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Schein

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ (S. 65) ist wohl das bekannteste Zitat aus Skakespeares Hamlet. Mit diesen Worten leitet Hamlet einen Monolog über Selbstmord ein. Allerdings greift er damit auch indirekt eine der wichtigsten Problematiken der Handlung auf: die Fage nach Schein oder Sein.
Hamlet zweifelt nämlich nicht nur, ob Leben oder Tod besser ist. Er scheitert letzlich an der Fragen, was real und was Schein ist, und daran, die Widersprüche der paradoxen Welt in Einklang bringen zu wollen.
Die Schein-oder-Sein-Frage zeigt sich an vielen Stellen im Werk. Diese werden nun einzeln interpretiert:

Claudius

  • Der König gibt sich nach außen als völlig anderer Mensch; erst später fällt seine Maske
  • Schein: diplomatischer und friedliebender Herrscher, schmeichelhaftes und fürsorgliches Oberhaupt des Volkes, trauernder Bruder und liebender Stiefvater
  • Sein: machtgieriger König, korrupter und skrupelloser Herrscher, Bruder-Mörder, misstrauischer Verräter
  • Hamlet war von Anfang an nicht gut auf Claudius zu sprechen, war über dessen wahres Ich aber trotzdem ahnungslos
    Schockiert erklärt er nach der Offenbarung des Geistes: „O Schurke, Schurke, verflucht lächelnder Schurke! ... Dass einer lächeln kann und immer lächeln, und doch solch ein Schurke sein“ (S. 35)

Hamlet selbst

  • Der Prinz offenbart zu Beginn sein wahres Ich, verstellt sich später gezielt
  • Sein: trauernder und liebender Sohn, er trägt nicht nur äußerlich mit schwarzer Kleidung Trauer, sondern hat echte Gefühle
  • Schein: ungepflegte Kleidung und wirre Worte, um wahnsinnig zu wirken; Hamlet nutzt die Tatsache aus, dass alle denken, äußere Erscheinung zeige das Innenleben
  • Gleichzeitig versucht Hamlet verzweifelt, herauszufinden, was nun real ist, ob er dem Geist glauben kann
    Er selbst verstrickt sich dabei in Widersprüche; seine Welt wird immer paradoxer

Geist

  • Der Geist ist Sinnbild von Sein und Nicht-Sein zugleich und verwirrt Hamlet
  • Sein: Der Geist erscheint nicht nur Hamlet, sondern auch seinen Freunden; er wirkt wie Hamlets Vater, erscheint also real
  • Schein: eigentlich existieren Geister nicht, Hamlets Mutter sieht den Geist nicht
  • Ausgerechnet der Geist erklärt Hamlet, dass seine Realität Schein ist und die Wahrheit vollkommen anders aussieht

Theater-Falle

  • Hamlet versucht mit einem Theaterstück die Realität aufzuklären
  • Der Schein soll also das wahre Sein offenbaren
  • Paradox; Claudius bloße Reaktion kann schließlich nicht eindeutig mit Fakten als Geständnis gesehen werden; Hamlets Rückschluss darauf ist ein Schein-Rückschluss, der sich erst durch Claudius Beichte später als Wahrheit entpuppt

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