Patriarchale Welt
Ein weiteres wichtiges Thema in den Werken von Euripides ist die soziale Stellung der Frau in der patriachalen Welt.
Das antike, griechische Frauenbild
- Frauen existierten genaugenommen nur als Töchter, Schwestern oder Ehefrauen, nicht als Bürgerinnen
- Ihnen wurde keine schulische Bildung zuteil; sie waren nicht rechtsmündig
- Die Frau kümmert sich um das Wohl des Mannes, den Haushalt und die Geburt und Erziehung der Kinder; sie war eine Art Skalvin
- Der Mann hat die Macht über die Familie, er trifft die Entscheidungen
- Nicht verheiratete Frauen, meist aus unteren Klassen, waren Nebenfrau, Geliebte oder Prostituierte für verheiratete Männer
- Der Mann konnte die Ehefrau einfach verlassen und die Kinder mitnehmen, die Frau war nach der Scheidung ruiniert
Medea als selbstbestimmte Frau im Konflikt mit ihrem Umfeld
- Medea war als Kolchische Königstochter eine stolze, selbstbestimmte und intelligente Frau
- Das griechische Frauenbild war ihr fremd, wodurch sie sich nicht in Korinth einleben konnte
- Sie begehrte stets gegen die männliche Dominanz auf und pochte auf ein gleichberechtigtes Miteinander, sowohl in der Ehe als auch gegenüber König Kreon
- Dem Chor klagte Medea im 1. Aufzug ihr Leid, dass Frauen in der Ehe Sklavinnen sind und nach einer Scheidung wertlos
- Gegenüber Kreon beschwerte sie sich darüber, dass sie als kluge, heilkundige Frau verhasst war
- Ihrem Schicksal samt Verbannung wollte sich die starke Frau nicht einfach ergeben; sie wollte kämpfen und fürchtete keine Strafe
- Ihr Hass auf Jason wuchs noch mehr, weil er sie wie ein Kind behandelte und ihr vormachen wollte, dass er zum Wohle der Familie gehandelt habe
- Medea wies darauf hin, dass sie als Frau wertvoll ist; Jason wäre ohne sie verloren gewesen, nicht sie ohne ihn
- Dass Jason sich als Erretter Medeas darstellte, spiegelt seine patriarchale Einstellung wider; ihm geht es nur um Ruhm
- Mit ihrem Racheplan holte sich Medea ihre Macht zurück und stellte sich als Frau über Jason; indem sie ihm die Kinder nahm und ihm jeglichen Abschied verwehrte, war er unterlegen, bezeichnete sie sogar als „Löwin“ (Ausz., Z. 51)