Kapitel 30 - 35: Schluss der fiktiven Geschichte und Agnes‘ Verschwinden/Tod
(30) Agnes hat sich auf dem Dach des Doral Plaza schwer erkältet und auch die Liebesbeziehung mit E. kühlt deutlich ab: Als Agnes sich mit dem Gedicht A Refusal to Mourn the Death, by Fire, of a Child in London (Die Weigerung, den Feuertod eines Kindes in London zu beweinen) von Dylan Thomas befasst, wird deutlich, dass sie sich die Verdrängung ihrer Fehlgeburt und vielleicht den Tod des ungeborenen Kindes selbst vorwirft. Bezeichnenderweise sagt E. zum Gedicht nur: „Ich verstehe es nicht.“ So versteht er auch den emotionalen Zustand Agnes‘ nicht und lässt sie weinend in der Wohnung zurück, während er draußen in der Kälte die Anonymität sucht, was erneut Symbolcharakter hat. Als er zurückkommt, schreibt er die Geschichte wie im Rausch fort. Er schreibt einen Schluss der Geschichte, von dem der Leser aber nur Teile erfährt. Dieses Ende ist laut E. „unzumutbar für Agnes, unerträglich für mich“. Er beschließt, einen guten Schluss zu finden.
(31) E. widmet sich erneut seiner Geschichte, wobei er die Realität beschönigt. Er schreibt ein Happy End. Die reale Agnes wünscht, dass er die Geschichte nicht zuende schreibt: „Wir brauchen sie nicht.“ Allerdings ist E. bereits fertig.
(32) Mit dem Ende sind beide nicht zufrieden. E. findet es „nicht lebendig, nicht wahr“ und weicht Agnes‘ Blick aus. Kurzerhand ersetzt er es mit Schluss2, den er zuvor verworfen hatte. Während die reale Beziehung völlig zerrüttet ist, gibt sich E. ganz der Geschichte hin und schreibt sich erneut in einen Rausch. Agnes lügt er an und behauptet, er arbeite an seinem Buch über Eisenbahnwagen. Sie ist noch immer krank, was E. gereizt werden lässt. Er beschließt, zu Louises Silvesterfeier zu gehen. Agnes widerspricht nicht, wirkt jedoch resigniert: „Ich mag nicht streiten [...], ich bin müde und krank.“
(33) Auf der Party meint Louise, dass Amerikanerinnen immer krank seien, um Männern ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Wenn sie mit einem Mann schliefen, dann redeten sie so, als hätten sie ihm einen Dienst erwiesen. Damit beschreibt sie mit anderen Worten Agnes‘ „Geschenk“ an E. Später ziehen sie sich auf ihr Zimmer zurück. Sie schließt die Tür hinter ihnen ab, was auf sexuelle Handlungen zwischen beiden hinweist.
(34) Louise fährt E. nachhause, der ihr erst jetzt eröffnet, dass er wieder mit Agnes zusammen ist. Louise ist deutlich verärgert. Völlig desorientiert irrt sich E. im Stockwerk, wobei er bezeichnenderweise eine Etage tiefer gelandet ist. Auf dem Weg nach oben im Treppenhaus hört E. den Lift vorbeifahren (Agnes?).
(35) Als er die Wohnung betritt, hört er das Summen seines Computers. Agnes hat den Schluss der Geschichte gelesen, den E. heimlich geschrieben hatte. Erstmals erfährt auch der Leser, wie die Fiktion endet: Agnes fährt mit dem Zug nach Willow Springs und sucht offenbar die Lichtung im Wald, auf der sie einst mit E. gelegen hat. Sie findet sie und legt sich mit dem Gesicht nach unten hin, offensichtlich, um zu sterben. Dabei geschieht etwas Merkwürdiges:
Langsam gewann sie das Gefühl zurück, erst in den Füßen, in den Händen, dann in den Beinen und Armen, es breitete sich aus, wanderte durch ihre Schultern und ihren Unterleib zu ihrem Herzen, bis es ihren ganzen Körper durchdrang und es ihr schien, als liege sie glühend im Schnee, als müsse der Schnee unter ihr schmelzen.
Als E. ins Schlafzimmer geht, ist Agnes nicht da.
Langsam gewann sie das Gefühl zurück, erst in den Füßen, in den Händen, dann in den Beinen und Armen, es breitete sich aus, wanderte durch ihre Schultern und ihren Unterleib zu ihrem Herzen, bis es ihren ganzen Körper durchdrang und es ihr schien, als liege sie glühend im Schnee, als müsse der Schnee unter ihr schmelzen.
Als E. ins Schlafzimmer geht, ist Agnes nicht da.