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Erzählweise

Die Erzählweise im Theaterstück das Leben des Galilei lässt sich unter der Berücksichtigung verschiedener Aspekte betrachten. Wir werden uns im Zuge dieses Unterpunkts primär mit der Erzähltechnik, der sprachlichen Verwendung im Hinblick auf die Figuren im Stück und den epischen Elementen im Werk beschäftigen.

Erzählerische Technik in das Leben des Galilei

  • Gestik: Gesprochenes wird im Theaterstück das Leben des Galilei mit einem sprachlichen Gestus versehen. Hiermit ist weniger die Untermalung des Gesagten durch Handbewegungen als vielmehr der persönliche Ausdruck gemeint, welcher jeder der einzelnen Rollen zugrunde liegt. Brecht stattet seine Figuren jeweils mit einer individuellen sprachlichen Handschrift aus, wobei die Sprache wiederum eng an die persönlichen Charaktereigenschaften der Darsteller geknüpft ist
  • Regieanweisungen: Anhand der regierten Anweisungen als Nebentext wird die Wandelbarkeit und Komplexität der einzelnen Figuren offen dargelegt und der Autor kreiert ein dreidimensionales Bild der einzelnen Charaktere, was ihnen wiederum menschliche Züge verleiht. Dieses erzählerische Element unterbindet eine Heroisierung der einzelnen Personen und bewirkt zudem, dass der Zuschauer es schafft, den Schauspieler klar von der gespielten Rolle abzugrenzen und zu differenzieren
  • Reflexion: Brecht sieht es als primäres Ziel des epischen Theaters an, dem Publikum Unverständliches durch Verständliches verständlich zu machen. Ein Weg, beim Zuschauer nachdenken, stoppen und rekapitulieren des Gelesenen oder Gesehenen hervorzurufen, ist, die Figuren im Stück selbst über ihre Entscheidungen und Meinungen reflektieren zu lassen. Beispielhaft dafür fungiert etwa Szene 8, in welcher das Gespräch zwischen dem kleinen Mönch und Galilei geschildert wird

Betrachtung des Sprachgebrauchs im Hinblick auf den sozialen Stand der Figuren

  • Die verwendete Sprache stellt im vorliegenden Theaterstück besonders klar heraus, welchem Stand die entsprechende Figur zuzuordnen ist und lässt Rückschlüsse auf deren Persönlichkeitsmerkmale zu. Hierbei differenzieren wir zwischen kirchlichem, wissenschaftlichem oder bürgerlichem Hintergrund
  • Kirchliche Herkunft: Wichtige Vertreter der Kirche sind zum einen der Kardinal Inquisitor und zum anderen der ehemalige Kardinal Barberini alias der neu gewählte Papst Urban VIII. Der Sprache, welche von den kirchlichen Vertretern verwendet wird, haftet ein steifer Charakter an. Die Einbettung zahlreicher lateinischer Redensarten und das Zitieren des Alten Testaments verleiht dem sprachlichen Ausdruck des Klerus' außerdem einen hohen akademischen Grad. Der unpersönliche und statische Duktus soll auf die Unbeweglichkeit des Denkens der hohen Geistlichen hindeuten und erweckt außerdem den Eindruck, dass der katholische Kirchenapparat weder Authentizität noch Individualität zulässt
  • Wissenschaftlicher Hintergrund: Der Figurengruppe der Wissenschaftler gehören der Protagonist Galileo Galilei, sein Schüler Andrea sowie der kleine Mönch und auch Galileis Freund Sagredo an. Insbesondere Galileo besitzt den Wortschatz eines gebildeten Akademikers, vermag es jedoch im Kontrast zu den Vertretern der Kirche, dieses Vokabular flexibel seiner Umgebung anzupassen und beispielsweise im Gespräch mit Frau Sarti eine einfachere Ausdrucksweise an den Tag zu legen als gegenüber der kirchlichen Eminenz. Die sprachliche Gewandtheit des Forschers befähigt ihn auch dazu, trotz Zensur weiter im Verborgenen an seinen Theorien zu arbeiten und sie letztendlich durch Andrea zu veröffentlichen
  • Bürgerlichen Ursprungs: Die einfache und arme Bevölkerungsschicht wird von der Rolle der Frau Sarti vertreten. Doch auch Galileis Tochter Virginia spricht im selben Jargon wie ihre Haushälterin. Die sprachliche Ausdrucksweise der beiden zeichnet sich durch unkomplizierte syntaktische Sätze aus, welche standesunabhängig von jedem verstanden werden können. Die Sprache des einfachen Bürgertums besitzt eine Unmittelbarkeit und Direktheit, die wiederum Sympathie und Glaubwürdigkeit vermittelt

Epische Elemente im Werk

  • Einleitende, szenische Heranführung an jede Szene: Dadurch, dass man als Leser vor Beginn jeder Szene auf das darauffolgende Geschehen vorbereitet wird, wird ein möglicher Überraschungseffekt über etwaige Handlungsverläufe von vorne herein reduziert. Die Wirkung dieses gestalterischen Mittels zeigt sich darin, dass das Publikum vermag, seine kritische Distanz zu wahren, da die Exposition sowie die Epigramme die gespannte Erwartungshaltung des Lesers von Anfang an mindert
  • Miteinbezug des Publikums: Durch die direkte Ansprache werden die Zuschauer daran erinnert, dass sie sich außerhalb des Handlungsgeschehens befinden. So erreicht Brecht erneut beim Leser, dass dieser sich reflektierter und objektiver mit dem Dramentext auseinandersetzen setzt und nicht in Gefahr läuft, sich soweit mit dem Theaterstück zu identifizieren, dass kein detachiertes Urteil mehr möglich ist
  • Figurengestaltung: Zwar stellt Bertold Brecht Galilei als Protagonist in den Vordergrund, jedoch handelt es sich bei der Hauptperson nicht um einen klassischen Helden, sondern um eine historische Figur. Essenziell und entscheidend für das epische Drama ist es in diesem Fall, dass sich Galileo nicht ausschließlich entsprechend seiner Persönlichkeit verhält, sondern ebenso die gesellschaftliche und soziale Rolle, welche ihm als berühmter Wissenschaftler zuteilwird, mitberücksichtigen muss

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