Venus
Venus stellt in Das Marmorbild die zweite Frauenfigur neben Bianka dar, von der sich Florio ebenfalls angezogen fühlt
Infos zur Person
- Mythologie: Venus ist die römische Göttin der Fruchtbarkeit, Liebe und Sexualität
- Sage: Laut der, in Das Marmorbild dargestellten Legende, erwacht der ruhelose Geist der Venus und kehrt immer im Frühling zurück in ihren Tempel und verführt junge Männer. Venus stellt eine Art Liebesfalle für unerfahrene Männer dar, obwohl sie letztendlich nur in deren Einbildung existiert
- Venus kommt in der Märchennovelle als Marmorstatue vor und wird als „hohe schlanke Dame von wundersamer Schönheit“ (Abschn. 2, Z. 98 f.) beschrieben
Charakter
- Heidnisch: Venus wird auch mit der griechischen Göttin Aphrodite verglichen, die ebenfalls für Schönheit und Fruchtbarkeit steht, gleichzeitig allerdings in der christlichen Überlieferung auch als heidnische, verführerische Frauenfigur gilt. Ihre erotische Art zeigt sich zum Beispiel darin, dass sie ihr Kleid „bald enthüllend, bald lose verbergend“ (Abschn. 4, Z. 90 f.) drapiert. Auch, dass sie Florio unter allen verfügbaren Zimmer im Schloss ins Schlafgemach führt (Abschn. 4, Z. 86 f.), verstärkt ihren reizvollen Charakter noch zusätzlich und ruft in Florio ein Verlangen hervor, wie seine „flammenden Augen“ (Abschn. 4, Z. 92) deutlich zeigen
- Lebendig vs. tot: Die Lebendigkeit Venus' variiert je nach Florios eigenem Geisteszustand. So erscheint Venus Florio im Traumzustand in menschlicher Gestalt, sieht ihn mit „seelenvollen Augen“ (Abschn. 1, Z. 380) an und Florio vermag sogar ihr „duftendes Lockengeflecht“ (Abschn. 4, Z. 71) zu riechen. Im klaren Wachzustand hingegen wirkt die Figur Venus nicht länger lebendig, sondern wie die Marmorstatue, die sie ist. Ihr Gesicht ist plötzlich „fürchterlich weiß“ (Abschn. 1, Z. 386) und sie erscheint ihm „fast schreckhaft mit den steinernen Augenhöhlen“ (Abschn. 1, Z. 387)
- Ambivalent: Abgesehen von dem, im vorhergehenden beschriebenen Wechsel zwischen lebendiger und nicht-lebendiger Darstellung Venus', weichen auch die Beschreibungen ihres Äußeren voneinander ab. Während Florio Venus im Schlossgarten einmal mit „langen, goldenen Haaren“ (Abschn. 2, Z. 102) sieht, erscheint sie ihm bei einem weiteren Aufeinandertreffen abermals in ihrem Schlossgarten mit einem „dunkeln duftenden Lockengeflecht“ (Abschn. 4, Z. 71)
- Unheimlich: Immer dann, wenn Florio die Figur Venus bei klarem Bewusstsein betrachtet, „erfasste ihn ein tödliches Grauen“ (Abschn. 4, Z. 180) und im Anschluss quälen ihn die „seltsamsten Träume“ (Abschn. 1, Z. 400). Dieses unwohle Gefühl lässt Rückschlüsse auf die dunkle Macht und die damit verbundene Absicht der Marmorstatue zu
- Mächtig: Florios Gedankenwelt ist nicht das Einzige, über das Venus herrscht. Sie ist außerdem „die [...] Herrin des Palastes“ (Abschn. 4, Z. 48), in welchem sie den Protagonisten willkommen heißt und sie wird vom Erzähler als „anmutige Gebieterin“ (Abschn. 4, Z. 54) und „schöne Führerin“ (Abschn. 4, Z. 88) in Szene gesetzt