Stilmittel
Im Folgenden werden beispielhafte rhetorische Mittel aus das Leben des Galilei analysiert, wobei das Drama eine überdurchschnittlich hohe Anzahl dieser Stilfiguren aufweist.
- Anapher: „Um die Gewichtigen der Minderen
Um die Vorderen die Hinteren“ (S. 94, Z. 26f)Wiederholung eines Wortes oder eines Satzes zu Beginn des jeweiligen Textabschnitts. Diese rhetorische Figur dient der Strukturierung und Rhythmisierung des Textes.
- Apokope: „Die Sonn steht still, die Erd kommt von der Stell.“ (S. 7, Z. 7)
Weglassen des letzten Buchstabens oder der letzten Silbe eines Wortes. Die Dynamik sowie der Klang der Sprache verändert, beziehungsweise beeinflusst das Metrum.
- Apostrophe: „[...] Eure Heiligkeit [...]“ (S. 105, Z. 8), „Das, ihr guten Leute, ist die große Ordnung [...]“ (S. 95, Z. 9)
Es handelt sich hierbei um eine feierliche Anrede an eine physisch oder mental anwesende Person. Die Apostrophe stellt ein typisches Element der wörtlichen Rede im Theater dar und wird gerne eingesetzt, um längeren Textpassagen wie etwa einem Monolog Lebendigkeit zu verleihen.
- Epanalepse: „Umgekehrt, mein Guter, umgekehrt“ (S. 65, Z. 22)
Ein Wort oder eine Wortgruppe wiederholt sich innerhalb eines Satzes oder Verses. In der Regel liegt mindestens ein Wort zwischen den wiederholten Wörtern oder Wortgruppen.
- Exclamatio: (sehr laut): „Nein, nein, nein!“ (S. 105, Z. 7), (aufschreiend): „Das werden sie nicht wagen!“ (S. 110, Z. 7)
Emotionaler, gefühlsbetonter Ausruf der direkten Rede. Dieses Stilmittel lässt sich besonders häufig in Dramentexten finden und intendiert eine emotionale Reaktion und Wirkung seitens des Publikums.
- Interjektion: „Ach das!“ (S. 89, Z. 20), „Oh, Eure Eminenz“ (S. 71, Z. 22), „Oho !“ (S. 50, Z. 3)
Hierbei liegt ein Empfindungswort vor, welches die Sinneshaltung des Sprechers reflektiert. Meist wird dieses Wort zur Kontaktaufnahme oder- ablehnung verwendet, jedoch ist die spezifische Bedeutung kontextabhängig und situationsbedingt.
- Kreuzreim: „Zwei Hausfraun stehn am Fischmarkt draus
Und wissen nicht aus noch ein:
Das Fischweib zieht ein‘ Brotkipf raus
Und frißt den Fisch allein!“ (S. 96, Z. 11ff)Jeder zweite Vers reimt sich aufeinander. Die Sätze stehen sich also einander über Kreuz gegenüber und das Reimschema lautet demzufolge a-b-a-b.
- Metapher: „Schließlich ist der Mann der größte Physiker dieser Zeit, das Licht Italiens [...]“ (S. 107, Z. 30f)
Zwei thematische Bereiche, die eigentlich nicht zusammengehören, werden sprachlich miteinander vereint. Ziel ist es im Beispiel, dass Galileos Bedeutung als einflussreicher Physiker hervorgehoben wird und durch die Heranziehung der italienischen Schönheit ein Bild im Kopf des Lesers entsteht. Die Assoziation mit dem Bild hinterlässt wiederum einen einprägsameren Eindruck als der schlichte Fakt, dass Galilei ein angesehener Wissenschaftler ist.
- Rhetorische Frage: „Warum nicht?“ (S. 107, Z. 24)
Diese Art von Frage hebt sich von einer gewöhnlichen Frage ab, indem sie keine Antwort verlangt. Vielmehr setzt das Stellen einer rhetorischen Frage voraus, dass die Antwort offensichtlich ist. Die Hauptintention dieser Stilfigur ist es, eine beurteilende Position einzunehmen und eine Beeinflussung des Publikums zu erzielen. Bezogen auf das vorliegende Beispiel stellt der Inquisitor dem Papst diese Frage, um diesen noch weiter zu verunsichern.
- Parallelismus: „Das Alte sagt: So wie ich bin, bin ich seit je.
Das Neue sagt: Bist du nicht gut, dann geh.“ (S. 40, Z. 5f)Dieses Stilmittel beinhaltet denselben syntaktischen Aufbau am Anfang mehrerer Sätze, wobei sie sich in ihrer inhaltlichen Bedeutung auch voneinander unterscheiden können. Anhand des vorliegenden Beispiels wird etwa Altes Neuem gegenüber gestellt.