Louise
Louise ist die Gegenfigur zu Agnes. E. lernt sie auf der Halloween-Feier bei Amtrak, der amerikanischen Eisenbahngesellschaft, kennen. Beide fremdeln mit dem amerikanischen Maskenfest. Louise blickt dabei mit Verachtung auf die Wollunterhosen tragenden amerikanischen Frauen, die sich für Elfen halten - bezeichnenderweise bestreitet E. dies für Agnes, sieht seine betrunkene Freundin zuhause nach der Feier aber doch in hellbeiger Wollunterwäsche. Beim Entkleiden reißt außerdem eine Naht, was sinnbildlich für ihre Beziehung zu diesem Zeitpunkt steht.
Das Kind eines französischen Selfmade-Man und einer dem Klischee entsprechenden naiven Amerikanerin („Stanton“, S. 100), fühlt Louise sich in den Staaten nicht heimisch, sondern hat nur Spott für das Land und ihre Menschen, besonders die Frauen, übrig. Andererseits entspricht sie mit ihrer Einstellung - „Du liebst mich nicht, und ich liebe dich nicht. Es ist nichts dabei [...]. Hauptsache, wir amüsieren uns.“ - viel eher der großstädtischen, oberflächlichen Spaßgesellschaft als die tiefsinnige Agnes. So trifft E. Louise auch zweimal auf einer Party.
Es ist außerdem charakteristisch, dass Louise, als E. fragt, ob sie Hemingway möge, antwortet, sie habe A Farewell to Arms gemocht, aber des Schauspielers und der Musik wegen (S. 102). Zum Pullman-Streik fragt sie, warum E. dies überhaupt interssiere: „Das ist ja alles schon längst vorüber und vergessen.“ (S. 145) Man könnte dies einfach als unreflektiert und geschichtsvergessen bezeichnen, doch erfüllt Louises ignorante Haltung hier eine weitere Funktion: Louise steht, indem sie Desinteresse an der Vergangenheit zeigt, im Gegensatz zu Agnes, der die Spuren wichtig sind und die deshalb darauf angewiesen ist, dass sich auch künftige Generationen für Geschichte interessieren.
Allerdings ist Louise nicht etwa dumm, sondern durchaus welterfahren und dabei selbstbewusst. Als E. davon spricht, dass in Amerika die Farben intensiver seien als in Europa, bezeichnet sie ihn als naiv und zitiert mit Paul Valéry einen französischen Lyriker und Philosophen.
Auch durchschaut sie die Bildnis- bzw. Identitätsproblematik: Sie stellt fest, dass das Bild, das sich die Europäer von Amerika machen, mehr mit ihnen zu tun hat als mit Amerika, was auch umgekehrt gelte (S. 101). Dass E. seine Frauen gerne nach seinem Bild von ihnen formt, muss sie selbst erfahren (s. o.).
Ebenfalls beschreibt sie die amerikanischen Frauen zweimal treffend. Neben der Episode mit den Wollunterhosen (s. o.) trifft ausgerechnet ihre Bemerkung zu, amerikanische Frauen seien immer krank und bezeichnen es als Dienst, wenn sie mit einem Mann schlafen (S. 143).
Während Louises Eltern E. bereits wie ihren künftigen Schwiegersohn behandeln, kommt es zu keiner tiefergehenden Beziehung zwischen ihrer Tochter und diesem. Auf der Silvesterparty schlafen sie zwar miteinander, doch hat E. Louise bereits in eine Schublade geworfen (S. 147), wie sie bitter feststellt.
Das Kind eines französischen Selfmade-Man und einer dem Klischee entsprechenden naiven Amerikanerin („Stanton“, S. 100), fühlt Louise sich in den Staaten nicht heimisch, sondern hat nur Spott für das Land und ihre Menschen, besonders die Frauen, übrig. Andererseits entspricht sie mit ihrer Einstellung - „Du liebst mich nicht, und ich liebe dich nicht. Es ist nichts dabei [...]. Hauptsache, wir amüsieren uns.“ - viel eher der großstädtischen, oberflächlichen Spaßgesellschaft als die tiefsinnige Agnes. So trifft E. Louise auch zweimal auf einer Party.
Es ist außerdem charakteristisch, dass Louise, als E. fragt, ob sie Hemingway möge, antwortet, sie habe A Farewell to Arms gemocht, aber des Schauspielers und der Musik wegen (S. 102). Zum Pullman-Streik fragt sie, warum E. dies überhaupt interssiere: „Das ist ja alles schon längst vorüber und vergessen.“ (S. 145) Man könnte dies einfach als unreflektiert und geschichtsvergessen bezeichnen, doch erfüllt Louises ignorante Haltung hier eine weitere Funktion: Louise steht, indem sie Desinteresse an der Vergangenheit zeigt, im Gegensatz zu Agnes, der die Spuren wichtig sind und die deshalb darauf angewiesen ist, dass sich auch künftige Generationen für Geschichte interessieren.
Allerdings ist Louise nicht etwa dumm, sondern durchaus welterfahren und dabei selbstbewusst. Als E. davon spricht, dass in Amerika die Farben intensiver seien als in Europa, bezeichnet sie ihn als naiv und zitiert mit Paul Valéry einen französischen Lyriker und Philosophen.
Auch durchschaut sie die Bildnis- bzw. Identitätsproblematik: Sie stellt fest, dass das Bild, das sich die Europäer von Amerika machen, mehr mit ihnen zu tun hat als mit Amerika, was auch umgekehrt gelte (S. 101). Dass E. seine Frauen gerne nach seinem Bild von ihnen formt, muss sie selbst erfahren (s. o.).
Ebenfalls beschreibt sie die amerikanischen Frauen zweimal treffend. Neben der Episode mit den Wollunterhosen (s. o.) trifft ausgerechnet ihre Bemerkung zu, amerikanische Frauen seien immer krank und bezeichnen es als Dienst, wenn sie mit einem Mann schlafen (S. 143).
Während Louises Eltern E. bereits wie ihren künftigen Schwiegersohn behandeln, kommt es zu keiner tiefergehenden Beziehung zwischen ihrer Tochter und diesem. Auf der Silvesterparty schlafen sie zwar miteinander, doch hat E. Louise bereits in eine Schublade geworfen (S. 147), wie sie bitter feststellt.