Dritter Teil
35. Kapitel
- Grenouille reiste mit viel Selbstvertrauen und Eile; schlug diesmal keine Umwege ein
- Sein Ziel war Grasse, die Produktions- und Handelsmetropole für Düfte
- Ging zuerst ins Gerberviertel, weil er sich dort nicht wie ein Fremdling fühlt
- Später blieb er wie gefesselt vor einem Haus in der Rue Droite stehen; es roch mörderisch gut wie 1753 in der Rue des Marais in Paris
- Grenouille wurde heiß und kalt vor Wonne und Schrecken
- Er wollte den Duft des Mädchens nicht wie damals in sich hineinsaufen, sondern ihn sich durchdacht aneignen
- Grenouille erlaubte sich selbst nur einen Moment an der Mauer hinter dem Garten zu schnuppern; hielt sich dann zwei Jahre fern, bis der Duft fertig gereift war
- In der Zwischenzeit wollte er an einer perfekten Methode arbeiten
36. Kapitel
- Grenouille begann für wenig Geld bei Parfumeur-Witwe Arnulfi zu arbeiten
- Bei deren Gesellen Druot lernte er Methoden wie Mazeration für Duftpomenaden und Lavage zu Blütenölen
- Er beklagte sich nie über die anstrengende Arbeit
37. Kapitel
- Grenouille übte sich bei der Arbeit in Bescheidenheit und Tüchtigkeit
- Bald durfte er mehr und mehr alleine übernehmen; wurde in Enfleurage besser als Druot
- Druot hielt ihn für einen Trottel, weil Grenouille scheinbar nichts aus seinem Talent machen wollte
- Grenouilles Taktik ging auf
38. Kapitel
- Wenn er allein war, experimentierte Grenouille im Atelier
- Er erschuff sich verschiedene Düfte: Einen Unauffälligkeitsduft, einen Geschäftsmann-Duft, einen Mitleidsduft und ein Geruch, der Ekel hervorrief
- Grenouille übte sich in der Gewinnung von Düften aus leblosen Dingen, dann aus lebendigen wie einem Hund
- Er schaffte es, deren duftende Seele zu rauben
- Grenouille hatte nie zuvor und nie wieder so ein unschuldiges Glück verspürt
39. Kapitel
- Januar: Die Witwe heiratete Druot
- Etwa ein Jahr nach seiner Ankunft in Grasse ging Grenouille wieder zur Mauer
- Der Duft des Mädchens erfüllte ihn mit Glück; er ließ sich aber nicht hinreißen
- Er spürte eine Liebe für den Duft; fürchtete, ihn trotz Aneingung irgendwann einmal zu verlieren, was wie ein umgekehrtes Ersticken wäre
- Aber ihm erschien Besitz und Verlust besser, als aus Angst vor dem Verlust den Duft nie zu besitzen
- Er plante, ein Parfum aus dem Duft des Mädchens zu machen; brauchte exquisite andere Duftkomponenten
40. Kapitel
- Mai: Die Leiche eines Mädchens ohne Kleider und Haare wurde gefunden; mit dem Knüppel erschlagen
- Trotz allerlei Verdächtigungen gegen Hilfsarbeiter, Ausländer etc. wurde der Mörder nicht gefunden
- Kurz nach der Jasminernte gab es zwei weitere Opfer; diesmal Italienerinnen
- Danach wurde ein sardisches Wäscherweib ermordet
- Im Sommer verging keine Woche mehr ohne eine Mädchen-Leiche; keines davon vergewaltigt
- Nicht einmal Hunde konnten den Mörder wittern
- Die Menschen waren hilflos und ratlos
- Ende September: Nach einem Fluch-Spruch des Bischofs hörten die Morde auf; bis dahin gab es 24 Morde
- Nach ähnlichen, aber offensichtlich nachgestellten, Fällen in Grenoble wähnten sich die Bewohner in Sicherheit
41. Kapitel
- Der wohlhabende Witwer und zweite Konsul Antoine Richis blieb skeptisch
- Er hatte Angst um seine 16-jährige, rothaarige Tochter Laure
- Wohnte in stattlichem Anwesen in der Rue Droite
42. Kapitel
- März: Richis erkannte, dass der Mörder ein Sammler von Schönheit war
- Der Konsul hatte die Ahnung, dass seine Tochter der Schlussstein im Mosaik des Mörders werden sollte
- Er lag mit seinem Verdacht ziemlich nahe
- Nahm sich vor, sich nicht aufs Kreuz legen zu lassen
- Er liebte Laure und brauchte sie für seinen Plan, gesellschaftlich aufzusteigen
43. Kapitel
- Als Ablenkung für den Mörder fingierte Richis seinen Auszug aus Grasse samt Laure
- Er gab vor, mit ihr nach Grenoble zu gehen
- Insgeheim wollte er Laure auf den Lerinischen Inseln in einem Kloster in Sicherheit bringen und sie dann schnell verheiraten
- Mit einer pompösen Hochzeit mit Alphonse de Bouyon wollte Richis Laure für den Mörder wertlos machen
- Das Volk ahnte bei der Ausreise von Laure, dass es sie zum letzten Mal sehen würde
44. Kapitel
- Am selben Tag hatte Grenouille geplant, sich abends bei Richis ins Haus zu schleichen, um sich Laures Duft zu holen
- Er hatte die 24 Flakons mit den Düften der anderen Mädchen für das Parfum bereit
- Wollte Grasse drei Tage später als bestriechender Mensch verlassen
- Er spürte plötzlich, dass Laures Duft im Stadtduft fehlte
- Grenouille stand kurz wie gelähmt und mit Tränen in den Augen da
- Druot kam und berichtete zufällig von Richis Auszug
- Grenouille rannte los, witterte vor der Stadt Laures Duft wieder
- Er rannte zurück, holte seine Utensilien und folgte seiner Nase Richtung Süden
- Grenouille holte Richis und Laure ein, mietete sich in La Napoule in das Gasthaus ein und wartete
- Richis hielt ihn für einen harmlosen Gerbergesellen, von dem keine Gefahr ausgeht
45. Kapitel
- Grenouille wartete und modellierte bedächtig das befettete Leintuch
- Er war ausgeglichener und freudiger Stimmung
- Nachts schlüpfte er über eine Leiter in Laures Kammer
- Er erschlug sie mit zwei dumpfen Schlägen; den Ton hasste er
- Grenouille hüllte ihren Körper betriebsam ein, Schnitt ihre Haare ab
- Vom himmlischen Duft ließ er sich nicht ablenken; er würde ihn später genießen
- Sechs Stunden wartete er in der Dunkelheit, dass das Fett den Geruch aufnimmt
- Er sinnierte über seine Vergangenheit und sein Glück nach; dankte sich selbst für sein begnadetes Individuum: „Danke, dass du so bist, wie du bist!“ (S. 279)
46. Kapitel
- Vor Anbruch der Dämmerung schälte er das Fett ab
- Erst jetzt war Laure für ihn wirklich tot und verwelkt
- Ihren Körper zu sehen, interessierte ihn nicht
- Er packte Haare, Nachthemd und seine Utensilien ein und ging
- Richis erwachte um sieben Uhr heiter, ließ sich Zeit und fand Laure später tot in ihrem Zimmer; wie in seinem einstigen Albtraum
47. Kapitel
- Die Nachricht vom Mord weckte in Grasse die alte Angst
- Der Mörder erschien allen schlimmer als die Pest; alle glaubte, er habe ein Bund mit dem Teufel
- Erst jetzt gab es eine wirkliche Zusammenarbeit von Polizei und Regierung
- Suche nach einem hinkenden, kleinen, unscheinbaren Gerbergesellen
- Ein Mann der Stadtwache meldete sich einige Zeit später; er habe den Mann bei Druot wiedererkannt und sich an dessen Frage nach Richis Weg erinnert
- Eine Stunde später wurde Grenouille verhaftet; eine überwältigende Anzahl Beweise wurde in seinem Verschlag gefunden
48. Kapitel
- Die Menschen glaubten erst an die Verhaftung, als sie die Beweise sahen
- Das Volk wollte den Mörder am Fenster sehen; als Grenouille herantrat, verstummten alle fassungslos
- Dass „Dieses Würstchen, dieses armselige Häufchen Nichts“ (S. 288) die Morde begangen haben soll, schien verblüffend und irgendwie zugleich wahr
- Das Volk wollte Grenouille eigenhändig ermorden
- Er gestand im Prozess alle Morde; erklärte: „Ich habe sie gebraucht“ (S. 290)
- Nicht einmal unter Folter erklärte er, wofür er die Mädchen gebraucht hatte
- Die Richter hielten ihn für geisteskrank
- 15. April 1766: Das Urteil wurde gefällt; Grenouille sollte auf Cours geführt, an ein Kreuz gebunden, 12 mal geschlagen werden und auf den Tod warten
- Grenouille nahm das Urteil regungslos hin
- In seiner Haft schlief er nur; eine Beichte wollte er nicht ablegen
- Das Volk bereitete den „Tag der Befreiung“ (S. 294) wie einen Festtag vor
- Richis verkroch sich mit Laures Nachthemd und Haaren voller Schuldgefühle in deren Kammer; er wollte den Mörder erst am Kreuz sehen und dort Wache halten
49. Kapitel
- Die Hinrichtung war auf fünf Uhr angesetzt; schon gegen Mittag war es voll wie auf einem Jahrmarkt
- Zehntausende Menschen samt Adel waren da; Richis kam gegen vier ganz in Schwarz
- Bis Grenouille mit der Kutsche kam, herrschte zehn Minuten lang Stille
- Als Grenouille ausstieg, geschah ein Wunder
- Alle waren plötzlich vom Gefühl beherrscht, er könne nicht der Mörder sein; erschien ihnen wie die Unschuld in Person
- 10000 Menschen wurden schwach und erlagen einer kindischen Verliebtheit; sie weinten, stöhnten, fielen in Ohnmacht
- Der Bischof hielt ihn für einen Engel; das Volk sah Grenouille als vollkommenes Wesen
- Alle verfielen in Ekstase; Grenouille „hatte sie im erotischen Zentrum getroffen“ (S. 303)
- Die Hinrichtung endete in einer infernalischen Orgie
- Grenouille schaute mit hässlich, zynischem Grinsen zu; drückte seine Verachtung und Triumph damit aus
- Er hatte eine prometheische Tat vollbracht; war sein eigener Gott
- Er wollte, dass sie seinen Hass spüren und ein Mal auf seine wahre Exisztenz reagieren, doch sogar Richis fiel ihm in die Arme
- Wieder stieg in seinem Inneren der Nebel aus seiner Seele auf; hatte wieder Angst, zu ersticken
- Anders als in seiner Höhle, fand es dieses Mal im wahren Leben statt, in seinem verwirklichten Traum
- Er wünschte sich einen Dolchstoß als Befreiung oder wollte fliehen; wurde ohnmächtig
50. Kapitel
- Grenouille erwachte in Laures Bett
- Richis wollte ihn als Sohn aufnehmen, weil er Laure so ähnlich sei
- Grenouille stimmte als Ablenkung zu und schlich sich davon, als Richis schlief
- Er duftete nicht mehr nach seinem neuen Parfum und kam unerkannt davon; das Wunder war vorbei
- Das Volk erwachte später wie aus einem Kater; alle schwiegen über den Vorfall
- Um die Morde doch noch zu klären, wurde Druot gefoltert und als Mörder verurteilt