Mutter
Die Mutter des Erzählers bleibt im kompletten Werk namenlos. Ihr Trauma nach dem Verlust ihres Sohnes Arnold bestimmt den Alltag der Familie.
Infos zur Person
- Frau aus Rakowiec, im Verlauf der Handlung ca. 30 bis 40 Jahre alt
- Zweifache Mutter, allerdings ging ihr Erstgeborener im Januar 1945 auf der Flucht im Krieg verloren
- Verheiratet mit einem ehemaligen Bauern und Lebensmittelhändler namens Arnold
- Wird im Laufe der Handlung Witwe und beginnt eine neue Beziehung mit Herrn Rudolph
- Lebt nach der Flucht aus Polen in einem namenlosen Ort in Ostwestfalen und arbeitet im Betrieb ihres Mannes
Charakter
- Traumatisiert: Es wird mehrfach angedeutet, dass die Frau auf dem Treck in den Osten von russischen Soldaten vergewaltigt wurde; sie wagt es nicht, davon zu sprechen und redet immer nur von „etwas Schrecklichem“, das ihr passiert ist; hatte damals aus Angst um ihr Leben ihren Sohn auf der Flucht aus dem Arm gegeben, damit er überlebt
- Kann nicht loslassen: Sie kann nicht akzeptieren, dass ihr ältester Sohn weg ist; sie hängt mit den Gedanken immer in der Vergangenheit und schaut ständig das Fotoalbum mit dem Bild von Arnold an; anstatt dankbar für ihr zweites Kind zu sein, denkt sie immerzu nur an Arnold und stößt ihren Sohn damit von sich
- Schuldgefühle: Sie gibt sich selbst die Schuld, dass Arnold verschwunden ist, weil sie die Situation auf der Flucht falsch eingeschätzt hat; sie erlaubt sich selbst nicht, das Leben zu genießen, weil Arnold es ja nicht mit ihr tun kann; sie tut für jede kleine Freude danach Buße und fühlt sich schlecht
- Depressiv: Der Kummer und die Schuld machen die Mutter schwermütig und depressiv; sie weint oft und wird von heftigem Zittern geschüttelt; sie kann keine Freude empfinden und versinkt in ihren dunklen Gedanken; kommt wegen ihrer psychischen Probleme in Behandlung, die allerdings nicht hilft
- Eigene Wahrheit: Sie macht sich bei der Suche nach Arnold von Beginn an ihre eigene Wahrheit; ist überzeugt davon, dass das Findelkind 2307 ihr Sohn ist und will keines der negativen Ergebnisse wahrhaben; selbst bei der Konfrontation mit Arnold scheut sie die Wahrheit und schaut gar nicht hin
- Opferrolle: Obwohl sie sich mit ihrem Mann ein gutes, neues Leben aufgebaut hat, trauert sie ihrem alten Leben hinterher und fühlt sich als Opfer des Krieges; sie hat es nie überwunden, dass sie und ihr Mann nach der Flucht keinen Lastenausgleich bekommen haben
- Pflichtbewusst: Sie arbeitet hart und unterstützt ihren Mann bei seiner Karriere; sie kümmert sich um die Firma, den Umbau und um den Haushalt; sie gönnt sich keinen Urlaub und ist lediglich durch ihre Reha-Aufenthalte und die Untersuchung in Heidelberg mal weg von zu Hause; nach dem Tod des Vaters übernimmt sie die Geschäfte und wird zur strengen Chefin
- Beharrlich: Sie gibt bei der Suche nach Arnold nicht auf; trotz aller Rückschläge bleibt sie beharrlich an ihrem Vorhaben dran und setzt sich sogar mit Hilfe von Anwälten und dem Polizisten Herr Rudolph durch
- Großer Gerechtigkeitssinn: Sie sehnt sich danach, dass ihr im Leben endlich einmal Gerechtigkeit widerfährt und will deshalb, dass sie ihren Sohn zurückbekommt, wenn auch nur per Adoption
- Gestattet sich keine Liebe: Sie kann ihrem zweiten Sohn nicht zeigen, dass sie ihn liebt; wenn sie ihn in den Arm nimmt, dann nur aus Verzweiflung und der egoistischen Suche nach Halt; auch ihrem Mann gegenüber ist die Mutter nicht sehr liebevoll, es gibt lediglich eine Situation in Heidelberg, in der die beiden sich innig in den Arm nehmen; nach dem Tod ihres Mannes beginnt sie zwar eine neue Beziehung, kann Herr Rudolph ihr Herz allerdings nicht wirklich öffnen und fühlt sich innerlich gezwungen, seinen Heiratsantrag abzulehnen