Sprache
Im Folgenden soll die Sprache analysiert werden, die Thomas Mann in seinem Werk Mario und der Zauberer genutzt hat.
Sprachliche Merkmale
- Kunstvolles Hochdeutsch, das extrem präzise und zugleich uneitel wirkt.
- Hypotaktischer Satzbau: Üblich für Thomas Mann sind die komplizierten Satzgefüge, die gerne durch Semikolon getrennt und durch Parenthesen unterbrochen werden.
- Mündliche Züge lassen das Gefühl einer Erzählsituation entstehen.
- Mehrfach findet eine Leseransprache statt: Der Erzähler wendet sich quasi direkt an seinen Zuhörer, z.B. bei „da haben Sie recht“ oder „geben Sie es zu“ (S. 22). Dadurch wird sprachlich eine Art Vertrauensverhältnis geschaffen.
- Häufung von Adjektiven, um die Atmosphäre oder die Charaktere besser zu beschreiben.
- Bildlicher Stil, der eine detaillierte Vorstellung beim Leser schafft.
- Wechsel zwischen Präteritum (Geschehen) und Präsens (Kommentare), um den Eindruck zu erwecken, der Erzähler würde „live“ berichten.
- Wörtliche und indirekte Rede werden im Wechsel genutzt. Auffallend dabei: Der Erzähler selbst kommt nie mit direkter Rede zur Wort; wenn andere Figuren sprechen, wird dagegen wörtliche Rede verwendet.
- Typisch für Thomas Mann sind die langen, ausführlichen und syntaktisch anspruchsvollen Beschreibungen einer Person oder Begebenheit, z.B. Cipollas Einführung direkt zu Beginn der Novelle.
- Mann bezeichnet Cipolla kreativ mit einer Vielzahl an Synonymen bzw. Begriffen: „fahrender Virtuose“, „ein Unterhaltungskünstler“, „Illusionista“, „Zauberer“, „Gaukler“, „Hypnotiseur“, „dieser allzu Sichere“, „Krüppel“, „der selbstbewusste Verwachsene“, „der Bucklige“, „Chevalier“, „Cavaliere“, „Meister“, „der Schreckliche“, „ein durcheinander geworfenes Bündel Kleider und schiefer Knochen“, „Scharlatan“ oder „Possenreißer“.
- Immer wieder arbeitet Mann mit der italienischen Sprache: Er streut Ausrufe in der Originalsprache des Handlungsortes ein, z.B. „Pronti“ und „Cominciamo“ (S. 37). Der Leser fühlt sich dadurch nach Italien versetzt.
- Sprechende Namen: Mann nutzt die Sprache dazu, die Personen schon mit ihrem Namen indirekt und kunstvoll zu charakterisieren. Der Name Mario ist aus der Antike entlehnt und schafft den Bezug zu Marius, der mit seinem Kampf gegen Diktator Sulla zu Roms Retter wurde. Cipolla ist das italienische Wort für Zwiebel. Durch diesen Vergleich hebt Mann die vielschichtige äußere und innere Erscheinung des Zauberers hervor und verknüpft sein Wesen zugleich mit der Knollenfrucht, die viele nicht mögen.