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Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Im Rahmen folgender Analyse wird der Entwicklungs- und Bildungsroman Der Trafikant im Hinblick auf seine Merkmale in Titelgebung, literarischer Gattung sowie Ort und Zeit untersucht.

Buchtitel des Romans

  • Der Begriff Trafik stammt aus dem Österreichischen und bedeutet Tabakfabrik beziehungsweise Zeitschriften- und Tabakhandel. Dementsprechend handelt es sich bei einem Trafikanten um den Inhaber eines Geschäfts, welches Tabak und Magazine vertreibt
  • Der Werkname kann insofern auf den Protagonisten bezogen werden, als dass dieser zwar als Lehrling bei Otto Trsnjek beginnt, jedoch nach dessen Tod den Laden übernimmt und weiterführt. Mit der Übernahme der Trafik führt Franz Huchel das Lebenswerk Otto Trsnjeks so lange weiter, bis er selbst ums Leben kommt

Merkmale der Literaturgattung Roman im Werk

  • Erzählform in Prosa: Die Textsorte eines Romans besteht anders als in einem lyrischen Text nicht aus Reimen oder Versen, sondern aus einem Fließtext, in dessen Rahmen sich indirekte sowie direkte Rede abwechselnd einfügen. Nach diesem Schema ist auch das vorliegende Werk strukturiert. Es lassen sich also sowohl Passagen in direkter Rede in Form von Dialogen (S. 9, Z. 25 ff.) als auch in indirekter Rede, etwa als Beschreibungen (S. 10, Z. 6 ff.) oder innere Monologe (S. in dem Roman entdecken
  • Abgeschlossene Handlung: Während wir in einer Novelle nicht selten ein offenes Ende vorfinden, wird die Handlung in einem Roman meist mit dem Ende des Werks abgeschlossen. Zwar wird im Falle von Der Trafikant nur angedeutet, was mit Franz Huchel passiert, doch die Verhaftung durch die Gestapo (S. 246 f.) lässt darauf schließen, dass Franz sein Leben im Zweiten Weltkrieg verliert. Anezka steht „sieben Jahre später“ (S. 247, Z. 20) vor der verlassenen und heruntergekommenen Trafik. Spätestens jetzt, als die junge Frau als letztes auf Franz hindeutendes Artefakt, seine Traumnotiz entdeckt, wird klar, dass der Protagonist den Krieg nicht überlebt hat
  • Hauptfigur im Zentrum des Geschehens: Wie typisch für einen Roman steht die Entwicklung einer Einzelfigur im Fokus der Handlung. So finden zwar auf Nebenschauplätzen auch andere Handlungsstränge statt, doch wir erleben als Leser dennoch das Erzählte aus Sicht des Protagonisten. Auf die Erzählperspektive wird im Rahmen dieser Lektürehilfe noch näher im Menüpunkt Erzählweise eingegangen
  • Unterteilung: Auch wenn Der Trafikant nicht in die klassische Kapitelunterteilung gegliedert ist, kann man ihn dennoch in Sinnesabschnitte segmentieren, wie es im Rahmen dieser Lektürehilfe ebenfalls vorgenommen wurde. Im Werk ist keine singuläre, stringente Handlung zu finden, sondern sechs verschiedene Handlungen finden parallel statt. Es handelt sich hierbei um zum einen um die Darstellung des vorherrschenden politisch-historischen Kontexts und im Zuge dessen auch um die Schilderung des Schicksals des Trafikanten Otto Trsnjek. Außerdem wird auch ein Teil der Biografie des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud mit in die Handlung eingebunden, und auch die Suche der Hauptfigur nach Liebe findet in einem Nebenstrang statt. Zuletzt bilden auch die persönliche Entwicklungsgeschichte des Protagonisten sowie die Beziehung zwischen ihm und seiner Mutter ein wichtiger Bestandteil des Romans. Alle Handlungen stehen miteinander in Verbindung, sodass sie insgesamt eine komplexe Haupthandlung ergeben
  • Fiktional: Während die Handlung und Figurenwahl eines Romans in Anlehnung an die Realität verfasst werden können, handelt es sich bei der erzählten Geschichte um eine rein fiktionale Erzählung. Allerdings können wir am Beispiel dieses Werks erkennen, dass auch ein Roman nicht immer frei von politisch-historischem Geschehen sein muss. So lässt sich Der Trafikant unverkennbar in die Zeit des NS-Regimes unter Hitler einordnen, während detaillierte Teile des Romans dennoch erfunden sind. Dadurch, dass Seethaler reale Elemente wie den historischen Kontext und den bekannten Psychologen Sigmund Freud mit in sein Werk einbezieht, wird der Eindruck vermittelt, es würde sich um eine wahre Begebenheit handeln. Die wahre Kunst besteht jedoch darin, dass der Autor zwar den Anschein erweckt, jedoch seine Handlung frei erfunden und doch gleichzeitig so nah an der Realität ist, dass man als Leser nicht an der Wahrhaftigkeit des Erzählten zweifelt

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