Zweites Kapitel
Im zweiten Kapitel beschreibt der Ich-Erzähler wie er nach einem kurzen Besuch bei Yvonne Binnet nach Marseille reist. Während ihn seine Ankunft dort zunächst glücklich stimmt, muss er schon abends hören, dass er wohl nicht einfach bleiben könne.
Erster Abschnitt
Infos
- Seite: 38 - 40
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: unbesetztes Frankreich
Inhalt
- Der Ich-Erzähler berichtet von seiner Flucht durchs unbesetzte Frankreich aus dem Herbst 1940
- Bahnhöfe, Asyle und Kirchen waren voller Flüchtlinge, die meisten davon schwer verletzt oder elend mitgenommen
- Er bemerkte, wie die Welt gealtert war; sogar Kinder schienen alt zu sein, nach allem, was sie mitansehen mussten
- Soldaten folgten immer noch Marschbefehlen, wohl weil es ihnen Halt gab
- Der Ich-Erzähler staunte, dass selbst in diesem Chaos die Obrigkeiten langwierige Prozeduren zur Registrierung der Menschen erfanden
- Wer keine Papiere hatte, wurde vom „Hundefänger“ ins Stadtgefängnis gesperrt; er aber entging auch ohne Papiere den Kontrollen, weil seine vier Freunde ihm halfen
- Nachdem ein junges Mädchen aus Belgien vor ihren Augen mitgeschleppt wurde in ein Frauenlager, schämten sich alle für Frankreich
- Sie bekamen Heimweh nach Paris, das zwar besetzt gewesen war; aber das unsichtbare Übel im unbesetzten Frankreich kam ihnen noch schlimmer vor
- Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Dorf, in dem Yvonne Binnet lebte; nach einer Woche kamen sie an
Zweiter Abschnitt
Infos
- Seite: 41 - 43
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Dorf im unbesetzten Frankreich
Inhalt
- Yvonne war schwanger und führte mit ihrem Mann trotz einiger Flüchtlinge noch ein recht normales Bauernleben
- Als sie erfuhr, dass der Erzähler keine Papiere besaß, schickte sie ihren Mann los
- Dieser organisierte als stellvertretender Bürgermeister über den Vorstand der Vereinigten Flüchtlinge einen übrigen Flüchtlingsschein
- Der Erzähler gab sich fortan als Herr Seidler aus, der über das Elsass aus der Saar eingewandert war
- Sogar Flüchtlingsgeld wurde dem Erzähler schließlich ausgezahlt
- Der Erzähler kam zu der Überzeugung, dass Yvonne das tat, um ihn schnell loszuwerden, da seine Anwesenheit ihr anfangs offenbar unangenehm war
- Nachdem Marcel Binnet zu einem Großonkel ans Meer ging und der kleine Bruder bei Yvonne bleiben wollte, reiste der Erzähler alleine weiter
- Yvonne hatte ihm Kontakte zu Vetter Georg besorgt, der seit der Evakuierung seiner Fabrik in Marseille lebte
- Unterwegs hoffte der Erzähler immer, einen alten Bekannten zu treffen, weil in ihm etwas verloren gegangen war und er glaubte, ein bekanntes Gesicht würde ihm sein altes Leben irgendwie zurückgeben
- So sehr er hoffte, er blieb allein
Dritter Abschnitt
Infos
- Seite: 44 - 47
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Aus Angst davor, am Bahnhof mit den falschen Papieren enttarnt zu werden, stieg der Erzähler schon zwei Stunden vor Marseille aus dem Zug, nahm dann einen Autobus und stieg in einem Dorf in den Bergen aus
- Beim Anblick von Marseille, das kahl und weiß am Meer lag, wurde er ganz ruhig
- Er hoffte, endlich am Ziel zu sein und das zu finden, was er immer gesucht hat
- Der Erzähler musste aber erkennen, dass ihn dieses Gefühl wieder einmal trügen sollte
- Er konnte unbehelligt in die Stadt einreisen und genoss den Spaziergang durch die Straßen und über die Cannebière
- Als er das Meer erblickte, spürte er nach langem Elend wieder das Glück, zu leben, und erkannte, dass hier endlich wieder alle Menschen Raum und Frieden hatten
- Während er einen Kaffee trank, hörte er um sich herum immer wieder die Begriffe „Kuba-Visa“, „Martinique“, „Oran“, „Portugal“, „Siam“, „Transit“ und „Dreimeilenzone“
- Der Erzähler erinnert sich, dass er glücklich am alten Hafen ankam und alles war, wie jetzt
- Er fühlte, dass alles, was ihm geschehen ist, ihn hierhergeführt hatte und daher gut war
- Der Ich-Erzähler fragte sich nach der Adresse von Vetter Georg Binnet durch
- Unterwegs erkannt er, dass er das Meer früher wegen seiner unmenschlichen Öde gehasst hatte, während es ihm nach seiner Flucht durch zerrüttetes Land jetzt durch die Leere Trost spendete
- Georg Binnet wohnte in einem ehemaligen Kaufmanns-Haus zusammen mit Einwanderern aus Korsika und Madagaskar, woher auch seine Geliebte stammte
- Die schwarze Frau faszinierte ihn mit ihrer Schönheit und dem fremdartigen Aussehen; als sie ihm müde erklärte, dass Georg Nachtdienst hat, musste der Erzähler ernüchtert wieder gehen
- Als er die Treppen hinunterging, kam ihm der Sohn von Binnets Freundin entgegen, die oben in der Tür stand und überlegte, ob sie den Erzähler doch hereinbitten sollte
- Der Erzähler fühlte sich fehl am Platz und leer; außerdem war er enttäuscht, dass es also doch Menschen gab, die in der Zeit ein normales Leben führten
Vierter Abschnitt
Infos
- Seite: 48 - 54
- Zeit: Herbst 1940
- Ort: Marseille
Inhalt
- Auf der Suche nach einem freien Hotelzimmer gönnte sich der Erzähler erschöpft ein Bier
- Plötzlich setzte sich ein alter Mann zu ihm, der wissen wollte, für welches Land er ein Visa habe
- Der Erzähler war überrascht von der Frage, da er ja bleiben wollte
- Der Kapellmeister aus Prag erzählte ihm, dass er eine neue Stelle in Caracas in Venezuela hätte und nun auf die Verlängerung des Visums und die Gewährung eines Transits warte
- Der Ich-Erzähler hatte noch nie von einem Visa de sortie gehört und ließ sich alles erklären, obwohl der alte Mann ihm zuwider war
- Der Kapellmeister erläuterte ihm lachend, dass die neue Naziordnung nichts mit der alten Weltordnung gemein hätte und heute alle Menschen von den Nazis durchkontrolliert werden, selbst wenn sie das Land verlassen wollen
- Auch dass man einen Transit brauche, um durch ein Land zu reisen, nachdem man erklärt hat, nicht dort bleiben zu wollen, erklärte der alte Mann dem irritierten Erzähler
- In feierlichem Ton spielte der Kapellmeister den langen Weg gedanklich durch, den der Erzähler gehen muss, bis er ein Visa de sortie, einen Transit und ein Visum bekommen kann, die alle gleichzeitig gelten und dass dies etliche Versuche dauern kann
- Als Beispiel nannte er einen jungen Mann im Alter des Erzählers, dessen Abreise an einem letzten Stempel scheiterte, weil er einst aus einem Lager geflohen war; diese Geschichte berührte den Erzähler
- Der Erzähler betonte nochmals, dass er ja sowieso nicht abfahren wolle und ließ sich nicht davon abbringen, obwohl der Kapellmeister ihn warnte, dass das nicht ginge
- Beinahe ließ der Erzähler beim Gehen seinen Koffer stehen und bemerkte daraufhin, dass er die Papiere des toten Schriftstellers darin völlig vergessen hatte
- Als der Erzähler endlich ein freies Hotel gefunden hatte, lachte ihn auch dort die Wirtin aus, dass er in Marseille bleiben wolle; sie erklärte ihm, dass er ein Sauf-conduit bräuchte
- Nachts fühlte sich der Erzähler schon, als sei er auf einem Schiff, durch all die Eindrücke, die er nicht mehr verarbeiten konnte; er träumte, er hätte seinen Koffer verloren und musste ihn verzweifelt suchen