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Trauma

Bei der Interpretation von Der Verlorene fällt auf, dass vor allem die Mutter den Verlust ihres Sohnes und ihre Vergangenheit nicht verarbeiten konnte. Sie leidet auch mehr als zehn Jahren nach der Flucht und dem Verlust sehr. Daher sind das Thema der Traumata und der posttraumatischen Belastungsstörung wichtig bei der Analyse.

Was ist ein Trauma?

  • Ein Trauma ist eine Verletzung der Seele bzw. eine extreme psychische Erschütterung
  • Hervorgerufen werden Traumata durch außergewöhnlich schwer belastende Erlebnisse wie Katastrophen, Unfälle, Gewalttaten, Krieg und Terror
  • Die Situationen sind gekennzeichnet durch die Konfrontation mit dem Tod, Todesbedrohung oder die Bedrohung der eigenen physischen Integrität
  • Der Mensch reagiert darauf zunächst mit Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen

Posttraumatische Belastungsstörung

  • Wer ein Trauma nicht verarbeiten und loslassen kann, entwickelt eine posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS
  • Die zunächst gesunde, aufs Überleben ausgerichtete Schockreaktion manifestiert sich auch nach der eigentlichen Schocksituation weiter
  • PTBS löst meist erst Monate oder Jahre später seelische und körperliche Symptome aus
  • Es kommt zu sogenanntem Wiedererleben durch Albträume, Flashbacks oder zwanghaftes, wiederholtes Erinnern
  • Die Schmerzen des damals Erlebten werden durch ähnliche Situationen oder durch Gerüche und Töne getriggert
  • Wichtige Aspekte werden aus der Erinnerung verdrängt
  • Aus Angst kommt es zur zwanghaften Vermeidung ähnlicher Situationen oder möglicher Auslösereize bis hin zum kompletten Rückzug
  • PTBS-Patienten entwickeln eine Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Passivität
  • Ungeduld und extreme Reizbarkeit treten auf
  • Schuld- und Schamgefühle bis hin zu Selbsthass werden entwickelt
  • Das Vertrauen ins Leben und in die Menschen wurde zerstört, was zu Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, Nervosität und Unsicherheit führt
  • Weil das Selbst- und Weltbild erschüttert wurde, wird die Bewältigung des Alltags zur Qual
  • Außerdem erschweren körperliche Symptome wie Herzrasen, Zittern, Übelkeit oder Atemnot den Alltag
  • Viele der Patienten haben Suizidgedanken

Krankheitsbild der Mutter

  • Zwanghaftes Erinnern durch das ständige Anschauen des Fotoalbums mit dem Porträt ihres verlorenen Sohnes
  • Verdrängen der Erinnerung an die Flucht durch Totschweigen des Themas
  • Wiedererleben der traumatischen Schmerzen, da die Anwesenheit des Erzählers die Mutter an das Fehlen ihres anderen Sohnes erinnert
  • Schon die bloße Erwähnung der Russen, z.B. bei Prof. Liebstedt (Vgl. S. 109), triggert bei der Mutter die schlimme Erinnerung an ihre Vergewaltigung
  • Vermeidung von Reisen, weil diese sie zu sehr an die Flucht erinnern
  • Gleichgültigkeit und emotionale Abgestumpftheit, vor allem gegenüber ihres Sohnes, den sie nicht lieben kann
  • Depressive Verstimmungen, wegen der sie sogar zeitweise in der Klinik behandelt wird
  • Wutanfall, als sie völlig unvermittelt das Geld für das neue Auto ins Feuer wirft (Vgl. S. 81)
  • Selbsthass und Selbstbestrafung, indem sie sich ein Art Schweigegelübde auferlegt nach den Schweinekopfessen oder indem sie sich die Heirat mit Herrn Rudolph verbietet, weil das zu viel Glück wäre
  • Bei der Erinnerung an das Trauma reagiert sie körperlich mit heftigem Zittern bis hin zum Schwächeanfall

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