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Wald und Höhle

Personen Handlungs-ort Inter-
pretation
Faust
Mephisto-
pheles
Eine abgelegene Höhle im Wald
Zweiter großer Monolog:
Faust fühlt sich zunächst erfüllt und eins mit der Natur
Harmonie mit der Welt aufgrund von Gefühlen \(\rightarrow\) Selbsterkenntnis
Bezug auf ersten Monolog: Formtrieb gestillt, doch Stofftrieb bleibt ungestillt \(\rightarrow\) Stimmungswechsel
Isolation, um Gretchen fernzubleiben, weiß, dass er Gretchen mit seiner Leidenschaft zerstören würde
Einfluss von Mephisto:
will Beziehung mit Gretchen, bewusste fatale Entscheidung
Diese Szene beinhaltet eine bedeutende Entwicklung in Fausts Innenleben und prägt das weitere Geschehen des Dramas maßgeblich. Faust hat sich in die Wildnis zurückgezogen und reflektiert seine seelische Verfassung - er versucht, seiner Leidenschaft für Gretchen zu entkommen, da er ahnt, dass ihre Beziehung aufgrund von Mephistos Einfluss unweigerlich zu einem bösen Ende führen wird.
Zu Beginn der Szene hält Faust einen weiteren großen Monolog, der sich in Teilen auf seinen ersten Monolog im Studierzimmer bezieht. Im Gegensatz zu seinem damaligen verzweifelten und resignierten Zustand fühlt Faust nun seine Sehnsüchte vorerst befriedigt: „Erhabner Geist [der Erdgeist], du gabst mir, gabst mir alles, / Warum ich bat.“ (Sz. 14, Z. 5 f.) Faust fühlt sich nicht mehr entfremdet von der Natur, sondern hat eine Harmonie mit dieser durch das Gefühl und nicht durch die Wissenschaft erreicht: „Nicht / Kalt staunenden Besuch [der Natur] erlaubst du nur, / Vergönnst mir, in ihre tiefe Brust, / Wie in den Busen eines Freunds zu schauen.“ (Sz. 14, Z. 9 ff.) Durch diese Harmonie meint Faust nun, sich selbst erkannt zu haben, eine Sehnsucht nach Erkenntnis hat er laut eigener Aussage nicht mehr. Der Akademiker Faust ist also zum sentimentalen Menschen geworden.
Fausts glückseliger Zustand hält jedoch nicht ewig, denn seine Stimmung schlägt im zweiten Teil des Monologs um: „O dass dem Menschen nichts Vollkommnes wird, / Empfind ich nun.“ (Sz. 14, Z. 29 f.) Er bezieht sich hiermit auf Mephisto, der ihm die Welt der Sinnlichkeit eröffnet hat - und die Begierde nach Sinnlichkeit meint Faust niemals stillen zu können. Faust weiß, dass er Mephisto braucht, um seinen Begierden nachgehen zu können, doch weiß er auch, dass Mephisto seine dunklen Seiten zum Vorschein bringt und nicht zur ersehnten ewigen Harmonie verhelfen kann (vgl. Sz. 14, Z. 35 ff.). An dieser Stelle tritt Mephisto auf und macht sich über Faust lustig, den er als niemals zufriedenen, größenwahnsinnigen Einsiedler bezeichnet. Er entfacht Fausts Begierde erneut, indem er ihm davon berichtet, wie sehr Gretchen sich nach dem in die Wildnis entschwundenen Faust sehnt. Er bringt Faust schließlich dazu, einen fatalen Beschluss zu fassen:
Was muss geschehn, mag‘s gleich geschehn!
Mag ihr Geschick auf mich zusammenstürzen
Und sie mit mir zugrunde gehn!

(Sz. 14, Z. 191 ff.)
Faust, der sich bewusst ist, dass ihn der Teufel zum Bösen verführt, nimmt für eine Beziehung mit Gretchen ihren und seinen Untergang in kauf. In dieser Szene beginnt also der Weg zu Gretchens Hinrichtung.

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