Karl Rossmann
Infos zur Person
- Karl Rossmann ist siebzehn Jahre alt und wurde von seinen Eltern fortgeschickt nach Amerika, da er zu Hause in Prag das Dienstmädchen Johanna Brummer geschwängert hat
- Zu seinen Eltern scheint Karl keine besonders innige Beziehung gepflegt zu haben und auch sein Onkel Jakob hält wenig von der Erziehungskunst der Prager Eltern
- Angekommen im Hafen New Yorks, trifft der Protagonist auf seinen Onkel Edward Jakob, welcher von Karls Eltern damit beauftragt worden ist, den Jungen in Empfang zu nehmen
- Karl wird als „starker Junge“ (S. 7, Z. 20) beschrieben, was darauf hinweist, dass er für sein Alter ungewöhnlich groß und breit gebaut ist
Charakter
- Fleißig: Dankbar für die Aufnahme seines Onkels in dessen Residenz und zunächst überwältigt von dem luxuriösen Lebensstil, welchen Jakob pflegt, möchte sich der Protagonist besonders anstrengen und Fleiß an den Tag legen, sei es beim Lernen des Pianos oder der englischen Sprache. Dies spiegelt seine Art und Weise wider, dem Onkel Wertschätzung für dessen Großzügigkeit entgegenzubringen. Ein weiterer intrinsischer Motivationsfaktor für Karls Fleiß kann zudem der Gedanke daran, seine Eltern stolz zu machen sein. Denn auch wenn Rossmans Mutter und Vater sich gar nicht bis sporadisch bei ihrem Sohn melden, vergeht für Karl kaum ein Tag, an welchem er nicht an sie denkt
- Bedürfnis nach Anerkennung & Wertschätzung: Nicht zuletzt dem distanzierten Verhältnis zu Schulden sehnt sich der junge Mann nach Aufmerksamkeit, Liebe und Wertschätzung seiner Mitmenschen. Da er sie durch seine Eltern nur im marginalen Rahmen erfährt, sucht er sie stattdessen bei nahestehenden Personen wie seinem Onkel oder seinen Kollegen in der Zeit, in welcher er als Liftjunge im Hotel Occidental arbeitet. Selbst den zwielichtigen Freunden Delamarche und Robinson möchte Karl seine Treue beweisen, indem er beispielsweise wieder zu ihnen ins Gasthaus zurückkehrt, obwohl man ihm ein vermutlich weitaus komfortableres Bett im Hotel anbietet. Während seiner Zeit in New York sinniert Karl auch des Öfteren darüber nach, was seine Eltern wohl von seiner neu erlangten Selbstständigkeit halten würden und ob sie auf ihn stolz wären
- Unerfahren: Karl, der sich bisher den Großteil seines Lebens in seiner Heimatstadt Prag in Böhmen aufhielt, benötigt etwas Eingewöhnungszeit in der Stadt des Big Apple, bis er sich an den Lebensstil in der Metropole gewöhnt. Zwar hat der junge Mann bereits Erfahrungen im Bereich Sexualität mit dem ehemaligen Dienstmädchen seiner Eltern gesammelt, doch er das Intermezzo seinen Erzählungen nach eher über sich ergehen ließ, als es initiiert zu haben. Dass Karl mit der Interaktion des anderen Geschlechts teils überfordert ist, zeigt sich auch deutlich daran, wie er auf die dominante Tochter Pollunders, Klara, reagiert. Als Klara Rossmann körperlich näherkommt, als dieser gegen ihren Willen ein Zimmer inspizieren möchte, erstarrt Karl regelrecht und fühlt sich sehr unwohl in der physischen Nähe der jungen Frau
- Hilfsbereit & hoher Gerechtigkeitssinn: Die hilfsbereite Art Karls zeigt sich das erste Mal, als er am Anfang der Erzählung von der ungerechten Behandlung des Heizers erfährt und diesem sofort seine Hilfe und Unterstützung anbietet. Auch sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn spielt hier mit herein, da seiner Meinung nach Gerechtigkeit etwaigen Machtverhältnissen übergeordnet ist. Als er jedoch erlebt, wie der Fall des Heizers abgelehnt wird, da dessen Vorgesetzter über bessere Verbindungen in die Chefetage verfügt, wird Karl in seiner Vorstellung einer gerechten Welt desillusioniert
- Gutgläubig: Dadurch, dass Karl etwas naiv ist, gerät er im Laufe der Handlung immer wieder in prekäre Lagen. Das erste Mal macht sich seine Gutgläubigkeit darin bemerkbar, dass er etwa gleich zu Beginn der Handlung seinen Koffer von einem Fremden bewachen lässt, nur um seinen Schirm zu finden. Des Weiteren geht er im Hotel Occidental davon aus, dass als Robinson im betrunkenen Zustand erscheint, es niemandem auffallen würde, wenn er für einen Augenblick seinen Posten als Liftboy verlassen und sich um den hilfebedürftigen Bekannten kümmern würde. Diese Naivität kostet ihn den Koffer mit seinem Hab und Gut und zuletzt auch seine Anstellung im Hotel