Rezeption
Diese Rezeption Effi Briests wird sich zunächst einmal auf die Reaktion der Öffentlichkeit, gefolgt von dem Lob und der Kritik der Kollegen Fontanes sowie abschließend auf die am meisten kritisiertesten Punkte im Roman beziehen.
Allgemeine Reaktion der Öffentlichkeit
- Die Resonanz der Leserschaft zu Effi Briest fällt vorrangig positiv aus
- Mit dem vorliegenden Roman schafft es Fontane, seinen „Durchbruch“ als Autor des Realismus zu bewerkstelligen. 1888-94 geschrieben, erscheint der Roman 1895 erstmals als gedruckte Version, und zehn Jahre später existiert bereits die 16. Auflage zum Werk
- Auch der Autor selbst ist gleichermaßen überrascht wie auch erfreut über den Erfolg von Effi Briest. 1909 geben Otto Priower und Paul Schlenther in Berlin die gesammelten Werke Theodor Fontanes heraus. Fontanes äußert sich in letzterem Schriftstück wie folgt über den Schreibprozess von Effi Briest: „Es ist so wie von selbst gekommen, ohne rechte Überlegung und ohne alle Kritik“
- In der Oktoberausgabe der Literaturzeitschrift Der Kunstwart 1895 wird Fontanes Gesellschaftsroman von der zeitgenössischen Presse als ein Buch „voller Lebensweisheit“ beschrieben, welches sowohl einen „melancholischen Optimismus“ aufweist als auch ein „feurig jugendliches Gefühl“ im Leser hervorruft
- Effi Briest gehört heute zur Weltliteratur und wurde inzwischen fünfmal verfilmt. Das Schriftwerk selbst ist mittlerweile in mehr als 30 Sprachen erhältlich und erfreut sich ebenso international an hohem Ansehen
Lob und Kritik der Kollegen
- Thomas Mann: In der Biografie über Mann, welche 2002 von Heinrich Detering veröffentlicht wurde, teilt sich Thomas Mann wohlwollend über den Gesellschaftsroman Fontanes mit. Selbst ein Nobelpreisträger für Literatur nennt Thomas Mann Effi Briest ein „herrliches Buche“, dem „zwei nachfolgende Generationen nichts Ebenbürtiges zur Seite zu stellen haben“. Auch erwähnt der Schriftsteller des 20. Jahrhunderts den Namen Fontane in einem Atemzug mit dem Begriff Weltliteratur, was an Komplementierung kaum zu überbieten ist. Zuletzt bezeichnet er Effi Briest „als Kronjuwel erzählender europäischer Prosa“
- Marcel Reich-Ranicki: Der allgemein als Skeptiker bekannte Literaturkritiker zählt bei einem Interview am 18. Juni 2011 mit dem Spiegel Effi Briest als eines der 10 wichtigsten Bücher für Deutschabiturienten auf
- Luise Berg-Ehlers: Die Autorin schreibt in einer Rezension in der Kreuzzeitung am 6. Dezember 1895 über Fontane, der Autor habe „nach einem langen Entwicklungsgange […] die hohe Kunst der Schlichtheit und Wahrheit erlangt.“
Kritikpunkte im Roman
- Der Spuk / Gruselfaktor: Teilweise kritisiert wurde die Ausführung des Unheimlichen im Roman, da beispielsweise dem Chinesen als Verschlüsselungsfigur bis zuletzt keine ersichtlich aufgelöste Bewandtnis zuteilwird. An dieser Stelle sei jedoch darauf hingewiesen, dass es eben genau diese Rätselhaftigkeit ist, welche in realistischen Werken ebenso auftreten kann wie in jeder anderen Literaturepoche. Denn obwohl sich über die reale Bedeutung des Chinesen diskutieren lässt, besitzt er dennoch eine maßgeblich symbolische Wichtigkeit für den Roman, welche in der vorliegenden Lektürehilfe unter Interpretation noch näher beleuchtet wird
- Zur sprachlichen Realisierung: Ohne Frage bedient sich Theodor Fontane einer sehr poetischen und ästhetisierenden Sprache, die des Öfteren in umständlicher sowie verschachtelter syntaktischer Form auftritt. Dieser Schreibstil stößt bei zahlreichen Lesern auf Widerstand, handelt es sich doch bei dem Text um ein Werk des Realismus. Doch der Glaube, dass Realismus mit nüchterner, sachlicher Sprache einhergehen muss, stellt sich als Mythos heraus. Die von den Realisten verwendete Sprache trübt meist den Blick auf die Realität, da sie Letztere nicht faktisch, sondern ästhetisch aufgearbeitet wiedergibt