Gesellschaftskritik
Zwar achtet Fontane trotz Realismus darauf, die aktuelle Zeit kunstvoll darzustellen und widrige Umstände außen vor zu lassen. Das Werk Irrungen, Wirrungen kann allerdings trotzdem als Gesellschaftskritik aufgefasst werden, auch wenn diese eher zwischen den Zeilen deutlich wird.
Veraltete Moralvorstellungen
- Fontane stellt dar, dass in der damaligen Zeit eine Liebe über Standesgrenzen hinweg als tugendlos galt
- Lene und Botho können sich nicht gemeinsam in der Öffentlichkeit als Paar zeigen
- Eine standesgemäße Beziehung wird höher gewichtet, als in der Beziehung glücklich zu sein
- Außerdem zeigt Fontane auf, dass voreheliche Beziehungen verpönt waren, z.B. an Frau Dörrs Vorgeschichte oder an den Lästereien über Lene bei ihrer Hochzeit
- Uneheliche Verhältnisse wurden sogar als Hurengeschichten bezeichnet, wie man an der Kritik an dem Werk sieht
- Gleichzeitig macht Fontane im Roman seine Meinung deutlich, dass er diese Moralvorstellung als veraltet ansieht; so lässt er sowohl Herr Dörr als auch Gideon Franke ihre Frauen trotzdem heiraten
- In einem Brief an seinen Sohn Theodor vom 8.9.1887 stellt Fontane unmissverständlich klar, dass nur in der Ehe ewige Treue gehalten werden muss. Wer noch keine Ehe eingegangen ist, soll seiner Meinung nach als freier Mensch tun können, was er möchte
Oberflächlichkeit des Adels
- Fontane zeigt in seinem Roman auf, dass sich der Adel trotz Aufstreben des Bürgertums noch immer für etwas Besseres hält
- Gleichzeitig lebt der Adel anders als das Bürgertum ein rein oberflächliches Leben
- Es geht nur um militärische Ränge, um Besitztümer, um standesgemäße Ehen und das Sich-gut-Darstellen
- Käthe beispielsweise als angesehene Adlige redet nur über belanglose Dinge; mit ihr kann Botho anders als mit Lene kein einziges, ernstes Gespräch führen
- Botho selbst karikiert die sinnlosen Plauderrunden, die in seinen Kreisen stattfinden, in denen es nur um die Art zu reden geht
- Außerdem stellt Fontane Botho als oberflächlich dar, wenn er ihn seinen luxuriösen Lebensstil wichtiger bewerten lässt, als für die Liebe mit Lene auf Vermögen zu verzichten
- Der Adel scheint ein Leben der puren Selbstinszenierung zu führen