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Sündenbock-Thematik

Bei der Interpretation von Medea. Stimmen fällt ein Thema besonders auf: die Sündenbock-Problematik. Diese zieht sich als eine Art Leitfaden durch den Roman.

Medea als Sündenbock

  • Medea wird zum Sündenbock in Korinth, da sie sich dem patriarchalischen System nicht anpasst
  • Die Korinther selbst halten sich für unschuldige und gerechte Menschen
  • Sie verschließen bewusst ihre Augen vor dem Unrecht, das in Korinth geschieht
  • Medea aber droht diese Lebenslüge aufzudecken; sie weiß, dass Korinth auf einem Mord basiert
  • Aus Angst vor der Wahrheit spinnen die Korinther bzw. Akamas und seine Gehilfen Intrigen gegen Medea
  • Das Volk, das eben nicht unschuldig ist, braucht eine Rechtfertigung für seine Gewaltausbrüche wie beim Opferfest
  • Medea wird stellvertretend für die Gesellschaft zur Schuldigen gemacht
  • In der Hungersnot z.B. bringt sie die Menschen dazu, Pferdefleisch zu essen; die Korinther finden das eigentlich barbarisch und geben Medea die Schuld, sie zu Unmenschen gemacht zu haben
  • Ebenso wird Medea für das Erdbeben, die folgende Pest, die gefürchtete Mondfinsternis und das Vergehen an Turon verantwortlich gemacht
  • Alle hoffen, das Elend verschwindet aus Korinth, wenn Medea weg ist

Bezug zur Mimesis Theorie von René Girard

  • Chrsita Wolf bezieht sich in ihrem Werk direkt auf den französischen Literaturwissenschaftler und Kulturanthropologen René Girard
  • Vor den Kapiteln 7 und 8 stehen Zitate aus seinen Werken
    „Die Menschen wollen sich davon überzeugen, dass ihr Unglück von einem einzigen Verantwortlichen kommt, dessen man sich leicht entledigen kann. “(S. 151)
    „Das Fest hat sämtliche rituellen Charakteristiken verloren, und es geht insofern schlecht aus, als es zu seinen gewalttätigen Ursprüngen zurückfindet. Es ist kein Hindernis mehr für die bösen Kräfte, sondern ein Verbündeter.“ (S. 173)
  • Girards Mimesis-Theorie beschäftigt sich mit der Entstehung von Gewalt und den Folgen innerhalb einer Gruppe
  • Er geht davon aus, dass Menschen immer Dinge begehren. Wenn mehrere Menschen etwas begehren, wie den Thron, kommt es zu Rivalität. Bietet die Gesellschaft keinen Gegenpol, kommt es zu Gewaltausbrüchen wie dem Mord an Iphinoe oder den Morden an Medeas Kindern
  • Die Gesellschaft in Korinth aber hält sich nicht für gewalttätig; der Mord an Iphinoe wurde schließlich verheimlicht; und sucht Gründe von Außen für ihr Verhalten

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