.

Recht oder Unrecht

  • Recht definiert sich über das allgemein geltende Regelwerk; zur Zeit der Handlung galt der Kaiserliche Landfrieden mit den Gesetzen des Staates
  • Nach dem im Werk angesprochenen Naturrecht, das auf Jean-Jacques Rousseau basiert, besitzt jeder Mensch unabhängig von Beruf, Stand oder Herkunft unveräußerliche Rechte
  • Michael Kohlhaas war zu Beginn der Handlung ein Mensch, der sich an die geltenden Gesetze hielt und darauf vertraute, dass der Staat dies belohnt mit Recht und Gerechtigkeit ihm gegenüber
  • Wie rechtschaffen der Pferdehändler war, zeigt sich daran, dass er den vom Schlossverwalter geforderten Passschein einholen wollte und seine Rappen als Pfand hinterließ. Mehr noch: Sogar nachdem er das Unrecht erkannt hatte, befragte er erst seinen Knecht Herse, um sicher zu gehen, dass diesen keine Schuld trifft und er wirklich vollkommen im Recht ist
  • Tatsächlich wurde Kohlhaas Opfer von Unrecht: Der Junker Wenzel von Tronka und dessen Schlossverwalter forderten ohne gesetzliche Grundlage einen Passschein von ihm und richteten dann seine Pferde zugrunde. Sie nutzten ihren höheren Stand aus und zeigten keinerlei Reue
  • Gegen dieses Unrecht wollte Michael Kohlhaas ordnungsgemäß mit einer Klage vorgehen; er war sich sicher, dass er vor Gericht Recht bekommen würde
  • Korruption am Hof sorgte dafür, dass Kohlhaas sein Recht verweigert wurde; weil der Junker Wenzel von Tronka Verwandte am Kaiserlichen Hof hatte, wurde kein Prozess eingeleitet
  • Kohlhaas versuchte weiter auf rechtlichem Wege zu seinem Schadensausgleich zu kommen, allerdings ohne Erfolg. Das Unrecht wurde nicht bestraft
  • Kleist wirft dadurch Zweifel am herrschenden Rechtssystem auf; auch dadurch, dass die weiteren Gerichtsurteile im Verlauf der Handlung willkürlich und vergänglich wirken.
  • Das Werk macht außerdem deutlich: Recht ist keine Sache, die man hat und die einem dann auch bleibt. Sowohl Kohlhaas als auch der sächsische Staat sind mal im Recht, mal im Unrecht. Kohlhaas gerät durch seinen Rachefeldzug ins Unrecht; der sächsische Staat, indem die Amnestie an ihm gebrochen wird oder Korruption herrscht
  • Die Urteile am Ende der Handlung zeigen wiederum deutlich: Kohlhaas war zu Beginn vollkommen im Recht, der Junker Wenzel von Tronka wird demnach verurteilt; allerdings wird auch Kohlhaas für seine Gewalttaten bestraft

Wunsch nach Gerechtigkeit

  • Gerechtigkeit ist nicht identisch mit Recht, weil geltende Gesetze nicht immer dafür sorgen können, dass jedem Mensch individuell gleiches Recht zuteil wird
  • Für Michael Kohlhaas ist Gerechtigkeit eine Herzensangelegenheit; im Werk wird von einem Rechtsgefühl wie einer „Goldwaage“ (Abs. 1, Z. 187) und der „Schranke vor seiner eigenen Brust“ gesprochen (Vgl. Abs. 1, Z. 188)
  • Nachdem ihm Unrecht widerfahren ist, wollte Kohlhaas einen gerechten Ausgleich für den entstandenen Schaden; im Sinne einer Naturalrestitution forderte er das Aufpäppeln der Rappen
  • Kohlhaas nutzte seine Situation nicht, um noch zusätzlich Geld über einen Schadensersatz für die seelische Belastung oder ähnliches zu bekommen; auch da ging es ihm ganz gerecht um den konkreten Schaden
  • Kohlhaas erwartete aufgrund seines eigenen Rechtsgefühls, dass ihm sein rechtlicher Anspruch auf Gehör vor Gericht gewährt wird; dass die Klage abgeschmettert wurde, zerstörte sein Weltbild und Vertrauen in Gerechtigkeit
  • Weil ihm keine Gerechtigkeit vergönnt war, wurde Kohlhaas vom Opfer zum Täter
  • Kleist treibt die Ambivalenz von Recht und Gerechtigkeit noch mehr auf die Spitze, indem er Kohlhaas durch die mystische Zigeunerin eine Chance auf Rache und folglich Gerechtigkeit gibt
  • Indem Kohlhaas kurz vor seiner Hinrichtung die Weissagung zerstört, konnte ihm gegenüber dem Kurfürsten von Sachsen eine Art Gerechtigkeit zuteil werden

Möglichkeit der Vergebung

  • Durch Strafen, die vom Gericht verhängt werden, soll eine Möglichkeit der Vergebung geschaffen werden
  • Kohlhaas wollte dem Junker Wenzel von Tronka vergeben, wenn er ihm die Rappen gesund zurückbringt
  • Durch das letztliche Urteil gegen den Junker Wenzel von Tronka bekam Kohlhaas doch noch Recht; er vergab daraufhin dem Staat, dass er so lange im Kampf für Gerechtigkeit allein gelassen wurde und nahm im Gegenzug sein Todesurteil an
  • Außerdem hatte sich Kohlhaas schon nach seinem Gespräch mit Luther dazu entschieden, aufgrund der Amnestie in die Gesellschaft zurückzukehren und dem Staat eine neue Chance zu geben, seine Rechtssache ordentlich zu behandeln
  • Von Luther selbst aber bekam Kohlhaas keine religiöse Vergebung

Weiter lernen mit SchulLV-PLUS!

monatlich kündbarSchulLV-PLUS-Vorteile im ÜberblickDu hast bereits einen Account?