Kap. 1 - 10
Die ersten zehn Kapitel aus Corpus Delicti führen den Leser in die Handlung ein. Es werden die wichtigsten Personen vorgestellt, die Hintergrüde erklärt und das Urteil bereits vorweggenommen.
Kapitel 1 - Das Vorwort
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- Seite: 7 - 8
- Zeit: Keine Angaben
- Ort/Quelle: zitiert aus dem fiktiven Werk Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation von Heinrich Kramer
- Personen: Heinrich Kramer als Autor
Inhalt
Das erste Kapitel zitiert aus dem Vorwort des fiktiven Werkes Gesundheit als Prinzip staatlicher Legitimation der Romanfigur Heinrich Kramer. Er definiert Gesundheit als einen Zustand des vollkommenen Wohlbefindens von Körper, Geist und Seele. Der gesunde Mensch kann und soll Höchstleistung erbringen und seine Gesundheit mit Willensstärke aufrechterhalten und fördern. Nur durch diese Vollendung jedes Einzelnen kann die Gesellschaft vollkommen werden. Wer diese Ansicht nicht teilt, wird nicht erst krank, sondern ist schon krank.Kapitel 2 - Das Urteil
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- Seite: 9 - 10
- Zeit: Tag der letzten Gerichtsverhandlung
- Ort/Quelle: Gerichtshof
- Personen: Mia Holl, Richter Hutschneider, Richter Hager und Richterin Stock, Schöffen Gehling und Maring, Staatsanwalt Bell, Rechtsanwalt Rosentreter, Justizassistent Danner
Inhalt
Mia Holl wird wegen methodenfeindlicher Umtriebe und Gefährdung des Staatsfriedens zum Einfrieren auf unbestimmte Zeit verurteilt und hat alle Kosten zu tragen.Kapitel 3 - Mitten am Tag, in der Mitte des Jahrhunderts
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- Seite: 11 - 19
- Zeit: Tag in der Mitte des 21. Jahrhunderts
- Ort/Quelle: Landschaft um die nicht näher beschriebene Stadt, das Amtsgericht
- Personen: Sophie, Bell, Rosentreter, Kramer
Inhalt
Zunächst wird die Landschaft in der Mitte des 21. Jahrhunderts beschrieben. Statt grüner Wiesen oder Feldern gibt es nur noch vereinzelte Wälder und Seen zwischen zusammengewachsenen Städten voller Wohnkomplexe mit Solarzellen und Magnetbahn-Trassen. Irgendwo inmitten einer solchen sterilen Stadt beginnt die Geschichte von Mia Holl. Im Amtsgericht verhandelt Richterin Sophie mit Staatsanwalt Bell und Rosentreter, dem Vertreter des privaten Interesses, verschiedene Fälle. Der erste Mann wird schriftlich verwarnt, weil er zu viel Koffein im Blut hatte. Ein Vater wird angeklagt, weil er seine achtzehn Monate alte Tochter nicht zu den Pflichtuntersuchungen gebracht hat. Nachdem der Journalist Heinrich Kramer den Saal betreten hat, wird der dritte Fall angesprochen. Es geht um Mia Holl, die ihre Schlaf- und Ernährungsberichte nicht eingereicht und Blutdruckmessungen sowie Urintests nicht durchgeführt hat. Sie wird daraufhin zu einem Klärungsgespräch eingeladen. Kramer deutet der Richterin an, dass sie Mia Holl bereits kenne und verlässt dann den Saal, in dem weiter Fälle verhandelt werden.Kapitel 4 - Pfeffer
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- Seite: 20 - 24
- Zeit: Ein Tag Mitte des 21. Jahrhunderts
- Ort/Quelle: Wächterhaus, in dem Mia Holl lebt
- Personen: Lizzie, die Pollsche, Driss, Kramer
Inhalt
Im Treppenhaus erzält Lizzie ihren Nachbarinnen Driss und der Pollschen von einem vermeintlichen Niesen und ihrer Angst vor einer Erkältung. Driss tut diese Befürchtung ab, da Erkältungen seit den 20er Jahren ausgerottet sind. Und Lizzie selbst gibt zu, dass ihre Tochter nur mit einer Pfeffertüte Arzt gespielt hat. Kramer betritt das Haus und sorgt bei den drei Damen für Aufsehen. Er ist ein bekannter Journalist und hat sogar an dem Konzept der Wächterhäuser mitgewirkt, in denen Luftwerte, Abwasser und Desinfektion regelmäßig kontrolliert werden. Er unterbricht das Gequatsche der Frauen und erkundigt sich bei ihnen nach ihrer Nachbarin Mia Holl, woraufhin er erklärt bekommt, dass sie zur Zeit viel zu Hause sei und wohl nach einem Partner suche.Kapitel 5 - Die ideale Geliebte
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- Seite: 25 - 28
- Zeit: Zeitgleich am selben Tag
- Ort/Quelle: Wohung von Mia Holl
- Personen: Mia Holl, die ideale Geliebte
Inhalt
Mia philosophiert mit ihrer fiktiven, idealen Geliebten über die Sinnlosigkeit des Lebens. Sie zitiert ihren Bruder und erklärt, dass sie gerne Kupferrohre zu einem Nest aus Würmern zusammenschweißen würde, damit etwas von ihr bleibt und um etwas zweckloses zu schaffen, das nicht irgendwann verbraucht ist. Um Mia herum herrscht Chaos in der Wohnung, doch das ist ihr egal. Sie erinnert sich an ihren Bruder, der völlig anders dachte, als sie. Während sie das naturwissenschaftliche Denken verfolgt, wollte er für die Liebe leben. Um ihren toten Bruder nicht zu vergessen, schreibt sie sich seine Aussagen auf, während sie mit der idealen Geliebten spricht. Dabei fragt sie sich, ob Moritz überhaupt wusste, wie sehr sie ihn geliebt hat. Als die ideale Geliebte Mia trösten will, klingelt es an der Tür.Kapitel 6 - Eine hübsche Geste
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- Seite: 29 - 32
- Zeit: Zeitgleich am selben Tag
- Ort/Quelle: Wohung von Mia Holl
- Personen: Mia Holl, die ideale Geliebte, Kramer
Inhalt
Mia öffnet die Tür und ist perplex, weil Heinrich Kramer vor ihr steht. In ihren Gedanken hatte sie den Journalisten bereits viele Male zu Tode gequält. Es dauert daher einige Augenblicke, bis sie ihre Fassung wiedererlangt und Kramer hereinbittet. Dieser begrüßt sie mit einem offenherzigen Lächeln, zieht seinen Handschuh aus und reicht ihr die nackte Hand, was auf Mia wie eine Geste aus einem alten Film wirkt. Sie aber bleibt weiter abweisend ihm gegenüber und bezeichnet ihn als den Mörder ihres Bruders. Nachdem Kramer sich auf das Sofa neben die unsichtbare ideale Geliebte gesetzt hat, erklärt er, dass er Moritz nicht ermordet hat. Er stellt provokant die Frage, wer Moritz denn die Angelschnur als Suizidwerkzeug ins Gefängnis gebracht hätte. Mias wachsenden Hass ignoriert Kramer dabei gekonnt und provoziert sie sogar weiter mit der Aussage, dass sie als Liebespaar immunologisch kompatibel wären. Außerdem weist er Mia auf ihren Denkfehler hin, dass Kausalität keineswegs identisch mit Schuld sei, und sie als intelligente Frau das wissen müsse. Mia schwankt plötzlich während sie Kramer erklärt, dass sie alles und jeden, der ursächlich für Moritz‘ Tod ist, verurteilt. Dieser hilft ihr fürsorglich hoch, führt sie zum Sofa und bereitet ihr dann heißes Wasser mit Zitrone zu.Kapitel 7 - Genetischer Fingerabdruck
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- Seite: 33 - 35
- Zeit: Nicht lange davor
- Ort/Quelle: Gericht und Gefängnis
- Personen: Mia und Moritz Holl
Inhalt
Der 27-jährige Moritz Holl meldete in einer Samstagnacht, dass er sein Blind Date Sibylle tot unter der Südbrücke gefunden hat. Nach seiner Zeugenaussage wurde der verstörte Mann nach Hause geschickt, bevor er zwei Tage später in U-Haft kam, weil sein Sperma am Opfer gefunden wurde. Aufgrund des genetischen Fingerabdrucks wurde er verurteilt, obwohl er weiter beteuerte, unschuldig zu sein. Moritz‘ Aussage „Ihr opfert mich auf dem Altar eurer Verblendung“ und sein Verhalten sorgten für einen Presseskandal, den Kramer befeuerte. Mia erfüllte währenddessen ihre Pflichten, fuhr abends heimlich zu ihrem Bruder ins Gefängnis und kotzte nachts in eine Schüssel, um nicht wegen zu hoher Konzentration von Magensäure im Abwasser Probleme zu bekommen.Kapitel 8 - Keine verstiegenen Ideologien
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- Seite: 36 - 43
- Zeit: Zuvor genannter Tag Mitte des 21. Jahrhunderts
- Ort/Quelle: Wohung von Mia Holl
- Personen: Mia Holl, Kramer, ideale Geliebte
Inhalt
Während Kramer in der Küche heißes Wasser zubereitet, hält er Mia einen Vortrag darüber, dass die Gesellschaft am Ziel ist. Sie gehorche nur noch der Vernunft und dem kollektiven Überlebenswillen anstatt verstiegenen Ideologien. Ein simpler Verstoß gegen die Grundregeln der Methode könne aber alles gefährden, weshalb ein DNA-Beweis nicht in Frage gestellt werden könne. Unfehlbarkeit sei ein Grundpfeiler der Methode, den Mia akzeptieren müsse. Die ideale Geliebte nennt Kramer eine Maschine, woraufhin Mia Kramer befragt, wie etwas unfehlbar sein soll, dass von Menschen ersonnen wurde, die bisher ja eben nicht unfehlbar waren. Kramer wehrt ihre Anspielung auf mögliche Einzelfallentscheidungen sofort ab. Als Mia ihm recht gibt, dass die Gefühle keine Allgemeingültigkeit besitzten, entgegnet die ideale Geliebte, dass der Verstand eine Illusion sei und dass Moritz wegen solch aufgeklärter Theorien zugrunde gegangen sei. Kramer unterbricht Mias vermeintliches Selbstgespräch, woraufhin diese ans Fenster geht und hinausblickt. Sie erklärt ihm, dass sie sich an einer Kreuzung befindet zwischen Unglück und Verderben. Entweder sie verfluche die Methode, zu der es keine Alternative gibt oder sie verrate die Liebe zu Moritz, an dessen Unschuld sie glaubt. Kramer rät ihr, sich nicht zu entscheiden und bekennt sich zu Lücken im System. Sie soll trauern, aber zur Normalität zurückkehren und nicht weiter bei den Behörden auffällig werden. Erst jetzt fragt Mia ihn, warum er eigentlich gekommen ist. Kramer bittet sie um ein differenziertes Gespräch über den Fall Moritz Holl, um Grundfragen der Methode beantworten zu können und zu zeigen, dass ein guter Bürger trotz Krisen zur Methode steht. Die ideale Geliebte droht Mia, sie zu verlassen, wenn sie das tut.Kapitel 9 - Durch Plexiglas
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- Seite: 44 - 46
- Zeit: Nicht mehr als vier Wochen zuvor und sechs Monate nach Moritz Verhaftung
- Ort/Quelle: Besucherraum im Gefängnis
- Personen: Mia, Moritz
Inhalt
Mia besuchte Moritz im Gefängnis, wo sie nur durch eine Plexiglasscheibe mit Löchern mit ihm sprechen konnte. Sie wünschte sich rückblickend, dass Moritz eine Frau gefunden hätte. Dieser erzählte ihr daraufhin von seiner imaginären idealen Geliebten, die Mia fortan bekommen sollte. Weil Mia zweifelte, bat Mortiz sie, ihr gemeinsames Reich der Fantasie nie zu vergessen. Als sie sich verabschiedeten und die Hände gegeneinander aufs Plexiglas legten, fädelte Mia heimlich eine Angelschnur durch eines der Löcher. „Das Leben ist ein Angebot, das man auch ablehnen kann“, verabschiedete sich Moritz dann.Kapitel 10 - Eine besondere Begabung zum Schmerz
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- Seite: 47 - 48
- Zeit: Zuvor genannter Tag Mitte des 21. Jahrhunderts
- Ort/Quelle: Wohung von Mia Holl
- Personen: Mia Holl, ideale Geliebte