Szene 11 - 15
11. Szene
- Andres und Woyzeck haben an einem Sonntag bei schönem Wetter Wachdienst
- Aus zwei Lokalen vor der Stadt klingen Tanz und Musik zu den beiden Soldaten herüber
- Während Andres gut gelaunt ist und zur herüberklingenden Musik singt, lässt es Woyzeck keine Ruhe
- Er muss zur Musik und verlässt seinen Posten beim Wachdienst
12. Szene
- Woyzeck kommt zu einem Wirtshaus, in dem bei offenen Fenstern getanzt wird
- Vor dem Wirtshaus unterhalten sich zwei Handwerksburschen
- Einer von ihnen predigt ironisch über die Bestimmung des Menschen und die Vollkommenheit der Welt
- Als Woyzeck durch das offene Fenster blickt, sieht er Marie und den Tambourmajor vorbeitanzen
- Die beiden bemerken ihn jedoch nicht
- Woyzeck ist fassungslos über die in aller Öffentlichkeit zur Schau gestellten Unzucht seiner Geliebten
- Sinkt erschrocken auf eine Bank
- Körperlich geschwächt von Erbsendiät und Entdeckung der Untreue Maries
- Währenddessen predigt einer der Handwerksburschen weiterhin ironisch darüber, wie planvoll Gott jedem Menschen seine Bestimmung zugedacht hat und wie vergänglich alles Irdische ist
13. Szene
- Woyzeck befindet sich nun auf einem freien Feld und führt höchst aufgebracht ein Selbstgespräch
- Die Musik, der Tanz und Maries Stimme klingen ihm noch in den Ohren und scheinen ihn noch weiter zu erregen
- Seine Halluzinationen setzen wieder ein und er hört Stimmen aus dem Wind und dem Boden, die ihn auffordern, Marie zu erstechen
- Vorausdeutung auf Maries Tod
- Woyzeck scheint nun nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein und lässt sich von den Stimmen und Halluzinationen leiten
14. Szene
- Andres und Woyzeck teilen sich in der Nacht ein Bett
- Woyzeck weckt Andres, da ihn seine Halluzinationen noch immer verfolgen
- Hört noch immer die Musik, den Tanz und Maries Stimme
- Stimmen reden noch immer aus der Wand auf ihn ein
- Andres geht nicht auf Woyzecks nächtliche Verwirrung ein und möchte weiterschlafen
- Woyzeck erzählt Andres von einem Schmerz zwischen den Augen, der sich anfühlt, wie der Stich mit einem Messer
- Andres hält das ganze für eine Fieberfantasie
- Rät Woyzeck, die Krankheit mit Schnaps und einem fiebersenkenden Pulver zu bekämpfen
- Andres scheint Angst vor Woyzecks Halluzinationen zu haben und möchte seinen Kameraden zum Weiterschlafen bewegen, um sich nicht weiter mit Woyzecks Halluzinationen beschäftigen zu müssen
15. Szene
- Tambourmajor brüstet sich betrunken im Wirtshaus mit seiner Männlichkeit
- Als Woyzeck den Raum betritt will er ihn auf rüde Art zum Trinken animieren
- Als Woyzeck auf die Einladung jedoch nicht eingeht, ringt der Tambourmajor ihn zu Boden und demütigt ihn mit Worten
- Woyzeck sitzt beschämt, zitternd und blutend auf einer Bank und muss die Gehässigkeit der anderen Leute ertragen
- Der arme Soldat fühlt sich gedemütigt und seiner Würde und Männlichkeit beraubt
- Tambourmajor hat ihm nicht nur seine Geliebte, sondern auch sein letztes bisschen Würde geraubt
- Kocht vor Wut
- Will es allen heimzahlen, die ihn gedemütigt haben
- Woyzeck nimmt sich in seiner rasenden Wut vor, „eins nach dem andern“ (Sz. 15, Z. 22) zu erledigen
Funktion
- Handlung erreicht ihren Höhepunkt, als Woyzeck Maries Untreue aufdeckt und sich anschließend mit dem Tambourmajor prügelt
- Woyzecks Eifersucht bestätigt sich
- Körperliche Schwäche wird durch Erbsendiät immer größer
- Halluzinationen nehmen zu und bestimmen über Woyzecks Handlung
- Woyzeck wird psychisch immer labiler durch Demütigung
- Wendepunkt der Handlung
- Aus- und Fortgang der Handlung scheint schon hier entschieden
- Stimmen haben in Woyzecks Kopf Entscheidung schon gefällt
- Demütigung durch Tambourmajor als letzer „Tropfen“, der das Fass bei Woyzeck zum Überlaufen bringt