Lerninhalte in Deutsch
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Basiswissen
Inhaltsverzeichnis

Erzählweise

Perspektive

  • Die Novelle wird von unserem Protagonisten Taugenichts aus der Ich-Perspektive erzählt, was zur Folge hat, dass der Autor als Meinungsvertreter in den Hintergrund rückt
  • Die Verschmelzung von Erzähler und Protagonist führt dazu, dass man als Leser automatisch die Sichtweise der Erzählfigur annimmt, da es nicht zu einem Perspektivenwechsel kommt
  • Doch auch wenn durch Taugenichts als Erzähler eine subjektive Sicht auf das Geschehen vermittelt wird, manipuliert er den Leser nicht. Stattdessen wird Taugenichts selbst im Zuge der Erzählweise in Szene und die gegebenen Umstände gesetzt, zwischen denen der Leser wiederum die Zusammenhänge herstellen soll
  • Der Erzähler befindet sich den gesamten Handlungsverlauf über auf demselben Wissensstand wie der Leser und hat ihm somit nichts voraus. So gibt der Erzähler zum Beispiel gleich zu Beginn der Novelle zu, dass er sich nicht mehr genau an alles erinnert und das Erzählte bereits schon eine geraume Weile zurückliegen würde
  • Unmittelbarkeit: Das Erzählte und der Erzähler sind miteinander verbunden, was unweigerlich dazu führt, dass der Erzähler sich nicht oder nur schwer differenziert und reflektiert gegenüber dem Handlungsgeschehen positionieren kann

Tempus

  • Die Vergangenheitsform Präteritum dominiert in der Novelle, wobei auch zwischendurch immer wieder Präsens verwendet wird. Insbesondere die Präsenzform schafft noch mehr Nähe zwischen unserem, gleichzeitig als Ich-Erzähler und Protagonisten fungierenden Taugenichts
  • Die Handlung in Aus dem Leben eines Taugenichts erstreckt sich über ein knappes Jahr, angefangen am Winterende, beziehungsweise Frühlingsanfang bis hin zum späten Herbst
  • Im Zuge der Novelle sind die einzelnen Tage und Zeiträume nicht klar gekennzeichnet, sodass wir uns eher an den Jahreszeiten orientieren müssen, die aufgrund der zahlreichen Naturbeschreibungen besser nachzuvollziehen sind
  • Tageszeiten erwähnt Eichendorff in dem Werk regelmäßig, wobei zu beobachten ist, wie die Tageszeiten Taugenichts‘ jeweiligen Seelenzustände widerspiegeln. So befindet sich unser Protagonist morgens immer in einer ausgesprochen guten Stimmung, während mit dem Einbruch der Nacht auch sein Unbehagen steigt. Außerdem beginnen neue Kapitel signifikant häufig mit dem Anbruch eines neuen Tages, was symbolisch für einen Neuanfang und mit einem frischen Start gleichzusetzen ist

Stil

  • Naturverbunden: Anhand von Vergleichen, die sich dominierend auf Tiere oder Pflanzen beziehen, erstellt der Erzähler seine eigenen Metaphern. So offenbart er etwa mit dem Wunsch, wie ein Vogel fliegen zu können, die Sehnsucht nach Freiheit. Auch findet Taugenichts insbesondere in der Natur Schönheit und Harmonie, die er abgesehen von seiner geliebten Aurelie, weniger in der Begegnung mit Menschen erfährt
  • Naiv: Der Erzähler bzw. Taugenichts verwendet keineswegs eine triviale, jedoch eine einfache Sprache, deren naiven Charakter er in der Verwendung von Diminutiven und Tiervergleichen unterstreicht und die gleichzeitig die Einfachheit seines Charakters zeigt
  • Poetisch: Typisch für die Romantiker und auch für Eichendorff selbst ist die poetisierende Sprache und Umschreibung von alledem, was den Erzähler umgibt. Hierbei beschreibt der Erzähler nicht die reale Landschaft, sondern spiegelt eine poetische Auffassung der Landschaft wider. Er projiziert also seine inneren Empfindungen auf die tatsächlich existente Umgebung und schafft auf diese Art und Weise eine Bildhaftigkeit, die das Beschriebene greifbarer und bildhafter darstellt. Ein weiterer Zug der Poesie lässt sich in der Rolle der Musik wiederfinden, die sowohl in Taugenichts‘ Leben als auch im Leben zahlreicher anderer Romantiker in der Novelle (Prager Studenten, Aurelie, junger Student im Schloss) vordergründig ist
  • Romantisch: In der Novelle scheut sich der Erzähler nicht davor, jeglichen Gefühlsregungen, ob negativen oder positiven Ursprungs, freien Lauf zu lassen. Auch strebt er nach Freiheit, weshalb er keineswegs traurig über den Aufbruch in die weite Welt ist. Zu guter Letzt vertritt Taugenichts die idealistischen Werte der Romantik: Der Rückbezug zur Natur, die Flucht aus dem bürgerlichen Leben, die Voranstellung des Individuums, die Verbundenheit zur Heimat, die Nacht als mysteriöser sowie geheimnisvoller Ort
  • Ironisch: Bei aller blauäugigen Naivität, die der Erzähler auszustrahlen scheint, sollten wir jedoch das ironische Stilelement der Sprache in Aus dem Leben eines Taugenichts nicht unberücksichtigt lassen. Letzteres wird zwar subtil eingesetzt, jedoch nicht ohne Hintergedanken. So spielen beispielsweise die Diminutive „Häuschen“ und „Gärtchen“ auf die spießbürgerlichen Werte der Philister an. Auch der Schlaf, der als bürgerlich gilt, wird nur in Verbindung mit der Natur als positiv gewertet, abgesehen davon schadet er Taugenichts eher: Während er schläft, wird das Geld in seinem Portemonnaie immer weniger
  • Märchenhaft: Durch die frequentiert auftauchenden Lied-Passagen, die durchweg unerschütterliche Zuversicht des Protagonisten und das Lenken auf die schönen Seiten sowie das damit einhergehende Ablenken von allem Unschönen, wird der Novelle ein märchenhafter Charakter verliehen

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