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Das Wandern

Hinter dem Akt des Wanderns steckt in Aus dem Leben eines Taugenichts viel mehr als nur eine körperliche Tätigkeit. Das Wandern verkörpert für die Romantiker eine Art Freiheitsdrang, der begleitet von Fernweh und Weltschmerz eines der zentralsten Leitthemen in der Novelle darstellt.

Das Wandern aus Sehnsucht

  • Der wesentliche Antrieb und die Motivation des Wanderns in Aus dem Leben eines Taugenichts bildet die Sehnsucht nach dem Unbekannten und der damit verbundene Ausbruch aus dem gewohnten Alltag. Taugenichts empfindet es deshalb nicht als schlimm, aus dem väterlichen Zuhause getrieben zu werden, sondern es ist ihm „wie ein ewiger Sonntag im Gemüte“ (Kap. 1, Z. 27)
  • Der Drang, dem Leben mehr abzuverlangen, als den routinierten Alltag, der aus Arbeit und Feierabend besteht, unterscheidet den Romantiker vom Spießbürger. Die Angst, irgendwann einmal ohne Arbeit dazustehen, weicht hier dem unerträglichen Gefühl, das Leben nicht bis zum letzten Tropfen ausgekostet zu haben
  • Das Wandern folgt in Eichendorffs Novelle keinem bestimmten Plan oder Ziel, sondern der Weg ist vielmehr das Ziel und die Abenteuer, die Taugenichts auf seiner Reise erlebt, machen es erst zu einem wahren Vergnügen. Auch die Tatsache, dass sich das Ziel seiner Wanderung ständig ändert, deutet darauf hin, dass eher die Bewegung an sich, als das Erreichen eines bestimmten Ortes von Bedeutung ist. Die Liebe zu Aurelie ist der einzige Kompass, der ihn immer weiter vorwärts treibt

Die Umgebung beim Wandern

  • Die landschaftlichen Eindrücke auf seiner Wanderung spiegeln seinen seelischen Zustand auf der Reise wieder: Als Taugenichts etwa nach Italien aufbricht, so ist es ihm, als gingen die Straßen „weit, weit über die höchsten Berge fort, als führten sie aus der Welt hinaus“ (Kap. 3, Z. 6 f.). Auch ist „ringsumher kein Mensch zu sehen“ (Kap. 3, Z. 3 f.), was für die Weite der Umgebung und die damit einhergehende innere Freiheit des Protagonisten spricht
  • Taugenichts verwendet für seine Naturbeschreibungen eine poetische Sprache, so sieht es etwa so aus, „als wäre der Rasen mit goldenen Teppichen belegt“ (Kap. 3, Z. 35 f.) oder die Straße, auf welcher er mit der Postkutsche fährt „liefe grade durch eine prächtige Landschaft auf die untergehende Sonne zu, wohl wie ein Meer von Glanz und Funken“ (Kap. 5, Z. 29 ff.). Diese Beschreibungen entsprechen Taugenichts‘ Realität, nicht unbedingt der tatsächlichen Wirklichkeit und zeigen aufs Neue, wie zauberhaft und märchenhaft für ihn als Romantiker die Natur erscheint
  • Auf der anderen Seite schildert er Zwischenstopps, an welchen er auf Menschen trifft, eher in einem skeptisch gefärbten Licht. So empfindet er das Aussehen der Leute bei einem Halt in einem Gasthaus als „liederlich“ (Kap. 4, Z. 55) und auch bei seiner Ankunft auf dem italienischen Schloss, erscheint ihm die Haushälterin als „eine alte, sehr hässliche Frau“ (Kap. 5, Z. 85). Die Umgebung verliert unübersehbar an Zauber, sobald sich Menschen in ihr befinden

Fernweh vs. Heimweh

  • Taugenichts ist von einer ambivalenten Stimmung geprägt, wenn es um die beiden Gefühle Fernweh und Heimweh geht: Bereits kurz nach Aufbruch in die sehnsüchtige Ferne überkommt ihn ein Heimweh, bei welchem er sich nach der Kühle der heimischen Mühle sehnt (Kap. 1). Ins Dorf heimzukehren kommt für ihn jedoch keineswegs infrage, da er nicht als Zurückgekehrter ausgelacht werden möchte
  • Während das Fernweh von dem Verlangen nach Unabhängigkeit begleitet wird, schwingt im Heimweh auch seine Sehnsucht nach Aurelie und somit nach Liebe mit. Am Ende ist es dieses Gefühl, dass ihn seine Reise beenden lässt und so schließt sich der Kreis der Handlung. Es lässt sich ein Bogen, beginnend im heimischen Dorf über Taugenichts‘ Wanderung hin zur Heimkehr zu seiner Geliebten spannen. Taugenichts benötigt den Ausbruch in die Freiheit, um der Enge, Langeweile und dem Unverständnis seiner Umwelt Zuhause zu entkommen, damit ihm dann in der Weite und auf seinen Abenteuern die Verbundenheit zu seiner Heimat und seiner Geliebten schmerzlich bewusst wird. Die Reise ruft beim Protagonisten nicht nur Freude, sondern auch ein Gefühl der Einsamkeit hervor, was besonders bei seinem Aufenthalt im italienischen Schloss und seinem Besuch in Rom zum Ausdruck kommt (Kap. 5, 6, 7, 8)

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