Aufbau
In Der Verlorene wird von einem Ich-Erzähler chronologisch die Geschichte über die Suche nach dem verschwundenen Bruder erzählt. Im Folgenden soll der Aufbau der Erzählung näher betrachtet werden.
Formaler Aufbau
- Die Erzählung erstreckt sich über 175 Seiten
- Die Handlung ist nicht in Kapitel eingeteilt
- Der Autor hat den Text lediglich in vier größere Textabschnitte gegliedert
- Diese lassen sich in kleinere Sinnabschnitte unterteilen
- Die Geschichte vom Fotoalbum und die letztliche Schaufenster-Begegnung bilden eine Rahmenhandlung
Inhaltliche Struktur
- Erzählte Zeit: Die Handlung spielt in den 50ern und frühen 60ern und erstreckt sich über ca. 18 Jahre. Genaue Daten innerhalb der Handlung werden nicht genannt. Allerdings wird an einer einzigen Stelle erwähnt, dass die Mutter ihren Erstgeborenen am 20. Januar 1945 in den Arm der fremden Frau gelegt hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte Arnold bereits seinen 1. Geburtstag gefeiert. Am Ende des Werkes soll das Findelkind bzw. Arnold etwas älter als 18 Jahre alt sein
- Chronologische Erzählweise: Die Handlung wird chronologisch erzählt. Der Erzähler erfährt als Kind, dass sein Bruder tot ist; als Jugendlicher wird er darüber aufgeklärt, dass Arnold noch lebt und eventuell gefunden wurde, daraufhin beginnt ein langer Kampf mit etlichen Gutachten, welche die Verwandtschaft bestätigen sollen, bis die Mutter nach der Konfrontation mit ihrem vermeintlich verlorenen Sohn resigniert aufgibt
- Lineare Handlung: Es gibt keine Nebenhandlungen; die Geschichte dreht sich einzig und allein um die Suche nach Arnold
- Teilweise wird die Chronologie innerhalb von Erzählungen durch Rückblenden unterbrochen, etwa wenn die Mutter von ihrer Flucht vor den Russen berichtet
- Die Handlung ist in sich geschlossen: Bei der Konfrontation mit dem Findelkind wird anhand der Reaktion der Mutter deutlich, dass die Suche für sie damit endet
- Offenes Ende: Zwar ist die Handlung abgeschlossen, inhaltlich bleibt allerdings offen, ob die Mutter überhaupt hingesehen hat und ob sie, wie der Erzähler, eine extreme Ähnlichkeit erkannt hat
- Klammer: Auf inhaltlicher Basis betrachtet, bilden Anfang und Ende der Erzählung eine Rahmenhandlung. Denn sowohl beim Durchblättern des Fotoalbums, als auch beim Blick in das Schaufenster betrachtet der Ich-Erzähler seinen (vermeintlichen) Bruder
Gattungszuordnung
- Der Autor selbst hat seinem Werk keinen speziellen Gattungsnamen im Titel mitgegeben
- Der Verlorenen wird teils als Erzählung, teils als Roman und selten als Novelle beschrieben
- Eine eindeutige Zuordnung ist kaum möglich
- Roman: Die Länge der Handlung und die fiktive Geschichte sprechen für einen Roman, allerdings fehlt die für die Gattung charakteristische Verknüpfung verschiedener Handlungsstränge und die Figurenvielfalt
- Erzählung: Dazu passt die Konzentration auf einen einzigen Handlungsstrang und der chronologische Aufbau; das Werk ist für eine Erzählung lediglich recht lang
- Novelle: Die beschränkte Anzahl an Personen, der klare Aufbau und die Beschreibung einer Krise innerhalb der Familie lassen auf eine Novelle schließen, es fehlt jedoch die für Novellen übliche unerhörte Begebenheit und der tiefe Blick ins Innere der Figuren. Außerdem sind Novellen prinzipiell nicht chronologisch erzählt
- Die wohl passendste Bezeichnung lautet daher Erzählung