Erzählweise
Im Folgenden soll die Erzählweise in der Lektüre Der Verlorene genauer betrachtet werden.
Erzählform
- Ich-Form: Ein Ich-Erzähler berichtet die Geschichte aus seiner eigenen Sicht
- Homodiegetisch: Der Ich-Erzähler ist selbst Teil des Geschehens und berichtet aus der Innenperspektive
- Der Erzähler betitelt sich direkt zu Beginn der Handlung als „Ich“ (Vgl. S. 7) und spricht in der 1. Person
Erzählverhalten
- Personales Erzählverhalten: Der Erzähler hat die Sicht einer handelnden Person inne und berichtet nur über die Dinge, die er selbst erlebt hat oder die ihm erzählt wurden
Erzählperspektive
- Innensicht: Der Ich-Erzähler berichtet über seinen inneren Gefühle und subjektiven Gedanken
- Besonderheit im Werk: Es wechseln sich die kindliche Perspektive (erlebendes Ich) und die Perspektive des erwachsenen Erzählers (erzählendes Ich) ab; die Subjekt- und Objektposition sind ineinander verwoben
- Kindliche Perspektive: Der Ich-Erzähler berichtet aus seinem unmittelbaren Erleben heraus und zeigt eine emotionale Nähe zum Geschehen, die ihn subjektiv erzählen lässt
- Erwachsenenperspektive: Der Erzähler gibt die Handlung rückblickend mit Distanz wieder und hat eine reflektierte Sicht, die objektivere Wertungen zulässt
- Über andere Personen berichtet der Erzähler aus der Außensicht; er kennt die inneren Gefühle nicht, sondern kann nur äußere Anzeichen wie das heftige Zittern bei seiner Mutter beschreiben (Vgl. S. 158 f.)
Erzählerstandort
- Der Ich-Erzähler ist nah am Geschehen
- Stellenweise wirkt die Erzählung wie ein detailliertes, akkurates Protokoll von Gutachten oder Gesprächen, das direkt während der Handlung erstellt wurde, z.B. beim Vorlesen des Gutachtens von Prof. Liebstedt (Vgl. S. 143 ff.)
- An einigen Textstellen entsteht der Eindruck, als könnte der Erzähler die ganze Handlung bereits überblicken, etwa, wenn der Ich-Erzähler reflektiert berichtet, dass alle Kinderfotos von ihm die Tradition des ersten, unerkennbaren Fotos fortsetzten (Vgl. S. 9)
Erzählhaltung
- Der Ich-Erzähler legt eine spontane Erzählhaltung an den Tag; der Text wirkt, als würde der Erzähler direkt auf die beschriebenen Situationen reagieren
- Der Erzähler zeigt sich sarkastisch und ironisch bei der Darstellung des Geschehens
- Die für die Eltern so wichtigen Gutachten gibt der Ich-Erzähler detailgetreu und sachlich wieder
Darstellungsweisen
- Bericht: Der Großteil des Werkes erinnert an einen Bericht; die Handlung wird sachlich, straff gerafft und chronologisch wiedergegeben
- Szenisch: Genau Beschreibungen von Szenen mit Figurenrede finden sich an einigen Stellen im Werk, z.B. bei der Labor-Szene in Heidelberg (Vgl. S. 93)