Franz Huchel
Bei Franz Huchel handelt es sich um den Protagonisten in Der Trafikant und um einen jungen, heranwachsenden Mann und Trafikantenlehrling, der auf der Suche nach der Liebe und sich selbst ist.
Infos zur Person
- Franz Huchel ist zum Beginn der Handlung „siebzehn Jahre alt“ (S. 15, Z. 12), als er von seiner Mutter für eine Ausbildung beim Trafikanten Otto Trsnjek nach Wien geschickt wird
- Bis zu seinem 17. Lebensjahr verbringt der Protagonist sein Leben in seinem Geburtsort „Nußdorf am Attersee“ (S. 7, Z. 8)
- Seinen Vater lernte Franz nie kennen, da dieser bereits vor seiner Geburt verstarb. Den Namen des Vaters erfährt man nicht nur, dass er ein Waldarbeiter aus „Bad Goisern“ (S. 172, Z. 21) war, welcher „von einer morschen Stieleiche erschlagen worden war“ (S. 172, Z. 23)
- Als einziges Kind führt er eine ehrliche, aber innige Beziehung zu seiner Mutter, mit welcher er auch nach seinem Fortgang nach Wien mit „eine[r] Karte pro Woche“ (S. 33, Z. 20) den Kontakt aufrecht erhält
Charakter
- Behütet: Aufgewachsen in der Obhut seiner Mutter, die stets für ihren Sohn da war, wenn er sie brauchte, verbringt Franz trotz der Abwesenheit seines Vaters eine idyllische Kindheit. Seine Jugend verbringt der Protagonist damit, „von früh bis spät durch den Walt [zu] spazieren [...] oder bei schlechtem Wetter einfach im Bett liegen [zu] bleiben“ (S. 12, Z. 4 ff.). Entsprechend fühlt sich das Ankommen im Arbeitsalltag eines Trafikanten für den jungen Mann an wie ein Sprung ins kalte Wasser. Abgeschieden vom regen Treiben der Großstadt wuchs die Hauptfigur in ländlicher Idylle auf und zum Zeitpunkt seiner Abreise war er „erst zweimal in seinem Leben“ (S. 17, Z. 9 f.) außerhalb des Salzkammerguts gewesen
- Hilfsbereit: Obwohl ihn seine Mutter in gewissen Punkten verzogen hatte, gab sie ihrem Sohn dennoch die Fähigkeit zum empathischen Handeln und damit verbundener Hilfsbereitschaft mit. Bereits am Anfang des Romans wird deutlich, dass Franz selbstlose Charaktereigenschaften besitzt und grundsätzlich ein aufmerksamer Mitmensch ist. Als er dem Professor Freud das erste Mal begegnet, bemerkt er, dass der Psychologe seine „graue Kopfbedeckung“ (S. 40, Z. 28) vergessen hat. Daraufhin macht sich Huchel auf die Suche nach Freud und hilft ihm anschließend wie selbstverständlich beim Tragen von Freuds Einkäufen (vgl. S. 41)
- Unerfahren: Da Franz den Großteil seines bisherigen Lebens in dörflicher Abgeschiedenheit verbracht hat, ist er jungfräulich, was den Umgang mit Menschen, insbesondere mit Frauen angeht. Entsprechend saugt er die Ratschläge des alten Professors Sigmund Freud auf wie ein trockener Schwamm. Die Empfehlung des Psychoanalytikers, sich ein Mädchen zu suchen (vgl. 43, Z. 29 f.) nimmt der Protagonist dankend an. Doch auch im Hinblick auf Diskriminierung umgibt Franz eine nahezu naive, aber vor allem gutherzige Aura. So kann er etwa nicht nachvollziehen, weshalb die Nationalsozialisten gegen die Juden hetzen
- Weich: Der junge Mann ist emotional und scheut sich auch nicht, diese Gefühle in aller Öffentlichkeit zu zeigen. So bricht er beispielsweise in der „Märchengrottenbahn“ (S. 49, Z. 10) in Tränen aus, als ihn das Heimweh nach seiner geliebten Mutter und seiner Heimat überkommen. Auch fällt es der Hauptfigur nicht schwer, über seine Gefühle zu sprechen. So gibt er gegenüber seinem Arbeitgeber Otto ohne Umschweife zu, sich in die Böhmin Anezka verliebt zu haben (vgl. S. 68, Z. 6 f.)
- Begeisterungsfähig: Die leidenschaftliche Art des Protagonisten, Traurigkeit und Verzweiflung mit allen Sinnen zu erleben, bedeutet auf der anderen Seite auch, dass er die emotionalen Gipfelstürme des Lebens gleichermaßen genießt. Bereits beim ersten Anblick Anezkas ist Franz hingerissen vom rosigen und „runden“ (S. 57, Z, 7) Äußeren der jungen Frau. Auch von der ersten Begegnung und Unterhaltung mit dem Professor erzählt Huchel seiner Mutter in einem Brief voller Enthusiasmus (vgl. S. 46)
- Voller Tatendrang: Nicht mehr als eine Woche lässt Franz zwischen dem Ratschlag Sigmund Freuds, sich ein Mädchen zu suchen und dem Umsetzen in die Tat vergehen. So begibt sich der Protagonist bereits am „nächsten Samstag“ (S. 47, Z. 6) auf zum „Wiener Prater“ (S. 47, Z. 19) und nimmt damit sein Glück selbst in die Hand, anstatt auf die große Liebe zu warten
- Leidenschaftlich: Nachdem Franz einmal die Versuchung der körperlichen Liebe gekostet hat, kann er nicht mehr genug davon bekommen. Außerdem widmet er neben der Liebesbeziehung zur Tänzerin Anezka auch sein Herzblut der Arbeit als Trafikant und liest täglich die Zeitschrift, um über das Weltgeschehen informiert zu bleiben. Darüber hinaus sollte auch erwähnt werden, mit welcher Selbstverständlichkeit der junge angehende Trafikant als Lehrling den Laden seines verstorbenen Arbeitgebers übernimmt
- Mutig: Obwohl Franz im Laufe seiner Zeit in Wien sukzessive über die Judenfeindlichkeit der Regierung und Nationalsozialisten lernt, hält ihn dies nicht davon ab, weiterhin seinen guten Freund und Juden Sigmund Freud zu besuchen. Um den Psychoanalytiker weiterhin zu sehen, findet er etwa einen Schleichweg durch dessen Hintertür, um sich von Freud zu verabschieden, bevor dieser nach London ins Exil flüchtet