Gesellschaft und Andersartigkeit
Darstellung der Gesellschaft und Institutionen im Werk
- Im Werk treffen wir auf eine für die NS-Zeit typische Gesellschaft, welche in einer Zustimmungsdiktatur lebt. Die Nebenfiguren tragen recht wenig individualistische Züge, sondern sind untereinander austauschbar. Die Familienmitglieder von Pilenz treten namenlos auf und werden auf ihre Rolle als (Haus-)Frau reduziert. Es bestehen typisch patriarchale Strukturen innerhalb der Gesellschaft. Mahlke tritt den beiden Frauen aus seiner Familie autoritär und bestimmend entgegen.
- Das Militärische hat eine hohe Gewichtung und es wird sehr hoch angesehen, wenn man bspw. über militärisches Wissen verfügt (S. 117).
- Im Werk Katz und Maus wird gesellschaftliches Versagen auf unterschiedliche Weise dargestellt.
- Die Vaterrolle ist in den dargestellten Familie wenig bis fast gar nicht vorhanden. Man könnte beinahe meinen, dass die Eltern ihren Aufgaben nicht gerecht werden. Das ist auch der Grund, weshalb die Jungen zu den erfolgreichen Kriegshelden, die ihre ehemalige Schule besuchen, aufsehen und diese bewundern.
- Weiterhin kann die Gesellschaft nicht mit der Andersartigkeit des Einzelnen umgehen, was fatale Folgen für das Selbstbild des außenstehenden Einzelnen haben kann. Hier findet sich wiederum der nationalsozialistische Gedanke einer Volksgemeinschaft wieder. Das Ideal des Regimes war es, eine Einheit des deutschen Volkes zu erreichen, indem man eine Andersartigkeit des Einzelnen vermeidet. Eigenständige gesellschaftliche Nischen wurden durch harte Reglementierungen aufgelöst.
- Außerdem kritisiert Grass indirekt die unreflektierte Hinnahme der Ideologie, welche durch die Politik, das Militär und die Kirche propagiert wird.
- Keiner der Lehrer macht Anstalten bzw. traut sich kriegskritisch zu denken. Ganz im Gegenteil, denn die Lehrer agieren und unterrichten autoritär und streng. Sie übernehmen nationalsozialistische Werte wie Gehorsam und lehren diese ihren Schülern. Der Sportlehrer sanktioniert mit Strafen und verbreitet Angst unter den Schülern.
- Weiterhin setzt die Institution Schule die Vorträge der Kriegshelden zum Zwecke einer Art Propaganda ein. Der Krieg wird beschönigt und verherrlicht. Dies wird auch sprachlich durch den Einsatz vermehrter Stilmittel ersichtlich (S. 70-72).
Mahlke und seine Rolle als Außenseiter im Werk
- Mahlke fungiert als ein gesellschaftlicher Außenseiter.
- Andersartigkeit wird jedoch nicht geduldet. Mahlke musste bspw. aufgrund seiner täglichen Kirchengänge das Jungvolk verlassen.
- Mahlke verkörpert falsche Ideale und Ziele. Er bemüht sich, sich in die Gesellschaft zu integrieren, was ihm jedoch nicht gelingt. Dies ist aber nur seine Teilschuld. Es ist die falsch orientierte Gesellschaft, die ihn einzig und allein zu einem Helden im Sinne des Krieges machen, was jedoch nicht zu seinem Wohlbefinden beiträgt.
- Heutzutage ist es fraglich, inwiefern ein Soldat, der im Krieg ausschließlich als eine Art Tötungsmaschine fungiert, ein wahrer Held sein kann. In der historischen Kontextualisierung machen erfolgreiche Kriegstaten einen Soldaten jedoch zweifelsohne zum Helden. Töten gilt als Anerkennung.
- Heldentum äußert sich im Werk ausschließlich im Vernichten anderer Leben, doch die entscheidende Anerkennung wird Mahlke dennoch verwehrt.
- Mahlke hat sein eigenes Ziel und seinen Lebenssinn völlig aus den Augen verloren. Sein Untergang scheint selbst verschuldet, da er sich am Ende durch seine Flucht aktiv und selbst isoliert. Zuvor kann man jedoch von einem massiven Druck auf die Jugendlichen im Dritten Reich sprechen.