Aufbau
Im Folgenden soll der Aufbau des Romans Landnahme analysiert werden. Dieser weist einige Besonderheiten auf.
Kapitel
- Der Roman ist in sieben Abschnitte gegliedert
- Am Anfang steht ein Prolog, der zusammen mit dem Epilog die Rahmenhandlung bildet. In dieser wird der Karnevalsumzug 1997 beschrieben.
- Die eigentliche Handlung über Bernhard Habers Leben ist in fünf Kapitel unterteilt
- Die Kapitel sind nach Personen aus Habers Umfeld betitelt
- Sie sind in Ich-Form aus Sicht der jeweiligen Person verfasst
- Das Leben von Haber wird so durch Rückblenden in die gemeinsame Vergangenheit erzählt
- Die Kapitel sind weitestgehend chronologisch geordnet
- Alle Kapitel sind unterschiedlich lang
- Kapitel 1: Thomas Nicolas, Bernhards Mitschüler aus Grundschulzeiten; S.15-78
- Kapitel 2: Marion Demutz, erste Freundin von Bernhard; S. 79-149
- Kapitel 3: Peter Koller, Jugendkamerad und später Fluchthelfer-Kollege von Haber ; S. 150-269
- Kapitel 4: Katharina Hollenbach, verführerische Schwester von Bernhards späterer Frau Friederike; S. 271-322
- Kapitel 5: Sigurd Kitzerow; Habers Nachbar und Geschäftspartner; S. 323-380
- Am Ende steht ein kurzer Epilog, der die Klammer der Rahmenhandlung schließt
Polyphone Struktur
- Michail Bachtin prägte den literarischen Begriff der Polyphonie. Dieser beschreibt Romane, in denen eine Vielzahl von verschiedenen Stimmen berichten. Der Autor gibt in diesem Fall seine Stellung als Autorität der Rede auf und lässt die Figuren sprechen und ihm sogar widersprechen
- Auch Landnahme weist eine polyphone Struktur auf. Habers Leben wird schließlich nicht aus Sicht des Autors bzw. eines Erzählers berichtet, sondern durch fünf komplett unterschiedliche Figuren des Romans
- Die Erzählung über Haber ist mehrstimmig und es wird kein einheitlicher Eindruck geschildert. Stattdessen berichten die fünf Figuren ihre jeweils subjektive Sichtweise und Meinung
- Der Leser muss selbst entscheiden, welcher Stimmer er mehr glaubt
Zeit
- Beginn der Handlung: Mitte September 1950; der erste Schultag von Bernhard Haber, der als Kind eines Vertriebenen, nach Guldenberg gekommen ist
- Verlauf der Handlung: Schulzeit, Erwachsenwerden und Beginn der Karrierelaufbahn von Haber
- Ende der Handlung: 1997; fast 50 Jahre später am Karnevalsumzug
Entwicklung von Haber
- Bernhard Haber kommt als Außenseiter in die Schule; als Sohn eines Vertriebenen wird er gemieden
- Haber wächst in sich gekehrt auf, ist verärgert über die Ausgrenzung und schwört sich innerlich Rache
- Er verlässt Guldenberg zwischenzeitlich; kommt zurück und baut sich eine erfolgreiche Tischlerei auf
- Fast fünzig Jahre später ist Haber ein wichtiges Mitglied der Stadt, großer Arbeitgeber und Präsident des Karnevalsvereins
Offenes Ende
- Das Leben von Haber in Guldenberg ist nicht zu Ende erzählt
- Bei Ende der Handlung ist Haber Ende fünzig; wie es für ihn weitergeht, bleibt ungeklärt
- Es ist nicht eindeutig beschrieben, inwiefern Haber tatsächlich in Guldenberg aufgenommen worden ist. Er selbst spricht als Karnevalspräsident davon, wie viele Menschen ihn gerne tot sehen würden
- Es bleibt offen, ob Haber aus seinem eigenen Schicksal gelernt hat. Zwar weist er seinen Sohn zurecht, als der Fidschis angreift, allerdings ist er selbst gegenüber dem vermeintlich Fremden Thomas unhöflich
- Auch die Zukunft von Habers Sohn Paul und Sigurds Tochter Jenny wird nicht zu Ende erzählt. Haber und sein Nachbar hoffen bis zuletzt, dass die Kinder eines Tages doch heiraten